Sie sind hier:

Fußball | Bundesligen: Lizenzen - DFL lockert Schuldenbremse für Vereine

Datum:

Die Coronakrise bringt einige Profiklubs in existenzielle Nöte. Deshalb will die DFL die strengen Lizenzierungsauflagen deutlich aufweichen.

Symbolfoto  Fußball und Geld
Quelle: imago/McPHOTO

Erst vor dieser abgebrochenen Bundesliga-Saison hat Werner Möglich betont, wie wichtig es für den deutschen Profifußball ist, dass seine strengen Lizenzierungsbestimmungen greifen. „Das wirtschaftliche Kriterium muss zwingend vor der Saison erfüllt werden. Da liegt die Messlatte sehr hoch“, betonte der Direktor der Deutschen Fußball Liga (DFL) im August vergangenen Jahres auf der Liga-Homepage. Das Coronavirus war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ausgebrochen.

Vermutlich hätte sich Möglich nie träumen lassen, dass der Ordnungshüter des Lizenzierungsverfahrens nun aufgefordert wird, bei der Kernfrage in derselben Spielzeit beide Augen zuzudrücken. Konkret heißt es jetzt: „Im anstehenden Lizenzierungsverfahren für die Spielzeit 2020/21 wird auf die Überprüfung der Liquiditätssituation der Klubs verzichtet.“ Seit 1991 ist der in Wetzlar geborene Möglich, der nach seinem BWL-Studium in Gießen ein Traineeprogramm bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau absolvierte und dann zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) wechselte, für das Zulassungsverfahren der Vereine zuständig.

Der Fußball orientiert sich an der Politik

Die weitreichenden Zugeständnisse sind eine unmittelbare Reaktion auf das existenzbedrohende Szenario durch die Corona-Krise. „Ziel ist es allen Klubs, allen, die Möglichkeit zu geben, die finanziellen Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen“, betonte DFL-Chef Christian Seifert nach der virtuellen Mitgliederversammlung.

Dabei orientiert sich die Liga-Organisation an den großen Leitplanken, die von der Politik für die Wirtschaft vorgegeben werden. Schuldenmachen ist ausdrücklich erlaubt. Wenn Europa bereits über Corona-Bonds diskutiert, darf ja auch der deutsche Profifußball seine strengen Zügel lockern, um seinen 36 Lizenzvereinen die Saisonfortsetzung zu ermöglichen. Wobei diese immer noch von externen Faktoren wie „die Verbreitung des Virus und die Bewertung durch die Politik“ abhängt, wie selbst die DFL betonte. Seifert will zwar keine „Extrawurst“ gebraten bekommen, verweist aber sehr wohl auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktion des Fußballs in Krisenzeiten. Offenbar sind Insolvenzen nicht mehr völlig abwegig, nachdem jeder Klub sein Worst-Case-Szenario ermittelt hat.

DFL-Chef Seifert im Interview: Verlangen keine Extrawürste.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Mainz und Werder gefährdet?

Der DFL-Chef wollte verständlicherweise nicht explizit auf  die Situation einzelner Vereine eingehen, es sei aber klar geworden, „dass einige Klubs im Mai oder Juni in eine existenzbedrohende Situation geraten könnten, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird und die TV-Gelder nicht fließen.“ Insgesamt würde bei einem Saisonabbruch eine Summe von 750 Millionen Euro fehlen, die sich aus Medienerlösen, Sponsoring- und Zuschauereinnahmen speist. Vorsorglich hat die Liga bereits beschlossen, dass es bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu keinem Punktabzug kommt. Auch in der kommenden Saison würden nur drei statt neun Zähler abgezogen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wird erst wieder im Herbst überprüft.

Zu den möglicherweise kurzfristig gefährdeten Vereinen sollen mindestens ein halbes Dutzend Zweitligisten, aber auch Erstligisten wie der FSV Mainz 05 und SV Werder zählen. Die Mainzer haben am Dienstag zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen ein Einsparpotenzial von zehn Millionen Euro identifiziert. Spieler, Trainer, sportliche und kaufmännische Führungsebene verzichten von April bis Juni auf einen Teil des Gehalts, drei Viertel der Festangestellten gehen in Kurzarbeit. „Um für potenzielle Einnahmeausfälle gewappnet zu sein, müssen wir den Verein komplett auf links krempeln“, sagt Vereinschef Stefan Hofmann.

Werder Bremen hilft die neue Lage

Die aufgeweichten Lizenzierungsbestimmungen dürften neben den Mainzern auch den Bremern helfen, mögliche Notfallszenarien großzügiger zu gestalten. Die dünne Eigenkapitaldecke, die vielen Leihgeschäfte im Sommer und Winter und die sportliche Malaise bilden an der Weser eine unheilvolle Konstellation. „Die Kumulation von Saisonabbruch und Abstieg wäre der schlimmste Fall“, sagte Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald der „Süddeutschen Zeitung“. Vorstandschef Klaus Filbry versicherte jedoch, dass es den Verein dann auch noch gebe. Für ihn ist die Solidarität in der Liga ein weiterer Pluspunkt. „In der Krise rücken alle näher zusammen. Ich würde die Situation als physical distancing, aber soziale Nähe bezeichnen.“

Die DFL hat die Pause bis 30. April in der Bundesliga und 2. Liga bestätigt. Ob und wie der Spielbetrieb im Mai fortgesetzt werden kann, ist noch offen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Als Letztes will die Liga erleben, dass wichtige Bestandteile – und dazu gehört der bis auf eine Unterbrechung seit Bundesliga-Gründung 1963 immer erstklassige Standort Bremen – herausbrechen. Auch für solche Fälle haben die vier Champions-League-Teilnehmern FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen eine Solidarfonds mit 20 Millionen Euro gefüllt, wobei über die Verteilung noch nicht gesprochen wurde. Dass der erste Notgroschen im Bedarfsfall nur ein Anfang sein kann, dürfte allen klar sein.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.