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Bayern und die Champions League - Mit Schwarzenbeck fing alles an

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In der Champions League spielt der FC Bayern gegen Atlético Madrid. Erinnerungen an 1974 werden wach, als die Münchner ihren ersten Landesmeistertitel holten.

Archiv: Hans Georg Scharzenbeck schießt.
Doch die Bayern schlagen noch einmal zurück – in Gestalt von „Katsche“ Schwarzenbeck, der kurz vor Spielende das 1:1 erzielt. Das bedeutete damals noch: Wiederholungsspiel!
Quelle: Imago

Gerd Müller packte Hans-Georg Schwarzenbeck am Nacken und schob ihn dorthin, wo er nach Meinung des Stürmers hingehörte: zurück in die Defensive. Dabei hatte der Vorstopper mit der Trikotnummer 4, den sie beim FC Bayern alle nur "Katsche" nannten, entgegen seines Naturells gerade einen Dienst von historischem Wert in der Offensive geleistet.

Finalsieg gegen Atletico

Im Finale des Europapokals der Landesmeister war das, am 15. Mai 1974 im Heysel-Stadion von Brüssel. Mit seiner rechten Klebe aus rund 30 Metern glich Schwarzenbeck in den letzten Sekunden der Verlängerung zum 1:1 aus, nachdem die Münchner von Atlético Madrid schon besiegt schienen.

Es war das Tor, das eine Ära begründete. Diese möchte der aktuelle Titelverteidiger FC Bayern nun fortsetzen, wenn er an diesem Mittwoch in der Champions League Atlético zum Auftakt empfängt.

Instinkt statt Überlegung

Vor 46 Jahren hatte der 2014 verstorbene Kapitän Luis Aragonés Madrid mit einem Freistoß in der 114. Minute in Führung gebracht. Als der Traum vom ersten Landesmeister-Titel in Europa geplatzt schien, zog Schwarzenbeck in der 120. Minute einfach ab, obwohl es von Abwehrbeinen nur so wimmelte vor ihm.

"Warum ich geschossen habe, kann ich nicht erklären", sagte Schwarzenbeck später einmal, "auch im Nachhinein nicht."

Das muss mit Instinkt zu tun gehabt haben, denn Überlegung war es nicht.
Hans-Georg Schwarzenbeck

Für Gedanken, was er mit Franz Beckenbauers Zuspiel anfangen sollte, hatte er gar keine Zeit. Der belgische Schiedsrichter Vital Loraux hatte bei Schwarzenbecks Schuss die Pfeife für den Schlusspfiff schon im Mund.

Schwarzenbecks schönste Zeit

Umso häufiger dachte er über seinen Schuss ins Glück und seine "schönsten und intensivsten Wochen meiner Karriere" im Nachhinein nach. "Sowas vergisst du deinen Lebtag‘ nicht", sagte er im Frühjahr 2016. Damals waren die Bayern wieder mit Atlético verabredet, im Halbfinale des Nachfolge-Wettbewerbs Champions League.

Das Finale 1974

1974: Erster Landesmeistertitel für den FC Bayern

Es sollte mit dem Aus der Münchner enden, nach einer 0:1-Niederlage in Madrid und einem 2:1 in München. Hinzu kamen bald darauf, im Herbst 2016, zwei Gruppenspiele. Das Hinspiel verloren die Bayern 1:0, das Rückspiel gewannen sie 1:0.

Beckenbauers Helfer

Auch 1974 standen zwei Begegnungen an, weil damals bei einem Unentschieden in K.o.-Partien noch Wiederholungsspiele angesetzt wurden. Dass es zu diesem kam, lag maßgeblich eben an Schwarzenbeck.

Der war als dienstbarer Geist eigentlich dafür zuständig, Beckenbauer den Rücken freizuhalten. Schwarzenbeck sollte auf Geheiß der Kollegen nicht einmal die Mittellinie überqueren. So überlieferte es jedenfalls Uli Hoeneß.

Das Wunder von Brüssel

Zum Glück für die Münchner widersetzte sich Schwarzenbeck dem Offensivverbot und traf zu jenem 1:1, das als "Wunder von Brüssel" in die Geschichte einging. "Eine riesige Erleichterung" habe er damals verspürt, erinnerte sich Schwarzenbeck.

Der Medienrummel nach damaligen Verhältnissen war ihm aber zuwider. "Lieber hätte der Gerd das Tor gemacht, der kennt sich aus mit der ganzen Journalisten-Fragerei", habe er damals gedacht, "warum denn ausgerechnet ich?" Der stille Schwarzenbeck hätte lieber ohne Aufhebens genossen.

4:0 dank Hoeneß und Müller

Zwei Tage später folgte die Wiederholung des Finals. Diesmal siegten die Bayern durch je zwei Tore von Hoeneß und Müller 4:0. Ohne "Katsches" Klebe wäre es aber wohl nichts geworden mit dem ersten Titelgewinn im Landesmeister-Cup am 17. Mai 1974.

Und damit vorerst auch nichts mit dem Beginn ihrer Ära in Europa, die sie mit den weiteren Titeln in diesem Wettbewerb 1975 und 1976 fortsetzten. 2001, 2013 und 2020 folgten die Triumphe vier bis sechs in der Champions League.

Schwarzenbecks einziges Tor im Landesmeister-Cup

Auch heute ist Schwarzenbeck, inzwischen 72 Jahre alt, noch "recht stolz", dass er den Grundstein für diese Titelsammlung legte. Übrigens mit seinem einzigen Tor in seinen 39 Spielen im Europapokal der Landesmeister.

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