Fußball-Bundesliga: Rose soll RB Leipzig in die Spur bringen

    Fußball-Bundesliga:Rose soll RB auf Kurs bringen - mit Eberl

    von Ullrich Kroemer, Leipzig
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    Der Pokalsieg verdeckte viele Unstimmigkeiten bei RB Leipzig. Nun muss der neue Trainer Marco Rose einen Neustart einleiten, den bald auch Max Eberl fortführen soll.

    Marco Rose steht als neuer Trainer von RB Leipzig vor dem Spiel gegen Dortmund im Trainingszentrum.
    Marco Rose bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von RB Leipzig.
    Quelle: dpa

    Marco Rose zog eine Augenbraue nach oben und musste süffisant lächeln, als er bei seiner Vorstellung diesen Vergleich hörte: Es sei wünschenswert, dass der neue Trainer von RB Leipzig "die Vertragslaufzeit des Kollegen Streich" erreiche, sagte Klubchef Oliver Mintzlaff neben ihm auf dem Pressepodium.
    Gelächter im Medienraum. Christian Streich ist seit über zehn Jahren Coach des SC Freiburg. Roses Vorgänger bei Rasenballsport, Jesse Marsch und Domenico Tedesco, bekamen gerade einmal fünf beziehungsweise zehn Monate Zeit, ehe die Situation jeweils so ausweglos war, dass sie gehen mussten.

    RB verschleißt die Trainer schnell

    RB Leipzig stand mal für rasante Aufstiege und ebensolchen Fußball, aktuell geht es vor allem rasend schnell, bis der nächste Coach verbrannt ist. "Ich lasse mir ankreiden, dass wir zwei Trainer in kürzester Zeit verabschieden mussten. Das geht auf mein Konto, weil ich hier die Gesamtverantwortung habe", sagte Mintzlaff.
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    Doch auch in anderen Bereichen wie der Sportdirektorensuche (eine "lange und unglückliche Odyssee", so Mintzlaff) sowie der Abkehr der erfolgreichen Transferphilosophie, die vor allem auf vergleichseise günstige Talente baute, schlingert der ehemals so perfekt geplante Klub derzeit bedenklich. Zwar verpflichtete RBL mit Timo Werner und David Raum große Namen, doch sind dies gestandene Spieler, die nur bedingt zu Kader und Idee passen.

    Pokalsieg zu lange gefeiert?

    Es sind die Details, die nicht stimmig sind. Rose bemängelte bei seiner Vorstellung etwa, dass der Kader angesichts der Dreifachbelastung mit 21 Feldspielern – darunter zwei Nachwuchsspieler und drei Verletzte – "nicht sonderlich groß" sei.
    Zudem gibt es vier Abwehrspieler mit starkem linken Fuß im Team, aber zu wenig Personal für die rechte Abwehrseite. Es ist offensichtlich, dass den Verantwortlichen in vielen Bereichen das rechte Maß, die Präzision und Weitsicht der Entscheidungen abhanden gekommen sind.
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    Dass die Klubführung nach eigenem Bekunden bereits zum Ende der vergangenen Saison Zweifel an Trainer Tedesco hatte, dann allerdings im Sommer dennoch mit ihm verlängern wollte, muss mit dem Taumel nach dem DFB-Pokal-Sieg zusammenhängen. Der erste Titel der Klubgeschichte brachte jedoch nicht den ersehnten Schritt zum dauerhaften Titelanwärter, sondern verdeckte den Blick auf die Realitäten.

    Eberl und Rose bald wieder vereint?

    Als Symbol für den Neuanfang und die Rückkehr zum "Brot-und-Butter-Geschäft Bundesliga", ordnete Mintzlaff die Demontage des etwa drei Meter hohen Pappmaché-Pokals vor dem Eingang der Akademie am Cottaweg an. Kurz darauf rollte ein Gabelstapler an und transportierte den Pott ab.  
    Archiv: Marco Rose, damals Trainer bei Borussia Mönchengladbach, und Sportdirektor Max Eberl (l) zeigen bei der Pressekonferenz das Mönchengladbach-Trikot.
    In Gladbach gemeinsam erfolgreich: Marco Rose (r.) und Max Eberl.
    Quelle: dpa

    Nun sollen Marco Rose und bald auch der designierte Sportchef Max Eberl wieder für Kontinuität, eine klare, spielerische Identität sowie stringente und stimmige Entscheidungen sorgen.

    Max würde mir und uns insgesamt guttun.

    Marco Rose über Max Eberl

    Zunächst aber muss Rose die zuletzt verunsicherte und instabile Mannschaft kurzfristig wieder auf Vordermann bringen. Dass in der nächsten Woche bis zur Länderspielpause die Spiele gegen seine Ex-Klubs Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach unterbrochen vom Auswärtsspiel bei Champions-League-Sieger Real Madrid anstehen, macht die Aufgabe nicht einfacher.

    Mit Rose zurück zum Pressingfußball

    Rose will weg vom zuletzt ermüdenden Ballgeschiebe, zurück zu aktivem Pressingfußball. "Aktives Vorwärtsverteidigen" heißt das neue Schlagwort. "Energie, Intensität und Aggressivität" sind die Attribute für den Rose-Fußball.
    "Wir wollen hinten stabiler werden, indem wir vorn mehr Druck auf den Ball kriegen", sagt der 45 Jahre alte Hoffnungsträger. Dass der gebürtige Leipziger in Streich’sche Dimensionen vordringt, ist freilich nicht realistisch. Aber zwei Spielzeiten Amtszeit sollten es schon mal wieder sein, um kontinuierlich etwas aufzubauen. Das zeichnete RB mal aus.

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