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Bundesliga muss aus Krise lernen

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Kommentar - Bundesliga muss aus Krise lernen

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Nie zuvor hagelte es so viel Kritik am System Bundesliga. Was bleibt von einer Saison zwischen Corona-Pause, Re-Start und dem Wunsch nach einer neuen Vernunft? Ein Kommentar.

Kommentar: Claudia Neumann - Bundesliga
Claudia Neumann.
Quelle: ZDF/dfl

Denkwürdig war sie in jedem Fall, diese Bundesliga-Saison. Ob sie sich der großen Aufmerksamkeit auch als würdig erweist, wird die Zukunft zeigen.

Problematisches Selbstbild

Rein sportlich ist die Spielzeit 2019/20 keine besondere Erwähnung wert, viel zu früh hat die übliche Bayern-Dominanz deutliche Konturen bekommen, die seit Jahren lähmende Langeweile nahm ihren Lauf.

Viel wertvoller dagegen die schonungslose Spiegelung des Profifußballs, ausgelöst durch die Corona-Pandemie.  Der bemerkenswerte Diskurs um Werte, Sinnhaftigkeit und Sonderrolle, entstanden im direkten Kontext mit systemrelevanten Bereichen unserer Gesellschaft, hat verdeutlicht, wie problematisch das Selbstbild des Profifußballs ist.

Not-Produkt Geisterfußball

Leise Töne, vorsichtige Demut  - mit spürbar unterschiedlicher Glaubwürdigkeit - waren erst zu vernehmen, als den meisten Vereinen das Wasser bis zum Hals stand.

Erstmals wurde auch innerhalb des Wirtschaftsunternehmens  Bundesliga über Maß und Mitte von Millionengehältern, Ablösen oder Beraterhonoraren nachgedacht. Wie zielorientiert eine angekündigte Task Force Zukunft arbeiten wird, ist spannender als das Not-Produkt Geisterfußball in den vergangenen Wochen war.

Entfremdung folgt Kommerzialisierung

Die breite Ablehnung bezüglich des Bundesliga Re-Starts  hat überrascht und lässt nur einen Schluss zu: Bei aller Faszination für das Fußballspiel, die fortgeschrittene Kommerzialisierung hat zu enormer Entfremdung geführt.

Das Wagnis Geisterspiele ist glimpflich ausgegangen, hat den Zweck der Existenzsicherung einiger Vereine erfüllt. Nicht mehr, nicht weniger. Doch was bleibt vom Hauch der Selbstkritik in der schlimmsten Krise?

Konstruktive Kritik nötig

Wer wird wann, wo, wie aktiv? Es bedarf konkreter Strategien. Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann der Profifußball nur, wenn  jetzt alle gemeinsam die Chance ergreifen, sich intensiv und nachhaltig der geforderten sozialen Verantwortung zu stellen. Ein guter Anfang ist der von einigen Profis mutig eingeschlagene Weg im Kampf gegen Rassismus. Vereine und Verbände werden ihre Verhaltens Charta justieren müssen, denn es ist höchste Zeit die Strahlkraft des Fußballs für Werte wie Menschlichkeit, Diversität, und Toleranz zu nutzen.

Fußball-Fans protestieren gegen Kommerz
Der ausufernde Kommerz ist den Fans ein Dorn im Auge. Ein Zusammenschluss fordert zeitnahe Veränderungen.
Quelle: imago

Verschiedene Fanszenen haben in der Krise eine deutlich bessere Figur abgegeben als in der Zeit davor. Hetze gegen einzelne Personen im Fadenkreuz verbietet sich, verschleiert zudem den guten Kern der Botschaft. Konstruktive Kritik hingegen, einhergehend mit konsequentem Handeln, wie in den vergangenen Wochen zu beobachten, verdient Gehör. Dieser in der Krise eingeschlagene Kommunikationsweg ist stark, untermauert den Wert deutscher Fankultur und sollte von den  Entscheidungsträgern ernst genommen werden.  

Die neuen Fernsehverträge sind eingetütet, die Verluste angesichts der Krise kaum der Rede wert. Viele Signale deuten auf "business as usual". Wer aber jetzt den Finger aus der Wunde zieht, hat aus dieser denkwürdigen Saison nichts gelernt.

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