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Bibiana Steinhaus im Sportstudio - Corona-Krise als Anstoß zum Perspektivwechsel

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Bibiana Steinhaus schrieb als erste Profi-Schiedsrichterin im Fußball Geschichte. Während der Corona-Krise hat sie überraschend die Pfeife mit dem Videoassistenzplatz getauscht.

"Nicht korrekt" sei die Vermutung, sie habe ihre Karriere beendet, weil sie den Leistungstest nicht bestanden habe, sagt Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus.

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Oft sind es die kleinen Beobachtungen im Alltag, die einem bewusst machen, ob man auf dem richtigen Weg ist - oder nicht. Bibiana Steinhaus zum Beispiel hat gelernt, auf solch feine Schattierungen zu achten. Nicht zuletzt in ihrem Job als Bundesliga-Schiedsrichterin in der Männerdomäne Fußball.

Auf Augenhöhe mit den Kollegen

Im September 2007 pfiff die gebürtige Niedersächsin, die 1999 als DFB-Referee in der Frauen-Bundesliga angefangen hatte, ihre erste Partie in der zweiten Liga der Männer - und im September 2017 dann ihr erstes Spiel in der höchsten deutschen Spielklasse. Der Umgang mit ihren männlichen Kollegen sei immer harmonisch und auf Augenhöhe gewesen, erzählte sie nun im "aktuellen sportstudio" – und sprach dabei auch von speziellen Momenten der Anerkennung.

"Wenn man merkt, dass die Kollegen die gleichen Witze machen, egal ob ich mich im Raum befinde oder nicht, dann weiß man: Jetzt hat man's geschafft", erinnerte sich die 41-Jährige schmunzelnd - Erinnerungen, die ihr vor sechseinhalb Wochen reich genug schienen. Reich genug, um das Ende ihrer Karriere als Unparteiische bekannt zu geben. Und gleichzeitig zu erwähnen, ihre Erfahrung künftig als Videoschiedsrichterin im berühmten 'Kölner Keller" einbringen zu wollen.

Die Pandemie wirft Fragen auf

Die Entscheidung, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, habe viel mit der Corona-Krise, deren Folgen und ihrer persönlichen Bewertung der Gesamtlage zu tun, erklärte Steinhaus Ende September in einem ersten Statement. Über die Gründe für ihren Rückzug wolle sie sich zu gegebener Zeit nochmals etwas ausführlicher äußern.

"Die Corona-Situation hat uns alle, mehr oder weniger, zum Nachdenken gebracht", sagte die viermalige Welt-Schiedsrichterin nun - nachdem sie sich selbst Fragen gestellt hatte wie: "Wo stehen wir eigentlich? Wo wollen wir hin? Wie soll die Reise für uns weitergehen?" All dies habe sie bewegt, machte Steinhaus deutlich, und betonte: "Ich habe mich dem Fußball auf dem Feld sehr, sehr lange als Schiedsrichterin verbunden gefühlt. Jetzt war einfach der richtige Zeitpunkt, die Perspektive zu wechseln."

Verlockung Schiedsrichterkommission

Die Verbundenheit zum Berufsfußball ist der Pionierin an der Pfeife, die als erste und bislang einzige Frau im deutschen Profifußball Spiele im Männerbereich leitete, jedenfalls nicht komplett abhanden gekommen. Und ihren ausgleichenden, stets auf Gemeinsamkeiten und Kooperation abzielenden Charakter will sie künftig möglichst auch in die Schiedsrichterkommission des DFB hineintragen.

In diesem Gremium wäre die Polizeihauptkommissarin dann ebenfalls das erste weibliche Mitglied. "Der Fußball in Deutschland", sagt die Positiv-Denkerin Bibiana Steinhaus dabei ganz prinzipiell, "ist schon sehr viel weiblicher geworden."

Zehn Jahre warten

Ebenso grundsätzlich fügt die Lebensgefährtin des ehemaligen englischen Fußballschiedsrichters Howard Webb, die trotz exzellenter Leistungen als Referee zehn Jahre auf ihren Sprung von der zweiten in die erste Liga warten musste, aber auch hinzu: "Die Leistung muss Grundpfeiler dieser Entscheidung sein. Und die jetzige Leitung der Kommission ist offen für gute Leistung - völlig unabhängig davon, wer sie bringt. Ob Mann oder Frau, ob evangelisch oder katholisch."

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