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Fußball | Champions League - Lopetegui: Einst verspottet, jetzt bewundert

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Trainer Julen Lopetegui galt nach Entlassungen bei der spanischen Nationalelf und Real Madrid als ruiniert. Bei Dortmunds Gegner FC Sevilla hat er nun ein exzellentes Team geformt.

Julen Lopetegui am 08.12.2020 in Rennes (Frankreich)
Julen Lopetegui, Trainer des FC Sevilla.
Quelle: dpa

Julen Lopetegui beendete das Spiel mit heiserer Stimme. Wie immer. Auch wenn der 54-Jährige am Samstag bei der Generalprobe des Sevilla FC gegen Huesca (1:0) gesperrt auf der Tribüne saß. Einer wie er schreit sich stets die Seele aus dem Leib.

Lopetegui strahlt Intensität aus

Die Intensität ihres Trainers strahlt auf seine Mannschaft aus. Immer kompakt, immer konzentriert, in jedem Spiel, alle drei Tage. Wenigen Teams in Europa scheint die Dauerbelastung im Corona-Modus so wenig anhaben zu können.

Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League heute (21 Uhr) tritt Borussia Dortmund daher nicht nur beim amtierenden Europa-League-Champion an, sondern auch bei einem der formstärksten Teams des Kontinents.

Sevilla seit sieben Spielen ohne Gegentor

Wettbewerbsübergreifend hat Lopeteguis Elf die letzten neun Spiele gewonnen. In den letzten sieben Partien kassierte sie nicht mal ein Gegentor. Vorige Woche wurde im Halbfinal-Hinspiel des spanischen Pokals der FC Barcelona mit 2:0 geschlagen. Nicht schlecht für einen Trainer, der noch vor gut zwei Jahren als Trottel der Nation galt.

Damals war Lopetegui gerade bei Real Madrid entlassen worden - nach vier Monaten im Amt, während denen er nicht einmal die Hälfte der Spiele gewann. Besonders pikant: Wegen dieser Anstellung bei Real hatte er im selben Jahr bereits seinen Job als spanischer Nationaltrainer verloren. Unter demütigenden Umständen, aber nicht ohne eigenes Zutun.

WM-Abgang durch die Hintertür

Lopetegui hatte hinter dem Rücken von Spaniens Verbandschef Luis Rubiales mit den Madrilenen verhandelt. Der Funktionär wurde zwei Tage vor Beginn der WM in Russland durch eine Pressemitteilung Reals vor vollendete Tatsachen gestellt. Rubiales warf Lopetegui raus. Der Coach verließ die WM buchstäblich durch den Hinterausgang.

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Nach diesem fatalen Jahr 2018 schien seine Karriere ruiniert. Lopetegui schien zu viel gewollt und dadurch alles verloren zu haben.

Sevilla als Chance zur Rehabilitierung

Doch im Sommer 2019 kam die Chance zur Rehabilitierung. Sevillas Sportdirektor Monchi Rodríguez musste dafür viel Widerstand im eigenen Vorstand überwinden. Monchi setzte darauf, dass Lopetegui etwas zu beweisen hatte. Und dafür alles geben würde.

An seiner fachlichen Eignung gab es sowieso wenig Zweifel. Viele spanische Nationalspieler bedauerten damals seine Demission, mancher Real-Profi auch.

 Julen Lopetegui reist aus Russland ab
Julen Lopetegui nach seiner Entlassung bei der spanischen Nationalelf.
Quelle: epa

 

Kroos outet sich als Lopetegui-Fan

"Die Entlassung, die mir persönlich am meisten leid getan hat", nannte Toni Kroos kürzlich Lopeteguis Abgang in seinem Podcast. Der Coach habe bei Real eine schwierige Phase nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo erwischt. Aber er sei "ein erstklassiger Trainer und Mensch".

Das zeigt er nun also in Sevilla. Sein Team agiert selten spektakulär, aber mit viel Spielkontrolle, hoher Kombinationssicherheit und der Geduld für den richtigen Moment. Etliche Partien entschied man diese Saison erst in der Schlussphase.

Rakitic: "Das stärkste Sevilla der Geschichte"

Die Mannschaft um den vom FC Barcelona zurückgekehrten Ivan Rakitic kann sich besonders auf die Defensive verlassen. Namen wie Diego Carlos und Jules Koundé mögen noch nicht zu den Branchenstars zählen - aber sie bilden eines der stärksten Innenverteidigerduos in Europa. Vom "stärksten Sevilla der Geschichte" spricht Rakitic.

Wie den mittlerweile von etlichen Großklubs beobachteten Koundé haben sich auch Mittelfeldspieler Joan Jordán oder Angreifer Youssef En-Nesyri unter Lopetegui sehr positiv entwickelt. Das oft beschworene "Bessermachen" von Spielern gehört zu den unbestrittenen Qualitäten des Basken.

Er passt damit ideal zu einem Verein, der traditionell von Transferüberschüssen lebt. Und der ihn kürzlich bis 2024 verlängerte: Julen Lopetegui hat endlich sein Habitat gefunden.

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