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Sportwetten im Fußball : Doppelmoral der Verantwortlichen

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Die Wettanbieter setzen astronomische Summen um. So dient das Umfeld des deutschen Profifußballs als gigantische Werbeplattform. Das birgt Risiken.

Die Bundesliga und ihre Vereine verdienen Millionen mit Sportwetten-Werbung. Das Geld stammt auch von spielsüchtigen Fans. Welche Verantwortung tragen die Klubs?

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Zum Stadionbesuch gehören Bier und Bratwurst. Fußballschauen am Fernseher ist fast zwangsläufig damit verbunden, auch Werbespots von Wettanbietern zu konsumieren. Keine andere Branche umgibt die TV-Werbung derart penetrant wie die Wettanbieter. Und das Geschäft brummt: 9,4 Milliarden Euro betrug zuletzt der Jahresumsatz der Sportwetten-Branche in Deutschland. Zum Vergleich: Die 36 Lizenzvereine der 1. und 2. Bundesliga setzten zuletzt 4,05 Milliarden Euro um. Weniger als die Hälfte.

Wettanbieter leben von Partnerschaften im Fußball

Vereine und Verbände sind diesen Geldflüssen nicht abgeneigt. Der FC Bayern München begann 2015 seine Partnerschaft mit dem Wettanbieter tipico, die nunmehr bis ins Jahr 2025 fixiert ist. Der heutige Bayern-Vorstandsboss Oliver Kahn warb in Einzelspots für ein Unternehmen, das sich über die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ebenfalls gleich bis 2025 als offizieller Partner angedockt hat. Tipico ist denn auch bei den Werbeausgaben die unangefochtene Nummer eins. Bereits 2018 wurden dafür 162 Millionen Euro angesetzt.

Konkurrent bwin kam auf 66 Millionen Euro, zählt heute Borussia Dortmund und andere populäre Marken wie den 1. FC Köln und FC St. Pauli zu seinem Portfolio - und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Vereinbarung enthält Bandenwerbung, Hospitality, Werbung rund um die Nationalmannschaft oder den DFB-Pokal, werbliche Nutzung der Logos sowie Social-Media-Einbindung.

Jeder Profiverein profitiert von Sportwetten

Der Markt hat sich breit aufgefächert, jeder Profiverein hat in seinem Sponsoren-Portfolio einen Wettanbieter, der damit Zielgruppen-Marketing betreibt. In dem Segment wird mit harten Bandagen gekämpft, deshalb wirken die Werbespots auch immer schriller, greller und lauter. Die Versprechungen sind irreführend, gerade fürs junge Publikum. Denn die Werbung trichtert dem Konsumenten ein, er müsse nur Ahnung vom Fußball haben, dann werde er schon gewinnen. Mit Sätzen wie: "Du weißt, was du willst". Oder: "Erfolg ist nicht alles, aber verlieren keine Option"

Thomas Melchior verspielte 800.000 Euro durch Sportwetten - die ihn bis ins Gefängnis brachten. Hier spricht er über Wettanbieter in der Bundesliga und seine eigene Sucht.

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Es wird der Eindruck erweckt, als sei das Wetten ganz normal. So besteht kein Zweifel: Die Werbung trägt Sportwetten in die Mitte der Gesellschaft und sendet verharmlosende Signale aus. Andere Länder haben dem Grenzen gesetzt: In Spanien wurde Sportwettenwerbung von Trikots oder aus der Prime-Time im TV verbannt, in Italien gelten seit 2018 Werbeverbote in TV und Radio, in England stellen sich einzelne Vereine nicht mehr als Werbeplattform zur Verfügung. DFL und DFB betonen auf Anfrage, dass Schulungs- und Präventionsprogramme gegen Spiel- und Wettsucht unterstützt werden - und sie dem Grau- und Schwarzmarkt vorbeugen, wenn sie mit legalisierten Anbietern kooperieren.

Fans fordern Verzicht auf Kooperation

In Deutschland sind nämlich rund 430.000 Menschen spielsüchtig oder weisen ein problematisches Glücksspielverhalten auf. Jeder fünfte Euro soll von süchtigen Spielwettenden stammen, in deren Sog weitere Personen die negativen psychosozialen und finanziellen Auswirkungen spüren. 41 Prozent der von einer schweren Glücksspielstörung betroffenen Personen haben davon berichtet, dass sie aufgrund von Werbung neue Glücksspiele ausprobiert haben. Das muss hellhörig machen.

"Glücksspiel kann süchtig machen.": Doch aller Warnungen zum Trotz wird dieser Markt immer größer – und auch die Anzahl derer, die süchtig werden.

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Das Fanbündnis "Unsere Kurve“ fordert von Fußballverbänden und -vereinen daher längst "einen Verzicht von Kooperationen und Sponsoring-Verträgen mit Sportwetten-Anbietern“. Bei noch bestehenden Verträgen sollte es Einschränkungen bei der Sichtbarkeit von Werbung geben. Es gehe schließlich auch hier um "gesellschaftliche Verantwortung".

Suchthinweise kaum wahrnehmbar

Tatsächlich werden neuerdings ja gerne Nachhaltigkeit oder Klimaschutz betont, das Thema Sportwetten aber ausgeklammert.

Anders als es die Werbung suggeriert, ist eine Sportwette kein harmloses Spiel, mit dem in einfacher und schneller Weise Geld zu gewinnen ist.
Fanbündnis "Unsere Kurve"

Nicht umsonst müsse ja bei einer Sportwetten-Werbung der Hinweis angebracht werden, "dass Glücksspiel süchtig machen kann und Minderjährigen die Spielteilnahme verboten ist". Das Problem: Dieser Hinweis fällt in den Spots kaum auf, die gefühlt in Endlosschleife rund um jedes Fußballspiel laufen.

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