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Interview

Fußball-Trainerin Anne Pochert - "Graue Haare werden in dem Job nicht weniger"

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Anne Pochert trainiert den FC Carl Zeiss Jena. Sie ist die einzige, die in der Frauen-Bundesliga als Cheftrainerin arbeitet. Im Interview spricht sie über dieses Missverhältnis.

Anne Pochert (FC Carl Zeiss Jena)
Alleinstellungsmerkmal in der Branche: Anne Pochert (FC Carl Zeiss Jena) ist die einzige Cheftrainerin in der Frauen-Bundesliga.
Quelle: imago

ZDFheute: Anne Pochert, Sie sind die einzige Frau auf der Trainerbank der Frauen-Bundesliga. Fühlen Sie sich als Exotin?

Anne Pochert: Nicht wirklich, weil ich das seit fast 16 Jahren als Trainerin gewöhnt bin. Da war es nicht selten, dass mir ein männlicher Trainer gegenüber saß. Aber es stimmt mich natürlich nachdenklich, dass so wenige Frauen in der obersten Frauen-Spielklasse als Trainerin aktiv sind.

ZDFheute: Im vergangenen Jahr verfügten nur 31 Frauen über die Pro-Lizenz, um im Profibereich arbeiten zu können. Woher rührt dieses Missverhältnis?

Pochert: Ich denke schon, dass dabei die Rolle der Frau ein Thema ist: Die Frau, die Kinder bekommt und die Familie führt. Dann widmet sich eine Frau mit Mitte 30 nicht noch zwingend sieben Tage die Woche der Trainertätigkeit. Und ganz häufig wird Frauen nicht zugetraut, andere Leute zu führen.

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ZDFheute: Also Vorbehalte einer Männer-Welt?

Pochert: Vielleicht nicht im Allgemeinen, aber sicher im Fußball. Fußball war erst einmal ein Männersport mit längerer Tradition, den Frauenfußball gibt es im DFB erst 50 Jahre. In den Medien spielt er erst seit 20 Jahren eine Rolle.

Mir aber wurde immer Respekt gezollt. Ich stehe nicht ohne Grund als Trainerin in der Frauen-Bundesliga: Das habe ich mir erarbeitet und ist für mich eine riesige Ehre und Anerkennung.
Anne Porchert

ZDFheute: Ist es den Spielerinnen nach Ihrem Empfinden egal, ob ein Mann oder eine Frau an der Seitenlinie steht?

Pochert: Das spielt nicht wirklich eine Rolle. Ich bin jemand, der gerne und viel kommuniziert – und Spielerinnen auf Augenhöhe abholt. Dem einen oder anderen Mann mag dieses Fingerspitzengefühl abgehen.

Aber am Ende des Tages ist er deswegen kein schlechterer Trainer: Das Gesamtpaket aus Empathie, Führungsqualität und fachlicher Komponente macht einen guten Trainer oder eine gute Trainerin aus.

ZDFheute: Was macht für Sie den Trainerberuf so spannend?

Pochert: Gemeinsam mit jungen Spielerinnen etwas zu entwickeln: Dass wir mit Jena in meinem ersten Jahr gleich wieder aufgestiegen sind, hat gezeigt, dass die Arbeit in unserem Team Früchte getragen hat.

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ZDFheute: Warum aber begeistern sich so wenige Frauen dafür?

Pochert: Weil es wirklich ein anstrengender Job ist! Ich habe jahrelang im Jugendbereich gearbeitet; da war es kein Problem, drei, vier Spiele hintereinander zu verlieren. Jetzt lastet ein Riesendruck auf einem. Das ist nicht ganz einfach, und da werden die grauen Haare leider auch nicht weniger. Der Stress ist enorm.

ZDFheute: Eine namhafte Frauen-Initiative angeführt von Katja Kraus will mehr Frauen im Fußball verankern und schlägt dafür eine Quote vor. Was halten Sie davon?

Pochert: Meine persönliche Meinung: Auf der einen Seite finde ich eine Quote erst einmal ganz gut, um Frauen in die richtigen Positionen zu bekommen, die sie sonst die nächsten Jahre nicht bekommen hätten.

Auf der anderen Seite ist es schwierig, eine Frau auf eine Position zu hieven, nur weil die Quote erfüllt werden muss und nicht die Qualität das Kriterium ist. In solchen Fällen wird diejenige doch immer nur als die Quotenfrau angesehen.

ZDFheute: Eine Vielzahl von Nationalspielerinnen wie Almuth Schult, Lina Magull, Alexandra Popp oder Sara Däbritz machen neuerdings einen ersten Trainerschein. Begrüßenswert?

Pochert: Absolut. Ich denke schon, dass ein guter Trainer sich durch eine aktive Karriere auszeichnet. Im besten Fall im höheren Leistungsbereich. Es gibt sicher Ausnahmen wie Julian Nagelsmann, aber es ist eigentlich ein Vorteil, selbst hochklassig gespielt zu haben.

ZDFheute: Würde es etwas bringen, wenn im Profi-Männerbereich, also Dritte Liga und aufwärts, zum ersten Male eine Frau trainieren würde?

Pochert: Das wäre ein Durchbruch. Das ist so ähnlich wie bei den Schiedsrichterinnen. Beim Drittligaspiel zwischen TSV Havelse gegen Hallescher FC ist kürzlich erstmals ein komplettes Schiedsrichterinnen-Gespann (Riem Hussein mit ihren Assistentinnen Katrin Rafalsi und Christina Biehl, Anm. d. Red.) aufgetreten. Für mich ist das eine Frage der Zeit, bis sich ein Profiverein für eine Cheftrainerin entscheidet.

ZDFheute: Kämen Sie dafür infrage?

Pochert: (lacht) Ich bin für alles offen, aber aktuell sehr, sehr zufrieden mit meinem Job in Jena. Diese Tätigkeit würde ich erst einmal noch lange weiterführen.

Das Gespräch führte Frank Hellmann

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