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Abschiedsjahr bei Leverkusen - Rudi Völler: Meinungsfreudiger Harmoniemensch

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Nach gut 20 Jahren im Dienst von Bayer Leverkusen räumt Rudi Völler am Saisonende seinen Schreibtisch. Begleitet wird der gebürtige Hesse dabei von einem hartnäckigen Titel-Wunsch.

Rudi Völler
Ende der Saison ist Schluss bei Bayer Leverkusen für Rudi Völler.
Quelle: ZDF

Für zwischenzeitliche Rückblicke auf seine Fußballerkarriere hat Rudi Völler einen charmanten Spruch im Repertoire. Er habe sich eben auf die richtig wichtigen Titel konzentriert, erklärt der Weltmeister von 1990 und Champions-League-Sieger von 1993 – mit Olympique Marseille – dann gerne. Eine nationale Meisterschaft konnte Rudi Völler in 19 Jahren als Spieler und in 20 Jahren als Funktionär dagegen nicht feiern.

Meisterschaftsdramen mit Kutzop und Ballack

Am nähesten dran an der berühmten Salatschüssel war der frühere Stürmer im April 1986 mit Werder Bremen. Hätte sein damaliger Teamkollege Michael Kutzop am vorletzten Spieltag gegen die Bayern in der 89. Minute einen Handelfmeter nicht an den rechten Pfosten, sondern ins Tor gesetzt, wären die Hanseaten Meister gewesen. So aber wurden sie vier Tage später von den Münchnern noch abgefangen.

"Mit Abstand betrachtet" ist eine Serie, mit der ZDFsport den Restart der Fußball-Bundesliga begleitet. Folge vier: Rudi Völler, Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen.

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5 min
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Als Sportdirektor von Bayer Leverkusen – dem Klub, dem Völler inzwischen fast ein Vierteljahrhundert lang ein Gesicht gegeben hat – schnupperte er im Mai 2000 noch einmal besonders intensiv an der Meisterschale. Aber ein Eigentor von Michael Ballack und das 0:2 in Unterhaching beendeten die Titelträume der Werkself jäh.

Selbstkritische Bilanz

Nach dieser Saison hört Völler, von 2000 bis 2004 Teamchef der DFB-Auswahl, als Sport-Geschäftsführer in Leverkusen auf. In dem Wissen, dass für die Rheinländer unter seiner Führung mehr drin gewesen wäre als der mitunter hochattraktive Fußball unter Trainern wie Jupp Heynckes, Roger Schmidt oder Peter Bosz, der das Publikum in der BayArena mit der Zunge schnalzen ließ.

Siebzehneinhalb Jahre war Völler Sportdirektor in Leverkusen, dabei auch zwei Mal für wenige Wochen Interimstrainer, 2018 übernahm er dort das Amt des Sport-Geschäftsführers. Zwei verlorene Pokalfinals (2009, 2020) seien für diesen langen Zeitraum "zu wenig" sportlicher Lorbeer für Bayer 04, erklärt der 90malige Nationalspieler (47 Tore) selbstkritisch – und gibt sich auf der Schlussgeraden noch mal kämpferisch:

Ich habe die Hoffnung, mich mit einem Titel verabschieden zu können.
Rudi Völler

Im ersten Heimspiel seiner Abschiedssaison trifft Leverkusen am Samstag auf den rheinischen Dauerkonkurrenten Gladbach. Im Vorjahr konnte sich Bayer zwei Plätze vor der Borussia platzieren, schaffte als Sechster die Qualifikation für die Europa League. Ein Wettbewerb, auf dem Völlers finale Trophäenhoffnungen – neben dem Gewinn des DFB-Pokals – am stärksten ruhen.

Zwischen Augenzwinkern und Eruption

Der langjährige Bayer-Profi Simon Rolfes, der sich seit Dezember 2018 seine Sporen als Sportdirektor verdient, und Klub-Boss Fernando Carro loben neben Völlers Kompetenz und Erfahrung auch die Gelassenheit des 61-Jährigen im aufgeregten Fußballbusiness. Und die persönliche Art des gebürtigen Hanauers.

Zu der gehörte in der Vergangenheit neben einer augenzwinkernden Nonchalance immer wieder auch der Hang zur emotionalen Eruption. Besonders nachhaltig hinterlegt im legendären TV-Interview mit Moderator Waldemar Hartmann 2003.

Seine Meinungsfreude stellte der gerne mal scharfzüngige Völler immer wieder unter Beweis. Zuletzt im April, als er die – kurz darauf gescheiterten – Pläne für eine europäische Super-League als "ein Verbrechen am Fußball" abkanzelte.

Geduldig mit Schmidt und Bosz

Behutsamer ging er dagegen oft mit den Leverkusener Cheftrainern um. So wurde ihm vorgeworfen, zu lange an – zuvor erfolgreichen Coaches – wie Schmidt oder Bosz festgehalten zu haben.

Diese Geduld mit manchen Übungsleitern könnte in einem anderen seiner Charakterzüge begründet liegen. Denn eigentlich sei er, betonte Rudi Völler in einem Interview mit der "süddeutschen Zeitung" einmal, "ein total harmoniesüchtiger Mensch".

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