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50 Jahre Bundesliga-Skandal - Als die Bundesliga ihre Unschuld verlor

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Vor fünfzig Jahren erschütterte ein Bestechungsskandal die Fußball-Bundesliga: Im Abstiegskampf wurden reihenweise Spiele manipuliert, über die Hälfte der Klubs war involviert.

Der ZDF-Reporter erlebt Seltsames beim Bundesliga-Spiel im April 1971 zwischen Schalke und Arminia Bielefeld. Danach kommt der Sumpf von Schmiergeldern und Bestechung an Licht. - Von Thomas Skulski

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Zur Tradition der Fußball-Bundesliga gehört auch der Bestechungs-Skandal in der Saison 1970/71. Ein Überblick über das Geschehen vor fünfzig Jahren.

Was ist der Bundesliga-Skandal?

Als Bundesliga-Skandal werden eine Reihe manipulierter Spiele in der Schlussphase der Bundesliga-Saison 1970/1971 bezeichnet, an dessen Ende sich Arminia Bielefeld und Rot-Weiß Oberhausen retten konnten und Kickers Offenbach sowie Rot-Weiß Essen als Absteiger feststanden.

Die betreffenden Spielergebnisse und die Abschlusstabelle werden in den Statistiken immer noch geführt - beim DFB allerdings mit dem Zusatz, dass Arminia Bielefeld die Lizenz entzogen und Kickers Offenbach aufgrund des Bestechungsskandals zur Saison 1971/72 in die Regionalliga Süd zwangsabsteigen musste.

Vor fünfzig Jahren erschütterte ein Bestechungsskandal die Fußball-Bundesliga: Im Abstiegskampf wurden reihenweise Spiele manipuliert, über die Hälfte der Klubs war involviert.

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Wie viele Spiele waren betroffen?

Insgesamt wurden achtzehn Bundesligaspiele manipuliert - oder es wurde versucht, sie durch Geldzahlungen zu beeinflussen. Den Anfang machte die Begegnung zwischen Schalke 04 und Arminia Bielefeld am 17. April, in dem die abstiegsbedrohten Gäste ihren 1:0-Sieg mit 40.000 Mark (2.300 Mark pro Schalker Spieler) erkauften. Am letzten Spieltag wurden beim Spiel Hertha BSC Berlin und Arminia Bielefeld (0:1) von einem Bielefelder Manager 250.000 Mark Bestechungsgeld an die Hertha-Spieler gezahlt.

Torwart Dieter Burdenski - Bielefeld (Archiv 1971)

50 Jahre Bundesliga-Skandal - Geldkoffer in der Kabine 

Am Samstag jährt sich zum 50. Mal das Spiel, das den Bundesliga-Skandal von 1971 eröffnete. Ein Torwart hätte das Ergebnis fast verhindert. Und wurde trotzdem bestraft.

von Ralf Lorenzen

Wie viele Spieler und Vereine waren verwickelt?

In den Bestechungsskandal waren mehr als 60 Spieler, Trainer und Funktionäre aus zehn der 18 Erstliga-Klubs verwickelt: Arminia Bielefeld, FC Schalke 04, Kickers Offenbach, 1. FC Köln, Hertha BSC Berlin, Eintracht Braunschweig, VfB Stuttgart, Rot-Weiß Oberhausen, Eintracht Frankfurt und der MSV Duisburg. Der Tabellen-Letzte Rot-Weiß Essen hatte sich rausgehalten und musste absteigen.

Wie liefen die Manipulationen ab?

Die Absprachen wurden in der Regel telefonisch getroffen, die Gelder in Hinterzimmern und Autobahn-Raststätten übergeben. Insgesamt floss über eine Million Mark Bestechungsgeld. Es wurde Geld dafür geboten und kassiert, gegen einen abstiegsbedrohten Klub zu verlieren oder gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf nicht zu verlieren.

Nicht jede Bestechung war erfolgreich: Der MSV Duisburg gewann gegen Arminia Bielefeld 4:1, obwohl ein Duisburger Spieler 60.000 Mark für eine Niederlage angenommen, aber nicht alle Mitspieler eingeweiht hatte.

Wie flog der Skandal auf?

Archiv: Der Präsident der Offenbacher Kickers, Gregorio Canellas (m), und der Tontechniker Werner Hix (vorne r) spielen bei einer Pressekonferenz in Offenbach am 6.6.1971 ein Tonband ab, das einen Betrug in der Fussball-Bundesliga aufdeckt und die Liga in den bis dato größten Skandal ihrer Geschichte führt.
Brachte den Skandal an die Öffentlichkeit: Gregorio Canellas, Präsident der Offenbacher Kickers (hinten)
Quelle: dpa

Der Präsident von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, spielte auf einer Gartenparty zu seinem fünzigsten Geburtstag einen Tonbandmitschnitt vor, der Absprachen mit den Herthanern Tasso Wild und Bernd Patzke sowie dem Kölner Manfred Manglitz dokumentierte. Bundestrainer Helmut Schön verließ daraufhin entsetzt die Party.

Wie sahen die Strafen aus?

Der DFB setzte den Richter und Vorsitzenden des Kontrollausschusses Hans Kindermann als Chefankläger ein, der sieben Wochen nach der ersten Enthüllung die ersten Urteile fällte. Wild und Manglitz wurden auf Lebenszeit gesperrt, Patzke für zehn Jahre. Manglitz musste 25.000 Mark Strafe zahlen. Kickers Offenbach wurde für zwei Jahre die Lizenz entzogen.

Vor fünfzig Jahren erschütterte ein Bestechungsskandal die Fußball-Bundesliga: Im Abstiegskampf wurden reihenweise Spiele manipuliert, über die Hälfte der Klubs war involviert.

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Die Ermittlungen brachten immer neue Fälle ans Licht. Als Kindermann 1973 den Skandal als "zu fast 100 Prozent aufgeklärt", bezeichnete, waren 53 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre mit Geldstrafen und Sperren von ein paar Monaten bis lebenslang belegt worden. Die meisten der Bestraften wurden noch vor der Heim-WM 1974 begnadigt. Für acht Schalker Spieler schloss sich noch ein Verfahren wegen Meineids an, in dem sie Ende 1975 zu Geldstrafen verurteilt wurden.

Was waren die Folgen des Skandals?

Der DFB fürchtete drei Jahre vor der Heim-WM 1974 einen schweren Image-Schaden. In der Saison 1972/73 kamen mit fünf Millionen Zuschauern gut 20 Prozent weniger in die Stadien als zwei Jahre vorher. Aber bereits in der folgenden WM-Saison strömten wieder fast genauso viele Menschen zu den Spielen wie vor dem Skandal.

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