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Fußball und Pandemie - Corona bremst Transferirrsinn aus - vorerst

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Das Coronavirus hat auch den Transfermarkt im Spitzenfußball lahmgelegt. Die Pandemie dürfte Ablösesummen gesundschrumpfen - zumindest vorübergehend.

Neymar, Paris Saint-Germain
Der brasilianische Superstar Neymar wechselte 2018 für 222 Millionen Euro zu Paris St. Germain.
Quelle: reuters

Es ist gerade zwei Jahre her, als Ralf Rangnick die Auswüchse des Transfermarktes auf den Punkt brachte. "30 Millionen sind in England das neue 'ablösefrei'", spottete der damalige Sportdirektor von RB Leipzig. Zuvor war der Brasilianer Neymar für 222 Millionen Euro zu Paris St. Germain gewechselt, der erste 300-Millionen-Transfer schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Dann kam das Coronavirus.

Nun ruht fast auf der ganzen Welt der Ball, dadurch ist auch das Transfer-Ballyhoo eingeschlafen. Es gibt momentan Wichtigeres als Verstärkungen für die neue Saison. Erst muss die alte Spielzeit beendet werden. Und selbst wenn das gelingt, werden sich die Verluste nicht nur bei den Einnahmen niederschlagen. Auch das "Humankapital" Spieler wird an Wert verlieren.

"Der Markt wird sich runterregulieren. Vielleicht sogar auf ein gesundes Maß, weil schon sehr, sehr viel bezahlt worden ist in den letzten Jahren", sagt Spielerberater Stefan Backs von der Agentur Siebert und Backs.

Die fetten Jahre sind erstmal vorbei

Laut dem Internationalen Zentrum für Sportstudien CIES könnte der Transferwert der Spieler in den europäischen Ligen durch die Auswirkungen der Pandemie um mehrere Millionen Euro sinken, sollten die Saison nicht zu Ende gespielt und Spielerverträge nicht verlängert werden.

Motivwagen beim Kölner Rosenmontagszug zu den Ablösesummen im Profiußball
2018 war der Transfer-Wahnsinn auch Motiv beim Kölner Rosenmontagszug.
Quelle: imago

Beim FC Bayern etwa gehen die Forscher in diesem Fall von einem Marktwertverlust von 267 Millionen Euro (minus 33 Prozent) aus. Selbst ein reguläres Saisonende würde die Schäden nur begrenzen. Die fetten Jahre sind erst einmal vorbei.

Der moralische Aspekt

Neben den wirtschaftlichen Einschnitten könnten auch moralische Aspekte dafür sorgen, dass Ablösen und Gehälter erstmals seit Jahrzehnten sinken.

"Man muss schauen, ob es zeitgemäß ist, wenn Tausende Menschen um ihre Existenz bangen, ob man dann zig Millionen Ablösesumme für einen Spieler bezahlt", meint Spielerberater Backs.

Spielerberater: Rezession nicht nachhaltig

Selbst bei jungen, hochveranlagten Topspielern "wird es mit dreistelligen Millionenbeträgen eher schwierig werden", sagte Jörg Neblung, bekannt geworden als Berater von Robert Enke, dem Portal transfermarkt.de. Sascha Empacher, dessen Agentur Spocs unter anderem Liverpool-Superstar Mo Salah vertritt, rechnet mit sinkenden Gehältern. "Ein Spieler eines Top-10-Klubs in Europa wird künftig eher fünf bis acht Millionen verdienen statt 13 bis 20 Millionen. Ein Mittelklasse-Bundesliga-Spieler 800.000 Euro statt 1,5 Millionen Euro", rechnete Empacher in der "Bild"-Zeitung vor.

Wie lange diese Rezession andauern wird, ist offen. Dass sie nachhaltig sein wird, darf aber bezweifelt werden. "Sobald sich die Pandemie entspannt hat", prognostiziert Neblung, "werden die Marktmechanismen wieder zu einem erneuten Anstieg der Ablösesummen führen - auch wenn sich der 300-Millionen-Transfer vielleicht noch um zwei, drei Jahre verzögert."

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