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Vier Gründe für den Schalker Absturz

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Fußball-Bundesliga - Vier Gründe für den Schalker Absturz

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Schalke 04 hat in der Bundesliga-Rückrunde einen beispiellosen Niedergang erlebt. Tibor Meingast kommentiert die Lage bei den Gelsenkirchenern.

Kommentar: Tibor Meingast zu Schalke 04
Tibor Meingast.
Quelle: ZDF/epa

Die gewaltige Krise von Schalke 04 hat vier Herde: die Mannschaft nicht bundesligatauglich, die Fans verprellt, der Patron vor dem Absturz und horrende Schulden.

Der Mannschaft fehlt Qualität

Mit Krisen hat Schalke 04 zwar seit 90 Jahren reichlich Erfahrung. Doch die jetzige steht den Notsituationen im Spesenskandal von 1930 und dem Bundesliga-Bestechungsskandal 1971 in nichts nach. Im März sagte Marketingvorstand Alexander Jobst: "Es geht um die Existenz des Klubs." Die Lage ist trotz zwischenzeitlicher Einnahmen durch Fernsehgelder eher schlechter geworden. Denn die vier großen Baustellen lassen sich sicher nicht gleichzeitig beheben.

Der Mannschaft fehlt trotz hohen Gehaltsvolumens viel Qualität. "Die Spieler haben kein Potential und keinen Charakter. Sie verstehen Schalke nicht", ätzt aus Brasilien Marcelo Bordon, Kapitän der Schalker Mannschaft, die 2007 die achte Meisterschaft verdaddelte. Falsch ist seine Analyse dennoch nicht. Dass Trainer David Wagner mit diesem Personal bis Januar so erfolgreich war, spricht noch stärker für, als die Horrorserie von 16 Spielen ohne Sieg gegen ihn.

Fans gehen auf die Barrikaden

Die leidenschaftliche Anhängerschaft, Herz des laut Eigenwerbung "geilsten Klubs der Welt", ist bitterböse nach peinlichen Entscheidungen des Vorstands in den letzten Monaten. Am Samstag demonstrierten einige hundert Fans ihr Desinteresse an den wieder erschreckenden Darbietungen der Fußballmannschaft in Freiburg beim kläglichen 0:4. Sie bildeten eine Menschenkette um die Arena und gingen vor allem den Vereinsboss Clemens Tönnies an. Motto: "Schalke ist kein Schlachthof – gegen die Zerlegung unseres Vereins".

Banner der Schalke-Fans
Banner der Schalke-Fans
Quelle: ZDF

Clemens Tönnies, offiziell nur Aufsichtsrat, de facto aber Chef von Schalke, hat die Rückendeckung im Verein wohl verloren, scheint als Schalkes Gesicht nicht mehr haltbar. Niemand bezieht Stellung für ihn. Tönnies‘ unsägliche rassistische Aussage aus dem Sommer 2019 ("Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren") ist trotz Entschuldigung nicht aus der Welt und dass sein Fleischimperium wegen 1.500 Coronafällen in negativen Schlagzeilen ist, hat mit Schalke zwar nichts zu tun, färbt dennoch auf den Klub ab.

200 Millionen Euro Schulden

Der Schuldenberg von etwa 200 Millionen Euro raubt Schalke Handlungsspielraum, eine Ausgliederung der Bundesligamannschaft ist in der derzeitigen Stimmungslage nicht durchsetzbar. Dass nach dem Ausscheiden von Peter Peters ein Finanzchef fehlt, macht nichts leichter.

Die Wucht der Sorgen mildert nur der Blick in die Historie. Im August 1930 wurden die Stars Kuzzora, Szepan und 12 weitere wegen Verstoßes gegen die Amateurstatuten gesperrt. Nach ihrer Rückkehr 1931 wurde Schalke bald sechsmal Deutscher Meister.

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