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Fußball-Bundesliga: Verletzungen - Stresstest für die Muskelfasern

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Mit dem schnellen Re-Start setzen sich die Fußballprofis einer erhöhten Verletzungsgefahr aus. Zu dem heiklen Thema wollen sich nur wenige äußern.

Behandlungspause für Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen)
Behandlungspause für Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen)
Quelle: dpa

Am Montagabend hat Florian Kohfeldt aufgeatmet: Der SV Werder hat zwar gegen Bayer Leverkusen (1:4) keine Punkte im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga sammeln können, aber auch keine neuen Verletzten beklagen müssen. "Alle sind gut durchgekommen", sagte der Cheftrainer. Bremen ist wie kein anderer Verein von Verletzungen geplagt. Die Häufung war so heftig, dass Athletiktrainer Axel Dörrfuß vor der Corona-Pause den Laufpass bekam. Der Vorwurf lautete: falsche Belastungssteuerung.

Doch bei Werder sind vor dem Re-Start gleich die nächsten Spieler mit Muskelverletzungen ausgefallen: Linksverteidiger Ludwig Augustinsson und Sturmlegende Claudio Pizarro: Dem 41-Jährigen droht wegen einer schwerwiegenderen, im Mannschaftstraining erlittenen Blessur sogar ein unrühmlicher Abschied von der Bundesliga-Bühne. Genau davor hatten Fitnessexperten gewarnt.

Schnelle Umstellung birgt Risiken

Christian Kolodziej, aktuell beim Schweizer Erstligisten FC Zürich tätig, aber zwischen 2000 und 2016 als Athletik- und Rehatrainer bei Borussia Dortmund, VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt mit den Anforderungen auf Bundesliga-Niveau bestens vertraut, sagte vergangene Woche in der "Stuttgarter Zeitung": "Bei den klassischen Zweikampf-Bewegungen, bei den schnellen, kurzen, reaktiven Drehbewegungen, besteht die größte Gefahr für die Muskulatur." Die Fußballprofis seien die Belastung aus intensiven Spielformen und Zweikämpfen ja nicht mehr gewohnt - mussten aber in sieben bis zehn Tagen wieder auf Vollbelastung umstellen, wofür in der Sommervorbereitung mehrere Wochen veranschlagt werden.

Kommentar: Béla Réthy zum Bundesliga-Restart

Kommentar zum Bundesliga-Restart -
Gut, dass wir dieses Experiment wagen
 

Die Bundesliga startet nach der Corona-Pause durchaus ansehnlich und viele Fußballfans schauen zu. Das DFL-Konzept ist zum Auftakt aufgegangen, kommentiert ZDF-Reporter Béla Réthy.

von Béla Réthy

Klar, dass bei diesem Spagat vor allem Muskelfasern reißen. Zumal für diese Phase - von null auf 100 ohne einziges Testspiel - kaum Erkenntnisse vorliegen. Auffällig: Zu der heiklen Thematik will sich aus der Bundesliga ansonsten kaum jemand äußern.

Zu schnell vom Fahrrad auf den Fußballplatz

Thomas Broich, für die Fitness beim Branchenprimus FC Bayern zuständig, schrieb in einem Gastbeitrag für das Fachmagazin "Kicker" nur: "Natürlich wissen wir, wie negativ sich auch recht kurze Inaktivitätsphasen physiologisch auf den Funktions- und Baustoffwechsel auswirken." Aber Broich betrachtete das "Cyber-Training" als ausreichend, um durch die schwierige Zeit zu kommen.

Ihm widerspricht aber Urs Granacher, Leiter der Professur für Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Universität Potsdam: "Wenn Sie über Wochen hinweg keinen Gegnerkontakt mehr hatten und ihn in den Kleingruppen nicht haben, dann kann das am Ende des Tages dazu führen, dass das Verletzungsrisiko trotz guter Fitness steigt." Die Ansteckungsgefahr scheint geringer, die Verletzungsgefahr größer geworden.

BVB-Duo betroffen

So schnell geht der Wechsel vom Fahrrad-Ergometer auf den Fußballplatz eben nicht. Wegen muskulären Problemen fielen beispielsweise auch Emre Can und Axel Witsel für das Revierderby Borussia Dortmund gegen FC Schalke 04 (4:0) aus. Noch liegen keine gesicherten Erkenntnisse zu dieser Thematik vor, weil erst ein Geisterspieltag absolviert ist. Es könnte aber mehr Profis treffen, die dann wie Pizarro das Saisonende vermutlich nur im Krankenstand erleben.

Regeneration durch Zwangspause

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