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Bundesliga-Studie - BVB: Bestnoten für die Unternehmensführung

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In Zeiten der Pandemie wird den Profi-Klubs besonders genau auf die Finger geguckt. Eine neue Studie zeigt, wie transparent das Management der Bundesligisten arbeitet.

Borussia-Dortmund-Fans halten ihre Schals und das Vereinswappen hoch.
Die Fans des BVB haben allen Grund zum Feiern. Ihr Verein arbeitet besonders transparent.
Quelle: dpa

Mit dem 3:1 Erfolg bei RB Leipzig hat sich Borussia Dortmund am letzten Samstag im Titelrennen der Fußball-Bundesliga  zurückgemeldet. In einer Disziplin, die abseits des Spielfeldes immer wichtiger wird, sind die Schwarz-Gelben jetzt schon unangefochtener Tabellenführer. Sie führen die Corporate-Governance-Tabelle der 1. Bundesliga klar an.

Wie qualifiziert sind die Aufsichtsräte der Bundesliga?

Der Begriff Corporate Governance bezeichnet den rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens. Vereinfacht gesagt, kann man an der Governance-Tabelle ablesen, wie gut die Management-Struktur eines Klubs aufgestellt ist - über das tatsächliche Handeln sagt das nichts aus.

"Das Kernstück der Analysen bildet die Besetzung der Aufsichtsgremien: Wird erkennbar, wie unabhängig diese sind und welche Eignung sie mitbringen?", sagt  Alexander Juschus der Vorsitzende des Vereins Sports Governance e.V., der gemeinsam mit der HSBA Hamburg School of Business Administration das Ranking ermittelt hat, gegenüber ZDFsport.

Dortmunds Trainer Terzic freut sich nach dem 3:1-Sieg bei RB Leipzig über die Rückkehr der Leichtigkeit.

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5 min
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Brennglas Corona - auch im Profi-Fußball

Die herausgehobene Stellung von Borussia Dortmund hat einen einfachen Grund: Der BVB ist der einzige an der Börse notierte Bundesligist und somit dem Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) unterworfen, der Empfehlungen und Anregungen zur guten Unternehmensführung enthält.

Dieser Regulierungsrahmen fehlt den anderen Klubs, für die das Thema im Augenblick dennoch wichtiger wird. Juschus erklärt:

Corona wirkt wie ein Brennglas - es wird wesentlich deutlicher, welche Klubs belastbar sind und welche nicht.

Dabei kommt der Druck aus zwei verschiedenen Richtungen. Von den Fans, die auf mehr Nachhaltigkeit und Transparenz drängen - aber auch von möglichen Investoren.

Druck von Fans und Investoren

"Der Kapitalmarkt achtet verstärkt darauf, dass die Governance-Strukturen bei den Klubs stimmen", sagt Juschus. "Wenn ein Klub einen Investor sucht, fällt es ihm mit Sicherheit einfacher sich zu verkaufen, wenn er über belastbare Strukturen verfügt." Dennoch kommen Juschus und seine Mitautoren zu dem Ergebnis, dass die Klubs der 1. Liga auf der Stelle treten, seit sie 2015  begonnen haben, deren Unternehmensführung zu untersuchen.

"Unsere Studien zeigen, dass der Wille zur Transparenz bei den meisten Klubs da ist, es aber meist noch sehr ungeordnet zugeht", sagt Juschus. Insbesondere vermissen die Wissenschaftler: Transparenz bei Finanzinformationen und Besetzung des Aufsichtsrats, leistungsbezogene Vorstandsgehälter sowie unabhängige Abschlussprüfer. Der letzte Punkt ist besonders sensibel: Mit Blick auf den Wirecard-Skandal sei allen Klubs zu empfehlen, einen Prüfungsausschuss mit entsprechend qualifizierter Besetzung einzurichten.

Darum geht's bei Wirecard

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Überraschung am Tabellenende: Schalke sehr transparent

Das Ranking zeigt einige überraschende Einzelergebnisse. So belegt der krisengeschüttelte Schalke 04 den vierten Platz, während Union Berlin und der SC Freiburg das Tabellenende bilden. "Im Vergleich zu Klubs wie SC Freiburg oder Union Berlin, die keine Bilanz veröffentlichen, ist die Unternehmensführung bei Schalke 04 sehr transparent", sagt Alexander Juschus.

Besonders heben die Autoren die Entwicklung beim VfB Stuttgart hervor, wo sich durch den Rechtsformwechsel  vom Verein zur AG eine positive Veränderung gezeigt habe. Davon ist im tatsächlichen Handeln der Akteure augenblicklich nicht viel zu erkennen. Dass sich gute Unternehmensführung in jeder Rechtsform verbessern lasse, zeigt der Studie zufolge besonders das Beispiel Mainz 05, das sich von 2015 bis 2020 vom Tabellenende ins Mittelfeld vorgearbeitet hat.

Rückmeldung von dreizehn Erstligisten

Um flächendeckend zu besseren Ergebnissen zu kommen, empfiehlt Juschus der DFL, die Lizensierungsauflagen so zu überarbeiten, dass wie in der Premier League die Veröffentlichung des Jahresabschlusses verpflichtend wird. Auch grundlegende Governance Punkte sollten mit aufgenommen werden: Ist ein Aufsichtsgremium vorhanden? Ist die Satzung öffentlich verfügbar? Ist ein Compliance-Verantwortlicher benannt? Juschus empfiehlt:

Mittel- bis langfristig sollte die DFL einen Sports Governance Kodex einführen, wie wir ihn gerade für den Breiten- und Leistungssport entwerfen.

Für die Studie wurden alle relevanten Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen erhoben. In einem zweiten Schritt wurden diese den Klubs zur weiteren Prüfung mit der Bitte um Ergänzung und Feedback zur Verfügung gestellt - von dreizehn Klubs der 1. Bundesliga gab es eine Rückmeldung - dazu von sieben Zweitligisten, die das erste Mal analysiert wurden.

Ranking Bundesliga
Verein Punkte Prozent
Borussia Dortmund 84 81 %
RB Leipzig 68 73 %
FC Bayern München 63 70 %
Eintracht Frankfurt 60 69 %
FC Schalke 04 60 69 %
SV Werder Bremen 59 68 %
1. FC Köln 53 65 %
TSG Hoffenheim 52 64 %
Mainz 05 52 64 %
Hertha BSC Berlin 51 64 %
Fortuna Düsseldorf 49 63 %
FC Augsburg 48 62 %
Borussia Mönchengladbach 45 61 %
VfL Wolfsburg 38 57 %
Bayer Leverkusen 36 56 %
SC Freiburg 36 56 %
1. FC Union Berlin 29 52%
SC Paderborn 07 16 46 %
Ranking 2. Bundesliga
Verein Punkte Prozent
VfB Stuttgart 72 75 %
Hanburger SV 69 73 %
VfL Bochum 62 70 %
Arminia Bielefeld 53 65 %
Darmstadt 98 40 58 %
1. FC Nürnberg 36 56 %
1. FC St. Pauli 32 54 %
Karlsruher SC 31 53 %
Dynamo Dresden 28 52 %
Holstein Kiel 28 52 %
Greuther Fürth 28 52 %
1. FC Heidenheim 27 51 %
Jahn Regensburg 24 50 %
VfL Osnabrück 23 49 %
Erzgebirge Aue 22 49 %
Wehen Wiesbaden 19 47 %
Hannover 96 16 46 %
SV Sandhausen 10 42 %
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