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Werder Bremen überrascht - Trainer Kohfeldt darf bleiben - vorerst

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Werder Bremen bleibt sich treu und hält in akuter Abstiegsnot an Trainer Florian Kohfeldt fest. Allerdings erstmal nur bis zum Pokal-Halbfinale am Freitag.

Archiv: Florian Kohfeldt (Trainer SV Werder Bremen) und Frank Baumann (Geschäftsführer Fußball Werder Bremen),
Treues Duo: Werders Trainer Florian Kohfeldt (li.) mit Sportdirektor Frank Baumann
Quelle: imago

Wenn ein Sportchef sagt, die Führungsgremien befänden sich in ergebnisoffenen Gesprächen über die Zukunft des Trainers, kann letzterer normalerweise seinen Spind räumen. Außer in Bremen: Bei keinem Klub ist der Trainerwechsel als letztes Mittel im Abstiegskampf so verpönt wie bei Werder. Diesen Beitrag zur Fußballkultur im Lande leistet der Bundesliga-14. auch nach sieben Niederlagen in Folge und in akuter Abstiegsnot weiter (nach 31 Spielen 30 Punkte bei 34:51 Toren, vor Bielefeld und Köln).

Kohfeldt wirkt auch niedergeschlagen

Zwei Tage nahmen sich die Verantwortlichen in verschiedenen Konstellationen Zeit, um über die Zukunft von Florian Kohfeldt zu beraten, nachdem bei der 1:3-Niederlage bei Union Berlin ein bedrohlicher Leistungsabfall unübersehbar geworden war und selbst der kämpferische Kohfeldt niedergeschlagen wirkte.

Schon dieses offene Infragestellen des Trainers war für Bremer Verhältnisse so ungewöhnlich, dass Beobachter größtenteils mit einer Trennung rechneten. Die Überraschung war groß, als um 18:23 Uhr auf werder.de die Meldung erschien: "Florian Kohfeldt bleibt Cheftrainer." Als Gründe nannte Baumann "Florians Qualitäten als Trainer, sein Wille, die Aufgabe anzugehen, und das absolut intakte Verhältnis zwischen Florian, der Mannschaft und dem kompletten Staff".

Werders Vorgehen: "Weder Fisch, noch Fleisch"

Auf einer kurzfristig einberufenen Video-Pressekonferenz verwies der Sportchef darauf, dass Kohfeldt in der vergangenen Saison, "als die Leistungen teilweise noch schlechter waren und die Lage noch gefährlicher und wir mit Florian den Turnaround geschafft haben".

Auf Nachfragen machte er deutlich, dass diese Entscheidung vorerst nur bis zum Pokalspiel gegen Leipzig am Freitag Bestand habe.

Ich gebe keine Garantie ab, wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel schauen.
Frank Baumann, Sportdirektor Werder Bremen

"Wir brauchen jetzt eine Reaktion der Mannschaft und des Trainers. Wir müssen ein anderes Gesicht zeigen, wieder Zuversicht vermitteln," erklärte Baumann. Auch in der Hansestadt Bremen, deren Einwohner als "Fischköppe" bezeichnet werden, sagt der Volksmund zu einem uneindeutiges Vorgehen: "Weder Fisch, noch Fleisch".

Anderer Trainer hätte Chance kaum erhalten

Baumann und Kohfeldt, deren Schicksal nicht erst durch diese Entscheidung eng miteinander verknüpft sind, haben gegen Widerstände im Aufsichtsrat hart um diese letzte Chance gekämpft. Ein anderer Trainer hätte sie in ähnlicher Situation kaum erhalten. Aber Kohfeldt, der seit zwanzig Jahren im Verein und seit vier Jahren Cheftrainer ist, hat sich mit seiner Dynamik und seinen Talenten in dem ansonsten weitgehend gleichförmigen Werdergebilde zur Schlüsselfigur entwickelt.

Er hat die Mannschaft zweimal vor dem Abstieg gerettet und einmal fast nach Europa gebracht und selbst die nochmalige Schwächung des Kaders durch die nicht kompensierten Abgänge von Davy Klaassen und Kevin Vogt klaglos hingenommen. Das Ziel, eine erneute Zittersaison zu vermeiden, schien schon Mitte März mit elf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge erreicht zu sein.

Maximaler Druck beim Pokalspiel gegen Leipzig

"Tschüss Abstiegskampf" titelte die Lokalpresse und Kohfeldt schaffte es trotz warnender Worte nicht, den einsetzenden Spannungsabfall aufzuhalten. Er begünstigte ihn mit der Ansage, dass es jetzt darum gehe, "besseren Fußball zu spielen".

Vor dem DFB-Pokal-Spiel am Freitag gegen RB Leipzig, gegen die Werder in der Bundesliga zweimal chancenlos war, lastet nun maximaler Druck auf ihm und der Mannschaft. Sie müssen kurzfristig den Schalter zum Hochbetriebsmodus umlegen, in dem sich die Abstiegskonkurrenten Mainz, Köln und Bielefeld mit allesamt neuen Trainern schon befinden. In den sozialen Netzwerken und Medien wird Kohfeldt der Turnaround mehrheitlich nicht mehr zugetraut.

Doch er hat in der letzten Saison gezeigt, dass er auch unter Hochdruck die Nerven behalten und handlungsfähig bleiben kann. Vielleicht hilft es ja am Freitagabend, dass RB Leipzig auch mit einer offene Trainerfrage anreist – allerdings unter ganz anderen Vorzeichen.

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