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Interview

Fußballerin Melanie Leupolz - "Wir sind auf Gelder der Männer angewiesen"

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Die UEFA reformiert die Champions League der Frauen. Hier erklärt Melanie Leupolz vom FC Chelsea, wie die verordnete Professionalisierung den Sport verändern wird.

Melanie Leupolz
Melanie Leupolz stand vergangene Saison mit dem FC Chelsea im Finale der Champions League
Quelle: reuters

Ein neuer Spielmodus, eine eigene Hymne und mehr Geld – die Champions League der Frauen wird grundlegend reformiert. Zum Auftakt empfängt Melanie Leupolz, 27, mit dem FC Chelsea den deutschen Vizemeister aus Wolfsburg zum Topspiel. Im vergangenen Sommer wechselte die 71-fache Nationalspielerin vom Rekordmeister FC Bayern nach London. Hier erklärt Leupolz, was den englischen Frauenfußball von der Bundesliga unterscheidet und warum die Reform der Königsklasse die Professionalisierung voranbringt.

Neue Regeln bei der Champions League der Frauen.
Neue Regeln bei der Champions League der Frauen.
Quelle: ZDF

ZDF: Frau Leupolz, erstmals startet die Champions League der Frauen nun auch mit einer Gruppenphase. Was halten sie von der Reform?

Melanie Leupolz: Ich freue mich auf den neuen Modus und die Gelegenheit, dass sich mehr Vereine auf internationalem Niveau präsentieren können. Hoffenheim spielt dieses Jahr seine erste Champions-League-Saison und hat mindestens sechs Spiele. Das ist eine sehr gute Erfahrung für den Verein, um seine Grenzen auszutesten. Natürlich kommen auch auf jeden mehr Spiele und mehr körperliche Anstrengung zu, was auch das Verletzungsrisiko erhöht. Aber die Kader werden breiter und die Vereine professioneller, sodass sie mehr durchrotierten können. Auch die Chancen auf ein Weiterkommen sind nun besser, vorher hatte man nur eine Gelegenheit und war dann, wenn es schlecht lief, direkt raus. Das ist nun anders. 

"Spielerinnen sollten nicht noch arbeiten müssen"

ZDF: Mehr Spiele bedeuten mehr Leistungsanforderung, doch noch immer müssen viele Spielerinnen einen Beruf nebenher ausüben. Fördert die Reform den Schritt in die Professionalisierung?

Leupolz: Ja, absolut. Das ist beides kaum noch vereinbar. Dienstag ist die Anreise und Donnerstag fahren wir schon wieder zurück. Da ist ein normaler Beruf nebenher kaum mehr möglich. Das muss dann auch finanziell kompensiert werden. Sonst wird es auch immer schwieriger Topspielerinnen in die Bundeliga zu holen. Spielerinnen sollten nicht noch arbeiten müssen. Bei uns in England ist es vorgeben, dass man professionell Fußballspielen muss.

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ZDF: Sie sind 2020 vom FC Bayern zum FC Chelsea gewechselt. Was ist in der englischen Frauen-Fußballliga anders als in der Bundesliga?

Leupolz: In England wird sehr auf die professionellen Bedingungen geachtet. Jeder Klub muss zahlreiche Regularien erfüllen. Das geht damit los, dass Torwarttrainer festangestellt werden müssen. Auch ein Arzt muss bei jedem Training dabei sein. Der Verein hat den Ansporn die beste Mannschaft der Welt zu werden und das zeigt sich in Details. Ich muss nicht mehr daran denken, meine eigenen Schuhe zum Spiel mitzunehmen und bekomme ein Eisbad, wenn ich es brauche. Zudem werden die Spiele jetzt vermehrt in den Stadien der Männer ausgetragen – was zur Anerkennung beiträgt. Das macht den Unterschied aus und wenn man das einmal gewohnt ist, will man das immer haben.

ZDF: Würden Sie Bundesligaspielerin also auch zu einem Wechsel nach England raten?

Leupolz: Das kommt immer auf den Spielstil der Spielerinn an, aber ich würde jedem raten auch mal im Ausland zu spielen, um sich selbst weiterzuentwickeln.

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ZDF: Bei Chelsea spielen sie mit der Dänin Pernille Harder und der Australierin Samantha Kerr zusammen – sie gehören zu den besten Stürmerinnen der Welt. Wie hat sich ihr Spiel seit dem Wechsel verändert?

Leupolz: Die englische Liga ist im Vergleich zur Bundesliga intensiver und wird mit mehr Körpereinsatz gespielt. Ich mag diese Seite des Spiels und habe mich sehr schnell angepasst. Beim Training muss ich mich jeden Tag von meiner besten Seite zeigen. Es gibt keinen Tag, an dem ich mich zurücklehnen kann. Das Team fordert Weltklasseniveau und das macht unsere Qualität aus.

ZDF: Fast alle Bundesligisten haben sich mittlerweile einen Platz in einer der Frauenligen gesichert. Ist das der richtige Weg?

Leupolz: Es wird immer mehr investiert in den Frauenfußball, aber wir sind noch auf die Gelder der Männer angewiesen. Um uns davon künftig zu lösen, haben wir bei Chelsea ein Konzept vorgestellt bekommen, wie wir durch Marketing, Sponsoring und Zuschauereinnahmen in einigen Jahren auf eigenen Füßen stehen können. Das muss das Ziel von jedem Verein werden – auch in Deutschland.

Das Interview führte Marie-Julie May.

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