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Missmut bei Freizeitbranchen und Profisport

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Lockdown trifft alle Branchen - Missmut bei Freizeitbranchen und Profisport

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Der Teil-Lockdown kommt für viele Branchen einer Verbotskeule gleich. Und der Profisport? Darf weitermachen. Doch das Problem, das alle eint, ist ein ganz anderes.

Testspiel in Schleswig-Holstein am 05.09.2020: Corona Warn-App Flagge auf dem Fußballfeld
Im zweiten Lockdown wird auch der Sport auf fast allen Ebenen stillgelegt.
Quelle: DPA

Der Vorwurf stand wieder schnell im Raum. Während Gastronomie, Kultur und Amateursport im November dichtmachen müssen, darf der Profisport - allen voran der Fußball - einfach weitermachen.

Hygienekonzepte? Scheinbar irrelevant

Dabei ist das Problem ein branchenübergreifendes. Denn: Letztlich hat kein Hygienekonzept unter dem Teil-Lockdown Berücksichtigung im Sinne einer Lösung mit Augenmaß gefunden. Die 88-seitige Schrift "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball, Version 4.0“ der Deutschen Fußball-Liga ermöglicht zwar den Spielbetrieb in den drei deutschen Profiligen. Zuschauer dürfen im November trotzdem nicht in die Stadien.

Andere nationale Profiligen könnten dagegen ohne die Aussicht auf Zuschauereinnahmen noch eine Zeit lang in den Startlöchern bleiben. Der Start der Basketball-Liga am 6. November? Wackelt. Die Deutsche Eishockey-Liga? Soll im Dezember losgehen. Im November wollten acht Klubs beim "MagentaSport Cup" vorab Zuschauerkonzepte testen. Eigentlich.

Der erneute Corona-Lockdown trifft auch den Sport hart. DOSB-Präsident Alfons Hörmann macht sich um die Vielfalt des Sports in Deutschlands Sorgen und blickt bereits auf Olympia.

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"Viel Geld und Hirnschmalz reingesteckt"

Der Ärger ist groß. Man habe "viel Geld und Hirnschmalz in die Hygienekonzepte gesteckt, die der Liga jetzt in gewisser Weise vor die Füße geworfen werden", spricht DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke von "grausamen" Beschlüssen.

Dass bei 75 Prozent der Covid-19-Infektionen der Ansteckungsort nicht mehr klar nachvollziehbar sein soll, macht das Unverständnis noch größer. Auch und gerade abseits des Sports. "Wozu hat es die Nachverfolgung von Kontakten gegeben?“, fragt sich Jens Rettig, Café-Betreiber aus Leipzig.

"Nachverfolgungen?" - Unverständnis in der Gastronomie

Der Chef des "Café Obenauf" vermisst einen Plan, der die mühevoll umgesetzten Hygienekonzepte einbezieht. "Hier setzen sich Leute hin, trinken ihren Kaffee und essen Kuchen. Viel Bewegung ist hier nicht", weiß Rettig. Und:

Es ist ein halbes Jahr seit dem ersten Lockdown vergangen und man hat sich keine Gedanken gemacht, wer bei einem zweiten Lockdown schließen muss - und wer nicht.

Der erneute Lockdown trifft den Amateursport in Deutschland hart. Neben den finanziellen entstehen neue Probleme: Die Vereine verlieren ihre Mitglieder.

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Für den Amateursport verweisen Landkreise und Gesundheitsämter oft pauschal auf das hohe Infektionsgeschehen - oder aber auf die "erhöhte Aerosolbildung durch die vermehrte Atmung der Sportlerinnen und Sportler, die sich dabei und andere einer höheren Ansteckungsgefahr aussetzen", wie es etwa in der Verfügung des Kreises Bergstraße heißt.

Wissenschaftliche Befunde fehlen

Wissenschaftliche Befunde für Letzteres - zumal solche, die zwischen den einzelnen Sportarten unterscheiden - fehlen. Sportmediziner wie Tim Meyer, der auch am DFL-Hygienekonzept mitwirkte, gehen eher von einem "geringen Infektionsrisiko" bei Freiluftsportarten aus.

Offizielle Auskünfte scheinen zudem nicht immer stichfest zu sein. Der Kreis Bergstraße sprach neulich von Infektionsketten beim Fußball, Handball und Ringen. Die Basis dementierte prompt:

Bei uns gab es keine Infektionsketten. Vielmehr wurden einzelne Infektionen von außen herangetragen.
Kreisfußballwart Reiner Held

Verwirrung bei Handball und Fußballklubs

"Die Informationen aus den anderen Kreisen und von den Gesundheitsämtern war immer, dass der Handball sehr gut organisiert sei und die Hygienekonzepte stimmig seien", wunderte sich Handball-Bezirkschef Klaus Bernshausen.

Selbst für einen gesund aufgestellten Bundesligisten wie Eintracht Frankfurt bedeutet jedes Geister-Heimspiel gut 2,5 Millionen Euro Verlust. "Wir sind uns alle einig, dass der Kampf gegen die Pandemie entschlossen und konsequent geführt werden muss, aber auch zielgerichtet und sachgerecht", macht sich Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann für mehr Differenzierung stark: "Deswegen halten wir die Praxis des Zuschauerausschlusses, nicht nur im Profifußball, dauerhaft für den falschen und nicht mehr verhältnismäßigen Weg."

Campino, Sänger der "Toten Hosen" und FC-Liverpool-Fan, im aktuellen sportstudio

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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