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Fußball | Kaderplanung - Das neue Machtbegehren der Trainer

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Ob in München oder Wolfsburg: Konflikte zwischen Managern und Trainern sind in dieser Saison keine Seltenheit. Meist geht es darum, wer bei er Kaderplanung das Sagen hat.

Oliver Glasner und Hansi Flick
Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) und Hansi Flick (FC Bayern) wollen bei Spieler-Personalien mitreden - oft zum Leidwesen ihrer Vorgesetzten.
Quelle: imago

Zu dem, was neben Quarantänen und Schalker Tränen aus dieser 58. Bundesliga-Saison in Erinnerung bleiben wird, gehört die neue Macht der Trainer. Diese sorgte für ein noch hektischeres Treiben auf dem ohnehin überhitztem Trainermarkt. Bei zwei Dritteln aller Klubs wird zu Beginn der kommenden Spielzeit mit Sicherheit ein anderer Coach auf der Bank sitzen als am 1. Spieltag dieser Saison.

Stabiles Mittelfeld

Allein der Blick ins Mittelfeld der Tabelle bietet Ruhe und Stabilität. Die Vereine, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit demselben Trainer weitermachen, mit dem sie die Saison begonnen haben, also Union Berlin, SC Freiburg, VfB Stuttgart und TSG Hoffenheim, rangieren einträchtig von Platz acht bis elf nebeneinander.

Das ist genauso wenig überraschend wie die Tatsache, dass bei den Trainerwechseln im unteren Drittel der Tabelle die Initiative von den Vereinen ausging, und im oberen Drittel - mit Ausnahme von Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen - von den Trainern: Hansi Flick, Julian Nagelsmann, Adi Hütter und Marco Rose.

Ausstiegsklauseln und Ablösegelder

"Die genannten Trainer haben ihre Qualität in der Liga bereits nachgewiesen und dann regeln Angebot und Nachfrage wie in der Real-Wirtschaft auch den Preis.", sagte Ex-Manager Andreas Rettig im Interview mit ZDFsport.

Die Begehrten machten entweder von Ausstiegsklauseln Gebrauch wie Rose und Hütter oder brachten ihrem Klub eine hohe Ablösesumme ein, wie Nagelsmann, der für etwa 25 Millionen von RB Leipzig zu Bayern München wechselt.

Trio statt Tandem

Die zunehmende Neigung von Toptrainern, mit Hilfe von Ausstiegsklauseln in eine mächtigere Position zu kommen, senkt im Gegenzug die Bereitschaft der Klubs, sie in die längerfristige Kaderplanung einzubinden. Wer baut schon für viel Geld einen Kader nach den Vorstellungen eines Trainers, der eine längerfristige Bindung scheut?

Hansi Flick strebt nach seiner erfolgreichen Zeit beim FC Bayern nach neuen Aufgaben. Beim DFB ist er als Löw-Nachfolger herzlich willkommen.

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Dieser Gefahr beugen viele Klubs schon länger dadurch vor, indem sie die Entscheidungsebenen über dem Trainer stärken. Das Tandem Sportchef/Trainer wie man es noch von Allofs/Schaaf oder Zorc/Klopp kannte, ist vom Trio Sportvorstand/Sportdirektor/Trainer abgelöst worden, wie etwa bei Bobic/Hübner/Hütter in Frankfurt oder Schmadtke/Schäfer/Glasner in Wolfsburg .

Das englische Modell

Das entgegengesetzte Modell wird immer noch mit dem englischen Fußball verbunden. Der Kompetenzbereich des Teammanager dortiger Prägung geht weit über die Entwicklung der Mannschaft hinaus. In einigen herausgehobenen Persönlichkeiten wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp lebt dieses Modell zwar fort. Aber in der Regel geben die Besitzer der Klubs auf der Insel die Verantwortung über ihre teuren Kader nicht mehr in eine Hand.

"Wenn Sie der Manager sind, entscheiden Sie viele Dinge über den Verein. Wenn Sie jedoch Cheftrainer sind, liegt es in Ihrer Verantwortung, besser zu spielen, die Spieler zu verbessern und positive Ergebnisse zu erzielen", sagte der Trainer von SG Paris, Mauricio Pochettino, zu seiner Zeit als Teammanager der Tottenham Hotspur.

Harmonie oder Reibung?

Diese konträren Philosophien finden sich bei den beiden Klubs der Bundesliga wieder, bei denen noch unklar ist, ob die Trainer bleiben. Bei Werder Bremen hat Florian Kohfeldt sich in enger Zusammenarbeit mit Sportvorstand Frank Baumann eine Position erarbeitet, die weit über die Entwicklung der Mannschaft hinausgeht.

In Wolfsburg ist es dagegen im Laufe der Saison zu Konflikten zwischen Sportvorstand Jörg Schmadtke und Cheftrainer Oliver Glasner über die Kaderplanung gekommen. Das hat dem Erfolg allerdings nicht geschadet. Oder wie Glasner der Süddeutschen Zeitung sagte: "Reibung erzeugt Energie".

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