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50 Jahre Bundesliga-Skandal - Geldkoffer in der Kabine

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Am Samstag jährt sich zum 50. Mal das Spiel, das den Bundesliga-Skandal von 1971 eröffnete. Ein Torwart hätte das Ergebnis fast verhindert. Und wurde trotzdem bestraft.

Torwart Dieter Burdenski - Bielefeld (Archiv 1971)
Torwart Dieter Burdenski hütete vor 50 Jahren das Schalker Tor gegen Arminia Bielefeld.
Quelle: imago/Werner Otto

Es lief gut für den jungen Schalker Torwart an diesem 17. April 1971. Kurz vor Spielbeginn hatte er erfahren, dass er für den verletzten Stammtorwart Norbert Nigbur auflaufen sollte. Dann gaben ihm seine Vorderleute auch noch jede Menge Gelegenheit, sich so auszuzeichnen, so dass er im "Kicker" die Note 1 erhalten würde. Erst in der 82. Minute gelang es dem Bielefelder Gerd Roggensack, ihn zum 1:0-Sieg der Gäste zu überwinden.

Burdenski: Perfektes Torwart-Spiel

"Das Spiel war für mich als Torhüter perfekt - bei so vielen Gelegenheiten, mich gegen frei vor mir auftauchende Stürmer auszuzeichnen", erinnerte sich Dieter Burdenski im letzten Jahr im "Kicker". Vereinzelt waren Schieber-Rufe auf der Tribüne zu hören. Aber in der Tabelle tat den Schalkern die Niederlage nicht richtig weh, da sie an diesem 28. Spieltag weder mit dem Titel noch dem Abstiegskampf etwas zu tun hatten. Damals konnte sich außer dem Pokalsieger nur der Meister für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren.

Burdenski stellte keine großen Fragen, als ihm noch in der Kabine wie allen anderen Schalker Spielern 2.300 D-Mark übergeben wurden. Was er nicht wusste: Insgesamt 40.000 Euro hatte der Ex-Schalker Waldemar Slomiany als Geldbote des Bielefelder Vorstandes mit an die Glückauf-Kampfbahn gebracht.

Buhmann auf Schalke

"Ich war überall in der Elf des Tages. Ich sage ja:

Ich habe keinen Fehler gemacht - außer das Geld genommen zu haben.
Dieter Burdenski

"Die Summe war einfach enorm hoch, auch gemessen an unserem damaligen Verdienst“, so Burdenski, "als junger Mensch habe ich da einfach nicht die Fragen gestellt, die ich mir heute sicherlich stellen würde."

Die Fragen stellte dann nach Bekanntwerden der Bestechungsvorwürfe DFB-Chefankläger Hans Kindermann. Burdenski wurde zum ersten Spieler, der über ein Jahr später, am 18. Mai 1972, vor dem DFB-Sportgericht zugab, Geld erhalten zu haben. Obwohl er dabei nur über sich sprach, machte ihn diese Aussage auf Schalke zum Buhmann. Denn die anderen Schalker bestritten die Vorwürfe beharrlich, acht von ihnen im April 1972 sogar unter Eid vor einem ordentlichen Gericht.  

Sportmoderator Harry Valerien moderiert am 26.10.1971 die ZDF-Sondersendung zum Bundesliga-Skandal.

Beitragslänge:
41 min
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Fan-Attacken bei der Rückkehr

Als Burdenski, der nach der Saison ausgerechnet nach Bielefeld gewechselt war, zwei Tage nach seinem Geständnis nach Schalke zurückkehrte, wurde er nach eigenen Angaben von den Fans auf dem Weg von der Kabine auf den Platz mit Bierflaschen beworfen, bespuckt und beschimpft.

"Ich war unwahrscheinlich enttäuscht, wie das Schalker Umfeld damit umgegangen ist. Das ging bis hin zu Morddrohungen durch Fans, weil ich als derjenige gesehen wurde, der den Verein in den Schmutz gezogen hatte", so Burdenski. Das sei besonders schlimm gewesen, da Gelsenkirchen seine Heimat war und seine Familie noch dort lebte.

50 Jahre Bundesliga-Skandal - Als die Bundesliga ihre Unschuld verlor 

Vor fünfzig Jahren erschütterte ein Bestechungsskandal die Fußball-Bundesliga: Im Abstiegskampf wurden reihenweise Spiele manipuliert, über die Hälfte der Klubs war involviert.

Videolänge
1 min
von Ralf Lorenzen

Schalke Spieler wegen Meineids verurteilt

Burdenski spielte mit Arminia Bielefeld in der kommenden Saison zwar noch in der Bundesliga, aber ab dem 13. Spieltag außer Konkurrenz. Denn der DFB verurteilte die Arminia zum Zwangsabstieg in die höchste Amateurliga. Der Torwart selbst wurde vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe von 2.300 D-Mark und einer mehrmonatigen Sperre verurteilt, kurz vor deren Ablauf im Mai 1973 aber begnadigt.

Nach dem 17. April 1971 folgten bis zum Saisonende noch mindestens 17 weitere Spiele mit versuchten oder erfolgten Bestechungen. Am längsten beschäftige die Gerichte aber dieses erste manipulierte Spiel. 

Geldstrafen zugunsten Krebshilfe

Erst im Dezember 1975 gaben acht Schalker Spieler zu, Geld erhalten und einen Meineid geschworen zu haben. Sie wurden wenig später vom Landgericht Essen zu Geldstrafen von bis zu 10.000 DM zugunsten der Deutschen Krebshilfe verurteilt. Erst im Februar 1976 verhängte der DFB die letzten Sperren gegen Schalker Profis.

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