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Michael Kutzops legendärer Elfmeter

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Bundesliga am 22. April 1986 - Michael Kutzops legendärer Elfmeter

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Vor 34 Jahren wird Michael Kutzop berühmt. Am vorletzten Spieltag verschießt er gegen den FC Bayern einen Elfmeter. Sein SV Werder verpasst damit die vorzeitige Meisterschaft.

1986: Michael Kutzop vergibt gegen den FC Bayern vom Punkt - und Werder Bremen verpasst die Meisterschaft. Die Entscheidung mit dem Live-Kommentar von Eberhard Figgemeier.

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Plopp. Trockener Aufprall von Kunststoff auf Aluminium. Mancher Werder-Anhänger verbindet dieses unspektakuläre Geräusch immer noch mit einer der dunkelsten Stunden seines Fan-Daseins.

Sekt steht schon kalt

Es ist der Abend des 22. April 1986 - Flutlichtatmosphäre im Weserstadion, wie gemalt, um die zweite Deutsche Meisterschaft nach 1965 perfekt zu machen, der Sekt steht schon in der Kabine. Seit dem zweiten Spieltag ist Werder Tabellenführer und liegt an diesem 33. Spieltag zwei Punkte vor Bayern München.

Die Bremer haben mehr vom Spiel, aber Bayerns Torwart Jean-Marie Pfaff hält alles. Der größte Jubel braust auf, als Trainer Otto Rehhagel in der 77. Minute Rudi Völler einwechselt, der nach seiner im Hinspiel durch ein rüdes Foul von Klaus Augenthaler erlittenen Verletzung sein Comeback feiert.

Völler erzwingt Elfmeter

Zwei Minuten vor Schluss dringt Völler in den Strafraum ein und will den Ball über Bayerns Søren Lerby heben. Der Däne reißt die Hände hoch, wird aber im Gesicht getroffen.

Schiedsrichter Volker Roth sieht trotzdem ein Handspiel und gibt Elfmeter. Die Bayern-Spieler gestikulieren und schimpfen wild, am TV-Mikrofon kann sich Co-Kommentator Paul Breitner nicht beruhigen: "Nichts war des, wozu haben wir da einen Linienrichter?"

Die Bremer im Stadion und beim Public Viewing auf dem Marktplatz liegen sich schon in Armen. "Kutzi hatte bis dahin jedes Ding reingehämmert", erinnerte sich Werders damaliger Manager Willi Lemke später. Michael Kutzop gilt als sicherster Elfmeter-Schütze der Liga.

"Sie sagten mir nette Sachen ins Ohr"

Das wissen auch die Bayern-Spieler und versuchen, den Schützen zu verunsichern. "Sie sagten mir nette Sachen ins Ohr und traten mir auf die Füße, aber das gehört ja irgendwie dazu", erinnerte sich Kutzop später in einem Interview.

Es dauert lange, bis Kutzop endlich antreten kann. "Mir kam es jeden­falls wie eine halbe Ewig­keit vor. Vieleicht hatte ich zu viel Zeit zum Nach­denken."

Kutzop tippelt an der Strafraumgrenze, läuft schleppend an, verzögert kurz und verlockt Pfaff zu einer Bewegung nach links. Dann schiebt er den Ball seelenruhig mit der Seite halbhoch ins weit geöffnete rechte Eck - plopp. "Noch heute höre ich den Ball am Pfosten", so Kutzop.

Verzweiflung pur

Im Stadion und auf dem Marktplatz herrscht Schockstarre. "Wir waren alle sprachlos, Verzweiflung pur", sagte Willi Lemke. "Wir hatten die große Chance nicht genutzt."

Dabei hatte Werder noch alles in der Hand. Bei der damals gültigen Zwei-Punkte-Regel hätte am letzten Spieltag ein Unentschieden zum Titelgewinn gereicht. Aber mit angeknackstem Selbstbewusstsein verloren die Bremer 1:2 beim VfB Stuttgart, während die beflügelten Münchner Borussia Mönchengladbach mit 6:0 abfertigten und mit der besseren Tordifferenz Meister wurden.

Tor hätte nicht gezählt

Kutzop wurde 1988 doch noch Deutscher Meister - anders als Rudi Völler, der da schon in Rom war. "Rudi hat mir später oft gesagt: Alles habe ich gewonnen, nur nie die Deutsche Meisterschaft, nur wegen dir", sagte Kutzop.

Kleine Ironie am Rande: Wenn Kutzop getroffen hätte, wäre der Elfmeter wohl wiederholt worden, da er beim Anlaufen kurz stehen geblieben war.

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