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Warum die Trainerwechsel nicht zu früh kamen

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Kommentar zu Schalke und Mainz - Warum die Trainerwechsel nicht zu früh kamen

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Waren die Entlassungen von David Wagner und Achim Beierlorzer voreilig? Ganz im Gegenteil, findet ZDF-Reporter Lars Ruthemann. Beide Klubs hätten eigentlich früher handeln müssen.

David Wagner
David Wagner musste beim FC Schalke nach den ersten beiden Saisonspielen gehen.
Quelle: dpa

Blicken wir 20 Jahre zurück: Wer erinnert sich nicht noch schmunzelnd an Werner Lorant? An jenen kauzigen Coach, dessen Maxime war: "Ich wechsele nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht."

Kürzer gewordene Halbwertszeit

Lorant ist, wenn man so will, der Florian Kohfeldt des Jahres 2000. Kohfeldt, vergangene Saison mit Werder Bremen haarscharf am Abstieg vorbeigeschrammt, ist mit nunmehr zwei Jahren und zehn Monaten aktuell der Bundesliga-Trainer, der nach Christian Streich (acht Jahre und neun Monate) zurzeit am längsten bei einem Verein arbeiten darf.

Der Zweitdienstälteste anno 2000 war eben jener Werner "Beinhart" Lorant, mit dem Unterschied, dass er es zu dem Zeitpunkt schon auf stolze acht Jahre gebracht hatte. Ein Indiz für die kürzer gewordene Halbwertzeit von professionellen Fußball-Lehrern.

Welche Erklärung(en) gibt es dafür? Haben die Vereinsoberen heutzutage weniger Geduld mit ihren leitenden Angestellten? Ist es um die Qualität dieser Trainer womöglich nicht zum Besten bestellt? Steckt hinter der rasant steigenden Trainer-Fluktuation nicht auch ein Management-Problem?

Schalke hatte mit zwei Niederlagen und 1:11 Toren den schlechtesten Saisonstart der Liga-Historie hingelegt und nun die Konsequenzen gezogen.

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Schalkes Rückrunde offenbarte die Defizite

Schauen wir auf den FC Schalke 04: Die Entlassung von David Wagner nach nur zwei Spieltagen ist die eine Lesart. Die andere: Die Rückrunde mit 16 nacheinander nicht gewonnenen Spielen hat auch diverse Defizite des Trainers offenbart - unansehnlicher Fußball nach einer furiosen Hinrunde, kaum taktische Alternativen während eines Spiels, überflüssige Torhüter-Rochaden, die letztlich beide Keeper schwächten.

Ganz ähnlich verliefen Wagners Stationen vor Schalke. Etwa bei der Reserve von Borussia Dortmund, mit der er auf-, aber auch sang- und klanglos wieder abstieg. Auch beim englischen Klub Huddersfield Town schaffte er zunächst den Aufstieg in die Premier League. Dem Klassenerhalt folgte dann aber eine Pleitenserie und der Abstieg als abgeschlagener Letzter.

Man hätte wissen können, dass Wagner in jeder Hinsicht weit entfernt ist von jenem Trainer, mit dem er immer wieder verglichen wird - seinem Freund Jürgen Klopp, dessen Trauzeuge er ist.

Teaminterne Probleme in Mainz

Auch in Mainz hat man die Vorgeschichte von Achim Beierlorzer wohl ausgeblendet. In Köln nach dem 11. Spieltag wegen Erfolglosigkeit beurlaubt, heuerte er bereits wenige Tage später bei den 05ern an. Dort soll es schon in der Rückrunde teamintern geknirscht haben.

Spieler von Mainz 05 und Trainer Achim Beierlorzer beim Pokalspiel gegen den TSV Havelse
Das Verhätnis zwischen Trainer Beierlorzer und dem Team von Mainz 05 galt schon in der Vorsaison als angespannt.
Quelle: dpa

Angesichts berechtigter Zweifel erfolgten die Entlassungen auf Schalke und in Mainz nicht früh, sondern spät, sehr spät, vielleicht sogar zu spät. Denn: Die Nachfolger - Manuel Baum und Mister X - müssen nun die Suppe auslöffeln. Ohne gemeinsame Vorbereitung und mit kaum Einflussnahme auf den Kader.

Werder Bremen geht anderen Weg

Die Bremer Bosse hielten vergangene Saison an Florian Kohfeldt fest, weil sie von ihm und seinen Fähigkeiten überzeugt waren - und sind.

Von Werner Lorant stammt übrigens noch dieser Spruch: "Der Star der Mannschaft bin ich." Ein Satz, dessen Selbstgefälligkeit eigentlich zu einer deutlich kürzeren Dienstzeit hätte führen müssen als jene knapp zehn Jahre am Stück bei 1860 München.

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