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Fußball | Champions League : Gefährliche Konzentration der Kräfte

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England, Spanien, Deutschland und Italien dominieren die Champions League. In der zweiten Achtelfinal-Woche sind die Teams komplett unter sich. Die Vielfalt des Wettbewerbs leidet.

Coman hält den Pokal und jubelt.
Der FC Bayern München gewann die Champions League 2019/2020.
Quelle: reuters

Das  Achtelfinale der Champions League zieht sich gefühlt ein bisschen wie Kaugummi. Gestreckt zwischen dem 16. Februar und 16. März, verteilt über acht unterschiedliche Termine. Der FC Bayern als Titelverteidiger steigt am Dienstag (23. Februar /21 Uhr) bei Lazio Rom ein. Parallel zum deutsch-italienischen Duell findet noch ein spanisch-englischer Leistungsvergleich (Atletico Madrid - FC Chelsea) statt, am Mittwoch folgen das zweite deutsch-englische Duell im Ausweichort Budapest (Borussia Mönchengladbach - Manchester City) sowie ein italienisch-spanisches Kräftemessen (Atalanta Bergamo - Real Madrid).

Heißt also für die zweite Achtelfinalwoche: Von den acht beteiligten Teams kommen je zwei aus Deutschland, England, Spanien und Italien. Nur der neureiche französische Vertreter Paris St. Germain (Frankreich) und die findigen portugiesischen Talententwickler vom FC Porto haben es in die K.-o.-Phase geschafft. Vielfalt sieht eigentlich anders aus.

Außenseitersiege wie 2004 sind undenkbar geworden

Spätestens vom Viertelfinale an hat sich die Königsklasse zu einer fast geschlossenen Gesellschaft entwickelt. Wenn mal jemand eindringt wie Ajax Amsterdam ins Halbfinale 2019, dann schnappen danach sofort die Großklubs zu: Mit Frenkie de Jong (FC Barcelona) und Matthijs de  Ligt (Juventus Turin) verlor der niederländische Renommierverein danach seine wichtigsten Säulen.

Inzwischen scheint es undenkbar, dass es zu einem Finale der Außenseiter wie 2004 in der Arena auf Schalke zwischen AS Monaco und FC Porto kommt. Die Portugiesen waren vor 17 Jahren der letzte Sieger, der nicht aus England, Spanien, Italien oder Deutschland kam. Die sportliche und wirtschaftliche Dominanz der Top-4-Nationen wirkt erdrückend. Denn allein die Top-20-Klubs in Europa erwirtschafteten in der Saison 2019/2020 - trotz der Pandemie - noch einen Umsatz von mehr als acht Milliarden Euro.

Doppelte Absicherung für die Großklubs

Die besten vier Nationen stellen seit 2018 über die UEFA-Fünfjahreswertung auch je vier Fixstarter. Damit knickte die europäische Dachorganisation gegenüber den Großklubs ein, die schon damals mit der Gründung einer eigenen Super League drohten. Hinzu kam eine weitere Absicherung in Form einer Bonuszahlung aus einer Koeffizienten-Rangliste, die die Leistungen der vergangenen zehn Jahre der einzelnen Klubs einspeist. Damit sind die Global Player nun doppelt abgesichert.

Die Bruttoeinnahmen aus den Europapokalwettbewerben belaufen sich für die UEFA mittlerweile (vor allem wegen der exorbitanten Medienerlöse) auf weit mehr als drei Milliarden Euro, wovon ein Großteil auf die Konten der immer gleichen Klubs wandert. Trotz der Pandemie konnte der FC Bayern fast 130 Millionen an Einnahmen für den Champions-League-Sieg 2019/2020 abschöpfen. Zum Vergleich: Als Eintracht Frankfurt 2018/2019 bis ins Halbfinale der Europa League kam, waren es rund 27 Millionen. Die Ungleichgewichte gefährden die Durchlässigkeit.

Zementierte Hierarchien fangen an zu bröckeln

Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, kritisierte wiederholt die "eklatante, fast zu extreme" Differenz zwischen diesen beiden Wettbewerben. Er schlug auch vor, das viele Geld breiter in den nationalen Ligen zu verteilen; interessanterweise hatten den Vorschlag auch Fanvertreter der "Taskforce Zukunft Profifußball" gemacht. Denn die Champions-League-Ausschüttungen gefährden die Ausgeglichenheit in den nationalen Wettbewerben.

Immerhin scheinen die Corona-Folgen, die Geisterspiele, aber auch der enge Spielplan so manch zementierte Hierarchie aufzubrechen. Der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt greifen in der Bundesliga plötzlich in den Kampf um die Champions-League-Plätze ein, wo der FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig zuletzt ein gefühltes Dauerstartrecht besaßen - nun bangt vor allem der BVB um seine Zulassung. Ein Ausweg für Dortmund wäre, ein zweites Mal nach 1997 die Champions League zu gewinnen - und sich somit direkt wieder zu qualifizieren.

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