FC Augsburg: Giftig und unabsteigbar

    Seit elf Jahren Bundesligist:FC Augsburg: Giftig und unabsteigbar

    von Ralf Lorenzen
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    Seit elf Jahren wird der FCA vor jeder Saison als Abstiegskandidat gehandelt - und bleibt trotzdem in der Liga. Bolzplatz by Manu Thiele analysiert das Erfolgsrezept des Klubs.

    Fast jede Saison ist der FC Augsburg ein Abstiegskandidat. Doch seit elf Jahren hält sich der Verein in der 1. Bundesliga. Manu Thiele blickt auf das Augsburger Erfolgsrezept.18.10.2022 | 14:54 min
    Es gibt jede Menge blumige Synonyme für Fußballklubs: Die Roten Teufel, Rothosen, Kiezkicker, Störche oder Glubberer - am beliebtesten bei Sportreportern sind mit Abstand die Fuggerstädter. Kaum eine TV-, Radio- oder Zeitungsreportage kommt ohne diese Bezeichnung für die Mannschaft des FC Augsburg aus.
    Der FC Augsburg spielt seit elf Jahren in der Fußball-Bundesliga. Geschäftsführer Stefan Reuter erklärt, was den Verein aus der bayerischen Provinz so besonders macht.18.10.2022 | 19:38 min

    Nie schlechter als Platz 15

    So traditionsreich der Bezug zur jahrhundertealten Geschichte der Kaufmannsfamilie Fugger ist, so jung ist vergleichsweise die des FC Augsburg in der ersten Bundesliga. 1969 aus der Fusion zweier traditionsreicher Klubs hervorgegangen, ist er erst seit elf Jahren erstklassig. Dafür ununterbrochen, was nur eine Handvoll anderer Klubs von sich behaupten kann.
    Vor jeder Saison werden die Augsburger als Abstiegskandidat gehandelt - haben aber noch nie eine Saison schlechter als auf Platz 15 abgeschlossen. 2014 gelang sogar die Qualifikation für die Europa-League. "Der FC Augsburg ist unabsteigbar", beginnt Manu Thiele denn auch die aktuelle Ausgabe seines Bolzplatzes.

    Die Macht des Investors

    Fehlende Spannung im Bundesliga-Titelkampf: Sollte die 50+1-Regel abgeschafft werden? Manu Thiele diskutiert mit seinen Gästen die Vor- und Nachteile der 50+1-Regel.03.05.2022 | 14:38 min
    Stimmig wird der Bezug zur Kaufmannstadt, wenn man sich den Weg zum Dauergast im Oberhaus anschaut. Der begann im Jahr 2000 während einer tiefen Krise. In die 4. Liga war der ehemalige Zweitligist damals abgestiegen und stand finanziell kurz vor der Pleite. Dann tauchte der Textilunternehmer Walther Seinsch als Investor und Vereinsvorsitzender auf und führte den Klub mit seiner Finanz- und Tatkraft innerhalb von elf Jahren in einem neuen Stadion in die Bundesliga. Insgesamt etwa 50 Millionen Euro soll Seinsch in den Verein gesteckt haben. 
    Mit der Konstruktion "Investor gleich Präsident" trickste der Verein laut Thiele die 50+1-Regel aus. Die ist mal eingeführt worden, um die Macht externer Geldgeber zu begrenzen. Das Augsburger Konstrukt wurde 2015 auch nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt von Seinsch weitergeführt. Der Unternehmer Klaus Hofmann übernahm sowohl Anteile an der zur Kapitalgesellschaft ausgegliederten Profiabteilung als auch den Vorsitz im Stammverein.

    Ende der heilen Welt

    Seit einem guten Jahr sind die Verhältnisse allerdings auch in Augsburg komplizierter geworden. Erst verkaufte Hofmann 45 Prozent der Anteile an seiner Investoren GmbH - und damit indirekt auch an der FC Augsburg GmbH und Co. KGaA - an den US-Unternehmer David Blitzer. Vor dieser Saison trat er dann als Vereinspräsident und Geschäftsführer der Profiabteilung zurück. Fast gleichzeitig erklärte auch Trainer Markus Weinzierl nach Auseinandersetzungen mit Sportdirektor Stefan Reuter seinen Rücktritt.
    Der 1. FC Köln hat in einem abwechslungsreichen Spiel den FC Augsburg mit 3:2 bezwungen. Garant für den Sieg war Kölns Stürmer Stefan Tigges, der doppelt traf.17.10.2022 | 8:02 min
    Die Mannschaft zeigt sich bislang unbeeindruckt von diesen Unruhen und dem Trainerwechsel zu Enrico Maaßen. Trotz des 2:3 beim 1. FC Köln am vergangenen Spieltag belegt sie den ihr wohlbekannten Platz 12. Mit der bewährten Mischung aus erfahrenen, kampferprobten Spielern sowie ehemaligen U21-Nationalspielern führt sie ihr Erfolgsrezept fort. Das hat Stürmer Andre Hahn so formuliert: "Mit extrem viel Leidenschaft, mit extrem viel Kampf und Herz."

    Zweikampfstark, eklig, als Team.

    FCA-Profi Andre Hahn über das Erfolgsrezept

    Erfolg mit Underdog-Fußball

    Die Fuggerstädter nehmen ihre Rolle als Außenseiter wieder einmal entschlossen an. "Der FC Augsburg spielt wie ein typischer Underdog", sagt Manu Thiele dazu. "Statt selbst den Ball zu haben, wird gerne gekontert." Dieser Spielstil sei so etwas wie die DNA des Klubs, nach der der jeweilige Trainer ausgesucht werde.
    Eine der meistgebrauchten Vokabeln nach Spielen mit Augsburger Beteiligung heißt "giftig". Bestes Indiz: Mit bislang 32 gelben Karten führen sie diese Statistik in dieser Saison haushoch an. Die Gallier der Bundesliga leben nicht im Nordwesten, sondern im Süden des Landes.

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