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Fußball - Champions League - Leipziger Kater nach dem Aus

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Zu viel Respekt, zu leise und zu langsam: Trotz Krise beraubte Liverpool Leipzig seiner Stärken und versetzte den Bundesligazweiten zurück in die Rolle des Greenhorns.

Leipzigs Emil Forsberg reagiert während des Achtelfinalspiels der Champions League zwischen Liverpool und RB Leipzig im Puskas Arena-Stadion in Budapest, Ungarn
Keine Chance gegen Liverpool: Leipzigs Emil Forsberg.
Quelle: AP

Julian Nagelsmann räumte seinen Spielern 20 Stunden Trauerzeit ein. "Jeder ist enttäuscht, das muss man auch zulassen", sagte der 33-Jährige nach RB Leipzigs Aus in der Champions League. Wie bereits das Hinspiel hatten die Leipziger auch das Rückspiel des Achtelfinales mit 0:2 (0:0) gegen den FC Liverpool verloren – diesmal ziemlich sang- und klanglos ohne großes Aufbäumen.

Liverpool zu stark für Leipzig

"Wenn man das als Trainer überspielt, ist das eine Rolle oder eine falsche Emotion", betonte Nagelsmann. Durchhalteparolen für Liga und Pokal seien da fehl am Platz. Das sei bloße "Pseudoenergie"; Körper und Kopf benötigten vielmehr nach Negativerlebnissen und geplatzten Träumen auch Phasen des Ärgers und der Wut, um neue Kraft zu schöpfen.

Von der Aktivität und Aggressivität, die RB gegen die Reds von Beginn an zeigen wollte, um den Rückstand schnell wettzumachen, konnte der Bundesligazweite wenig zeigen. Der Matchplan von Liverpool-Coach Jürgen Klopp, RB von Beginn an hoch zu pressen und im Spielaufbau zu ersticken, ging voll auf.

Die größte Leistung, die wir vollbracht haben ist, dass wir dafür gesorgt haben, dass niemand gesehen hat, wie gut Leipzig eigentlich ist.
Jürgen Klopp

"Wir haben sie aggressiv und in den richtigen Räumen verteidigt", analysierte Klopp und ergänzte: "Das ist extrem schwierig, deswegen schaffen es ja auch nur so wenige." Eigentlich sei RB ein "powerhouse", doch am Mittwochabend hatte das kaum Energie. Aus den Fenstern schimmerte nur schwaches Licht, weil Liverpool diverse Stecker gezogen hatte.

RB "nicht mutig genug" für Nagelsmanns Spielidee

Nagelsmann musste – was er selten tut – seinen Matchplan nach der Partie im Detail erklären, weil man ihn auf dem Feld schlicht kaum erkennen konnte. Die Idee war, "Überzahl im Mittelfeld zu schaffen und durch Dribblings in die Halbräume vor der Abwehrkette zu stoßen, um wiederum Überzahl auf den Flügeln zu schaffen", führte Leipzigs Trainer aus. "Aber wir waren nicht mutig genug dafür. Wir hatten zu viel Respekt vor Kontersituationen und haben aus diesem Respekt heraus zu verkopft agiert."

Stattdessen spielte Liverpool mit einer Vielzahl an Personal im Mittelfeld und unterband Leipzigs Plan. "Unser Spiel im Mittelfeld war zu langsam, wir haben die großen Räume hinter der Abwehrkette nicht gefunden", kritisierte der Fußballlehrer. So sei weder Emotionalität entstanden, noch "Punch" vor dem Tor. Selten war Leipzig unter Nagelsmann so eindeutig unterlegen. Eine verdiente Niederlage, die RB zurückversetzt in die Rolle des Greenhorns, das Lehrstunden von den Etablierten bekommt.

 Etwa 50 Millionen Euro Einnahmen für RB

Auf weitere Einnahmen in Höhe von 10,5 Millionen Euro, die die Uefa für den Viertelfinaleinzug ausschüttet, muss RB nun verzichten. Doch auch so belaufen sich die Champions-League-Einkünfte noch immer auf gut 50 Millionen Euro. 45,5 Millionen Euro davon sind fix, dazu kommt eine noch variable Summe aus dem TV-Marktpool. Wegen der Corona-Einbußen bekommt RB wohl wie im Vorjahr etwa 2,5 Millionen Euro weniger vom Verband als eigentlich vorgesehen. Insgesamt sind das etwa 17 Millionen Euro weniger als in der vergangenen Saison, als Leipzig im Halbfinale stand.

Der positive Effekt des Ausscheidens auf den Titelkampf in der Bundesliga dürfte begrenzt sein. Der FC Bayern hat nun zwar wohl zwei bis vier Spiele mehr zu absolvieren, doch RB hat dafür noch das Halbfinale im DFB-Pokal zu spielen. Größer ist die Gefahr, dass der Kater nach dem geplatzten Europacup-Traum bis zu Leipzigs Topspiel gegen Eintracht Frankfurt an diesem Sonntag anhält. Doch Nagelsmann hatte die Trauerzeit ja klar vorgegeben.

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