Champions League: Frankfurts Festspiele auf Bewährung

    Heimspiel gegen Tottenham:Frankfurts Festspiele auf Bewährung

    von Frank Hellmann
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    Eintracht Frankfurt freut sich aufs zweite Champions-League-Heimspiel ungemein. Aber: Die Fans stehen bei der Partie am Dienstag gegen Tottenham unter strenger Beobachtung.

    Eintracht-Fans stürmten nach dem Finaleinzug das Spielfeld, um mit der Mannschaft zu feiern
    So nicht: Eintracht-Fans stürmen das Spielfeld, um mit der Mannschaft den Einzug ins Europa-League-Finale zu feiern.
    Quelle: reuters

    Noch nicht einmal ein Jahr trägt Ansgar Knauff das Trikot von Eintracht Frankfurt, aber die Höhepunkte für den von Borussia Dortmund ausgeliehenen Offensivallrounder reißen nicht ab. Kaum haben die Hessen in der Bundesliga den Tabellenführer Union Berlin (2:0) bezwungen, wartet die Herausforderung in der Champions League gegen Tottenham Hotspur (Dienstag 21 Uhr/Zusammenfassung am Mittwoch in der Champions-League-Sendung).
    "Da sind alle heiß drauf. Zeit für eine magische Nacht“, sagt der 20-Jährige nach dem Sieg über Union. Die "große Vorfreude auf ein großes Spiel", wie Knauff es nennt, ist jedoch nicht ungetrübt.
    Am achten Bundesliga-Spieltag hat es nun auch Union Berlin erwischt: Das 0:2 bei Eintracht Frankfurt ist die erste Saison-Niederlage für die Köpenicker.03.10.2022 | 7:07 min
    Denn Festspiele wie jetzt gegen Harry Kane und Co. finden im Frankfurter Stadtwald nur noch auf Bewährung statt. Die Vorkommnisse rund ums Auswärtsspiel bei Olympique Marseille (1:0) haben erneut ein schlechtes Bild auf Frankfurter Fans geworfen. Sie hatten sich in der französischen Hafenstadt am gegenseitigen Pyro-Beschuss beteiligt und zu allem Überfluss auch noch faschistische Gesten gezeigt.

    Ohne Mario Götze bestreitet Eintracht Frankfurt das Heimspiel gegen Tottenham. Er fällt wegen einer Knöchelverletzung aus. Götze hatte sich Samstag beim 2:0-Sieg gegen 1. FC Union Berlin am Sprunggelenk verletzt.

    Wieder zur Verfügung steht Defensivspieler Kristijan Jakic, der eine Entzündung in der Hüfte auskuriert hat und wie der zuletzt geschonte Djibril Sow in die Startelf zurückkehren dürfte.

    Platzsturm vor den Augen des UEFA-Präsidenten

    Dass die Eintracht mit einer Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro, einer Auswärtssperre für Fans und einem Zuschauer-Teilausschuss auf Bewährung bei den Sanktionen durch die UEFA glimpflich davonkam, war nicht unbedingt zu erwarten.

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    Von Marseille-Fans abgeschossene Feuerwerkskörper entzünden sich über dem Fanblock der Frankfurter Fans
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    Denn: Nach dem Platzsturm beim Europa-League-Halbfinale gegen West Ham United Anfang Mai sanktionierte die UEFA den Bundesligisten schon mit 80.000 Euro Geldstrafe und einem Spiel vor leeren Rängen - ausgesetzt für zwei Jahre auf Bewährung. UEFA-Boss Aleksander Ceferin war damals in der Arena im Stadtwald.

    UEFA drückt für Frankfurt Auge zu

    Dennoch hat die UEFA bei dem Quasi-Verstoß gegen die Bewährungsauflagen in Marseille noch einmal ein Auge zugedrückt, wie Vorstandssprecher Axel Hellmann auf der Mitgliederversammlung zugab:

    Wir Verantwortliche und die Fans stehen in der Pflicht und müssen uns fragen, was wir unternehmen, damit wir nicht die falsche Abbiegung im Fußball nehmen.

    Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann

    Er will auch nicht bewerten, ob es womöglich auf französischer Seite deutlich mehr Täter gab. "Unsere Aufgabe ist es, vor der eigenen Haustüre zu kehren."

    Eintrachts lange Liste der Verfehlungen

    Es ist Fakt, dass der Klub seit geraumer Zeit ein Problem mit einem Teil gewaltbereiter Anhänger hat, die gern in der Masse untertauchen. Die Liste der Verfehlungen reicht in jüngerer Vergangenheit von Ausschreitungen in Rom (Dezember 2018), über Mailand (März 2019) bis nach Guimaraes (Oktober 2019).
    Bei Heimspielen hantieren die Ultras in der Nordwestkurve mit Feuerwerk wie an Silvester. Pyrotechnik wird fast immer gezündet, gegen Antwerpen (November 2021) flogen auch Böller in den Innenraum.
    Ein Meer in schwarz-weiß: Im Stadion von Sevilla feiern die Eintracht Fans mit großartiger Choreo.
    Gerne so: Vor dem Europa-League-Finale im Estadion Ramón Sánchez Pizjuán in Sevilla präsentieren die Eintracht Fans eine Choreographie.
    Quelle: AP

    Michael Gabriel, Leiter Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) und selbst Anhänger von Eintracht Frankfurt, sieht eine gefährliche Tendenz in den heterogenen Ultra-Gruppierungen: "Es findet eine Verschiebung statt; die Ultras, die gewaltbereit sind, bekommen mehr Einfluss und gewinnen mehr Follower." Damit werde die Gruppe, die eine Protesthaltung auch körperlich ausleben will, größer. 

    Fan-Experte empfiehlt weiterhin den Dialog

    Deshalb sei es für die Vereine umso wichtiger, betont der Frankfurter Fanexperte, "dass man sich nicht scheut, die eigene Fanszene für Fehlverhalten auch öffentlich zu kritisieren". Aus Gabriels Sicht gehe nichts über den intensiven Dialog.
    Doch Hellmann deutete an, dass irgendwann alles reden nichts mehr hilft. Sein eindringlicher Appell an die Anhängerschaft: sich von Gewalt zu lösen: "Gelingt das nicht, wird es von uns geregelt."
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