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BVB-Chef Watzke kritisiert die Kanzlerin

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Fußball-Bundesliga - BVB-Chef Watzke kritisiert die Kanzlerin

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Geisterspiele, zweiter Lockdown? Aus Sorge um die Bundesliga legt sich der BVB-Chef sogar mit der Bundesregierung an. In Sachen Solidarität deutet Watzke einen Sinneswandel an.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit Jochen Breyer über die Herausforderungen der Corona-Pandemie, Solidarität in der Liga und die Titelambitionen des BVB.

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Die Abteilung Attacke der Bundesliga meldet sich zurück: Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wirft der Bundesregierung in der aktuellen Entwicklung der Corona-Krise teilweise "populistisches Fußball-Bashing" vor. Der BVB-Chef kritisiert sogar Angela Merkel: "Ich habe gelesen, die Bundeskanzlerin habe gesagt, es gebe wichtigere Themen gerade als Bundesliga-Spiele vor Zuschauern. Das finde ich nicht zielführend", sagte Watzke im "aktuellen sportstudio".

Merkel hatte in der Vorwoche angesichts der steigenden Corona-Zahlen und eventuell weiterer nötigen Maßnahmen gesagt: "Man kann überlegen, ob man bei Fußballspielen weniger Leute oder gar keine hereinlässt."

Angesichts eines drohenden zweiten Lockdowns der Liga und daraus resultierender finanzieller Nöte für den Profifußball forderte Watzke einen anderen Fokus der Politik: "Natürlich gibt es tausend Dinge, die gerade wichtiger sind. Aber wir müssen nicht die Frage nach der Wichtigkeit stellen, sondern die nach dem Gefährdungspotential. Und dieses sehe ich momentan in der Fußball-Bundesliga nicht."

Für Watzke ist die Bundesliga ein Vorbild

Watzke wies darauf hin, dass die Liga seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs stets vorbildlich gehandelt habe. Dank des Hygienekonzepts der Deutschen Fußball-Liga habe auch die Rückkehr der Fans in die Stadien nicht zum aktuellen Anstieg der Corona-Fallzahlen beigetragen.

Wenn alle Veranstaltungen so abgelaufen wären wie im Fußball, hätten wir jetzt nicht diese Zahlen.
BVB-Chef Hans-Joachim Watzke

Es sei ein Rückschlag, dass aufgrund des Infektionsgeschehens in Deutschland nun jüngst wieder Partien mit nur wenigen Zuschauern oder sogar ohne stattfinden mussten. Für die nächsten BVB-Partien gegen Schalke in der Liga und Zenit St. Petersburg in der Champions League befürchtet der 61-Jährige erneut Einbußen in Millionenhöhe. Noch ist nicht klar, ob zumindest eine kleine Zahl an Fans ins frühere Westfalenstadion darf. Das aktuelle Infektionsgeschehen in Dortmund legt aber eher die Rückkehr zu Geisterpielen nahe.

Geisterspiele retten Klubs das Leben

Gleichzeitig warb Watzke um Geduld bei allen Beteiligten. So stellte er sich gegen einen Vorschlag anderer Klubs, über die Inzidenzzahl von 35 nachzuverhandeln, um mehr Fans ins Stadion zu bekommen. "Wir müssen verlässlich sein und zu unserem Angebot stehen." Die DFL hatte im Frühjahr die Politik überzeugt, wieder Zuschauer zuzulassen, solange der Wert an Neuinfizierten pro Woche nicht 35 pro 100.000 Einwohner im Verwaltungsgebiet der Klubs überschreitet.

Allerdings warnte Watzke erneut eindringlich davor, den Fußball-Betrieb ganz einzustellen, selbst wenn das nur vorübergehend geschehe. "Wir brauchen zumindest die Geisterspiele. Sonst wird es eng." Die Existenz von Klubs stehe auf dem Spiel. "Wenn das Fernsehgeld spät oder gar nicht gezahlt wird, möchte ich nicht in der Haut einiger Kollegen stecken." Schon beim ersten Stopp der Liga im Frühjahr war wohl ein Drittel der 36 Profiklubs in akute finanzielle Not geraten. Erst der Re-Start nach zehn Wochen Pause hatte die bedrohten Vereine vor Schlimmerem bewahrt.

Erhebliche Verluste

Der börsennotierte BVB hatte die vergangene Saison auch aufgrund fehlender Einnahmen aus dem Ticketing mit einem Verlust von fast 44 Millionen Euro beendet. Für die laufende Spielzeit rechnet der Konzern sogar mit einem Minus von gut 75 Millionen Euro. Ein Verein wie die Borussia könne eine Saison ohne Zuschauer durchstehen, aber kaum länger.

Zwei, drei Jahre hält das keiner durch.
BVB-Chef Hans-Joachim Watzke

Beim Thema Solidarität deutete Watzke einen Sinneswandel an. Zwar unterstrich der BVB-Chef wie zu Beginn der Pandemie die Konkurrenz der Klubs und dass sich zunächst jeder selbst helfen müsse. Angesichts der nun schon mehrere Monate dauernden Corona-Krise mit ungewissem Ende betonte Watzke aber für seine Verhältnisse ungewohnt stark den Gemeinsinn. Er erinnerte an die Hilfszahlung von 7,5 Millionen Euro, mit der die vier deutschen Teams der Champions-League die 3. Liga und den Frauenfußball unterstützt hatten und versprach: "Es wird immer eine Solidarität geben."

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