Fußball-Bundesliga: Die halbe Liga bibbert im Abstiegskampf

    Fußball-Bundesliga:Die halbe Liga bibbert im Abstiegskampf

    von Frank Hellmann
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    Abermals deutet sich an, dass sich im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga wieder die wahren Dramen abspielen. Nicht mal Werder Bremen auf Platz neun wähnt sich in Sicherheit.

    Leonardo Bittencourt (Werder Bremen) ärgert sich nach vergebenem Elfmeter
    Vergebene Elfer können sich noch rächen - hier vom Bremer Leonardo Bittencourt
    Quelle: Imago

    Klaus Filbry hat als Vorstandsvorsitzender von Werder Bremen schon viel erlebt. Seine Arbeit war davon geprägt, dass ständig das Damoklesschwert des Abstiegs über dem Weserstadion schwebte, ehe es den vierfachen deutschen Meister im Mai 2021 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte erwischte. Mitten in der Corona-Krise. Es waren existenzbedrohende Zeiten, die Filbry auf der grün-weißen Kommandobrücke wohl nie vergessen wird.

    Bremen und Köln bleiben wachsam

    Wenn das eine Jahr in der Zweitklassigkeit etwas Gutes hatte, dann die Möglichkeit, dadurch das Gehaltsbudget um mehr als die Hälfte abzuschmelzen. Entsprechende Klauseln in den Verträgen machten es möglich. Es spricht für den Realitätssinn des Bosses, dass er vor dem Auswärtsspiel beim 1. Köln (Samstag, 18:30 Uhr/Ausschnitte im aktuellen sportstudio ab 23 Uhr) immer noch den Blick nur auf den Klassenerhalt lenkt.

    Wir stehen vor einer ganz entscheidenden Woche.

    Klaus Filbry, Vorstandsvorsitzender Werder Bremen

    ... sagt Filbry vor den Bundesligaspielen in Köln, gegen Union Berlin (25. Januar) und gegen den VfL Wolfsburg (28. Januar). Soll heißen: Beim Tabellenneunten Bremen (21 Punkte) geht der Blick nur nach unten.
    Wenn die Historie eines gelehrt hat: Die untere Tabellenhälfte ist – anders als die obere – immer noch für Überraschungen gut. So bibbert beim Re-Start die halbe Liga - und das nicht nur wegen der zurückgegangenen Temperaturen. In Sicherheit können sich auch der FSV Mainz 05 (19), die TSG Hoffenheim (18) und Bayer Leverkusen (18) eigentlich nicht wiegen, obwohl vor allem Hoffenheim und Leverkusen aufgrund ihrer individuellen Klasse im Kader eher nach oben schauen wollen.

    Verstärkung in Augsburg, Optimismus in Berlin

    Definitiv beginnt die Abstiegszone beim 1. FC Köln (17), der mit der Europapokal-Belastung seine Probleme hatte. Durch das Aus in der Conference League hat Trainer Steffen Baumgart aber mehr Trainingszeit, seinen offensiven Spielstil durchzubringen. Prognose: Die Rheinländer müssen schon bald nicht mehr zittern.
    Dahinter wird es richtig spannend: Der FC Augsburg (15) kennt das eigentlich nicht anders. Entsprechend war auch die Winterpause, auf dem Transfermarkt tat sich einiges. Mit dem kroatischen Duo Dion Beljo und David Colina haben die bayrischen Schwaben nochmal nachgelegt, während Stürmer Florian Niederlechner zu Hertha BSC ging. Größter Vorteil des FCA: die Erfahrung mit diesem Überlebenskampf, der bislang für die Fuggerstädter immer gut ausging.

    Fußball-Bundesliga
    :Transfers: Außer Gerüchten nicht viel bisher

    Die Winter-Transferperiode verläuft bisher ruhiger als erwartet. Auch die abstiegsbedrohten Klubs halten sich zurück. Nur in der Gerüchteküche brodeln noch ein paar Überraschungen.
    von Ralf Lorenzen
    Kasper Dolberg (links) bejubelt im Spiel der EM 2020 gegen Wales sein zweites Tor

    Bochum und Schalke haben es am schwersten

    Hauptstadtklub Hertha benötigte dafür im Vorjahr die Relegation. Mit großem Optimismus sind die Berliner aus dem Trainingslager in Florida heimgekehrt. Trainer Sandro Schwarz sagte:

    Wir sind uns bewusst, in welcher Tabellenregion wir uns befinden.

    Sandro Schwarz, Trainer Hertha BSC

    Nicht viel anders sind die Ansagen beim VfB Stuttgart (14) durch den neuen Trainer Bruno Labbadia, der sich auf Feuerwehreinsätze im Tabellenkeller spezialisiert hat. Er drückt immer die gleichen Knöpfe, fordert mehr Arbeit, mehr Training, mehr Identifikation. Wer nicht mitzieht, hat bei ihm keine Chance.
    Die größte Abstiegsangst herrscht tief im Westen. Der VfL Bochum (13) und der FC Schalke 04 (9) belegen die Abstiegsplätze. Bochum muss mit dem neuen Trainer Thomas Letsch die Abwehrprobleme in den Griff bekommen. Mit Keven Schlotterbeck (SC Freiburg) und Pierre Kunde Malong (früher FSV Mainz 05) sind zwei erstligaerfahrene Profis gekommen, doch für den Vorletzten bleiben die letzten 19 Spiele ein Drahtseilakt. Immerhin steht das Publikum voll hinter dem Revierklub.

    Schalker Aufbruchstimmung schon wieder dahin

    Beim Tabellenletzten Schalke 04 scheint die Aufbruchsstimmung nach dem Amtsantritt von Neu-Coach Thomas Reis im Herbst schon wieder dahin. Im Trainingslager in der Türkei lief Vieles schief, die Mannschaft sucht nach Halt, der Schuldenstand erlaubt keine Verstärkungen, die eine Soforthilfe wären. Dazu ging die Generalprobe auch noch in die Hose: In der eigenen Arena gab es ein 0:1 gegen den SV Werder, der sich in diesem Test mal wieder auf Niclas Füllkrug verlassen konnte. Noch so ein Argument, warum Boss Filbry tief im Innern vom Bremer Ligaverbleib überzeugt ist.

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