JHV beim FC Bayern: Das Katar-Thema schwelt weiter

    Jahreshauptversammlung des FCB:Das Katar-Thema belastet die Bayern weiter

    von Maik Rosner
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    Der Konvent läuft trotz einer Hoeneß-Attacke auf Kritiker Ott ruhiger ab als 2021. In der Katar-Frage kommt man aber kaum weiter. Präsident Hainer bekommt einen Denkzettel.

    Der FC Bayern präsentiert bei seiner Jahreshauptversammlung erneut einen Gewinn. Zum heiklen Thema Katar gibt es auch unangenehme Fragen, aber wenig Konkretes.16.10.2022 | 1:54 min
    Als Herbert Hainer am späten Samstagabend nach der Jahreshauptversammlung (JHV) noch vor die Medien trat, fiel zumindest für einen kurzen Moment die Anspannung vom wiedergewählten Präsidenten des FC Bayern ab.
    Ein Lächeln huschte über Hainers Gesicht, als er gefragt wurde, ob er sich manchmal wünsche, dass sich der Verein vor seiner Zeit nie auf Katar und das Sponsoring durch die staatliche Fluglinie Qatar Airways eingelassen hätte.

    Bombendrohung nach der JHV

    "Es ist schon ein Thema, das manchmal auch zu Kopfzerbrechen führt", sagte Hainer. Kurz darauf war die Pressekonferenz beendet, gefolgt von der Kunde einer "vagen Bombendrohung", wie es Stefan Mennerich, Direktor Medien und Kommunikation, formulierte. Der Audi Dome wurde umgehend geräumt. Näheres wurde zunächst nicht bekannt.
    Es war das Ende eines Abends, an dem zwar versöhnliche Töne angeschlagen worden waren. Im Kern aber, bei dem umstrittenen Sponsoring durch Qatar Airways und der Frage, ob der FC Bayern den im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag verlängern werde, gab es kaum Fortschritte zwischen dem Verein und seinen nicht wenigen kritischen Mitgliedern.

    Schlechtes Wahlergebnis für Hainer

    Wie sehr dieses Thema das Verhältnis weiterhin belastet, zeigte sich auch bei Hainers Wiederwahl bis 2025. Von 1.395 stimmberechtigten Mitgliedern votierten immerhin 218 gegen Hainer, 85 enthielten sich. Gut 78 Prozent Zustimmung hatte Hainer demnach erhalten.
    Der FC Bayern hat den vierten Sieg im vierten Champions-League-Gruppenspiel eingefahren. Dank des 4:2 bei Viktoria Pilsen stehen die Münchner vorzeitig im Achtelfinale.12.10.2022 | 2:59 min
    Der FC Bayern wies später darauf hin, dass die Enthaltungen nicht mitgerechnet werden dürften und somit 83,3 Prozent für Hainer gestimmt hätten. Doch das änderte nichts am vergleichsweise schlechten Ergebnis. 2019 hatte er noch mehr als 98 Prozent Zustimmung erhalten. 

    Abend des Aufstands 2021

    Bei der letzten Zusammenkunft im November des vergangenen Jahres war es zu einer regelrechten Rebellion gegen das Präsidium und den Vorstand gekommen. Es war ein Abend des Aufstands gewesen, an dem sich die kritischen Mitglieder in der Debatte um das umstrittene Sponsoring des FC Bayern durch Qatar Airways übergangen fühlten und es als undemokratisch empfanden, dass der FC Bayern den Diskurs verweigerte.
    "Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe", hatte Ehrenpräsident Uli Hoeneß damals beim Hinausgehen gesagt.

    Hoeneß greift Ott an

    Im Vergleich dazu ging es bei der diesjährigen JHV des FC Bayern eher ruhig zu, mit zumindest ein bisschen Frieden. Deutlich wurde aber auch, dass in der Katar-Frage weiterhin viel Konfliktpotenzial steckt. Wie bei Hoeneß, der das kritische Mitglied Michael Ott verbal attackierte.

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    "Ihr Auftritt war peinlich. Das ist der Fußballklub Bayern München und nicht die Generalversammlung von Amnesty International", sagte Hoeneß Ohrenzeugen zufolge zu Ott, nachdem der Rechtsanwalt kritische Fragen zum Thema Katar an Hainer gestellt hatte. Ott bestätigte den Wortlaut gegenüber mehreren Medien.

    Mitglied appelliert an Verein

    Dass der Verein seit der vergangenen JHV mit den Mitgliedern und Fans in den Dialog getreten ist, wurde begrüßt.
    Zugleich müssten die Gespräche "auch Einfluss auf die Entscheidungsfindung" haben und dürften "kein Feigenblatt" sein, betonte das Mitglied Fabian Stammberger.

    Kahn verweist auf Gespräche nach WM

    Hainer und der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn wollten allerdings inhaltlich nicht konkret werden. Man werde das Thema "nach der WM mit Qatar Airways weiter intensiv besprechen, wir werden alles abwägen, und dann werden wir für den FC Bayern eine Lösung finden", kündigte Kahn an.
    Die Sorge bei vielen kritischen Mitgliedern ist groß, dass ihre Bedenken nun zwar gehört, letztlich aber nicht berücksichtigt werden. "Eins ist natürlich auch klar: Es müssen gemeinsame Projekte definiert werden, um weitere Verbesserungen in Katar zu erreichen", sagte Hainer. Was das bedeutet, wird sich nach der WM zeigen.

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