FC Bayern: Manuel Neuers Schulter streikt

    Manuel Neuer:Die Schulter der Nation streikt

    von Maik Rosner
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    Den Torwart des FC Bayern und der Nationalelf plagt eine hartnäckige Blessur des Gelenks. Ohne Schmerzmittel geht gerade nichts. Muss man sich sorgen, ob er bis zur WM fit wird?

    Manuel Neuer
    An der Schulter verletzt und seit dem Spitzenspiel gegen den BVB nicht mehr einsatzfähig: Manuel Neuer
    Quelle: Imago

    Manuel Neuer hatte eine zentrale Position eingenommen, von wo aus der Torwart des FC Bayern alles genau sehen konnte beim Spiel gegen Freiburg. Doch der Kapitän befand sich nicht auf seinem angestammten Platz, sondern auf der Ehrentribüne.
    Die Zuschauerrolle wird ihm auch am Mittwoch erhalten bleiben, wenn das DFB-Pokalspiel in der zweiten Runde beim Bundesliga-Konkurrenten FC Augsburg ansteht (ab 20.15 Uhr live im ZDF). Nach wie vor schmerzt Neuers Schulter. Auslöser soll eine Prellung des Schultereckgelenks sein. Julian Nagelsmann erwähnte zudem die Bizepssehne.

    Trainer Julian Nagelsmann: "Extreme Schmerzen"

    "Er hat eine Bewegungseinschränkung aufgrund des Schmerzes. Alle hebenden Bewegungen mit dem Arm tun ihm weh", erklärte der Trainer am Dienstag. "Wenn du extreme Schmerzen hast, einen stechenden Schmerz, dann blockierst du die Bewegung automatisch und kannst auch nicht so schnell reagieren."
    Nagelsmann sprach von einer "Gratwanderung", wann Neuer wieder voll belastet werden könne. Angepeilt sei, dass der 36-Jährige am Donnerstag "Teile vom Wettkampfersatztraining" mitmacht und womöglich am Samstag im Bundesligaspiel bei der TSG Hoffenheim wieder aufläuft.
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    Neuers letzter Einsatz bei Borussia Dortmund

    Andererseits sagte Nagelsmann:

    Jedes Spiel, das zu früh ist, wirft ihn wieder zurück. Deswegen müssen wir da ein gutes Fingerspitzengefühl haben.

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    Entscheiden könne ohnehin nur Neuer mit seiner großen Erfahrung. "Da werden wir kein Risiko eingehen, was eine längere Ausfallzeit nachziehen könnte", sagte Nagelsmann.
    Für Alarmismus besteht wohl kein Anlass. Zugleich wirft es Fragen auf, dass Neuers Rückkehr immer weiter verschoben werden muss. Letztmals hatte er beim 2:2 in Dortmund am 8. Oktober gespielt, offenbar bereits angeschlagen.

    Nagelsmann gegen ständige Gabe von Schmerzmitteln

    Jedenfalls legten Nagelsmanns Äußerungen am Sonntag nahe, dass den Kapitän des FC Bayern und der deutschen Nationalelf die Blessur schon länger plagt und er beim BVB wohl unter Schmerzmitteln gespielt hatte.
    "Ich will nicht, dass er die ganze Zeit Schmerzmittel schluckt und dann spielen muss, weil dann wird es immer noch schlechter", sagte der Trainer nach dem Spiel gegen Freiburg bei DAZN.

    Erinnerungen an Neuers Mittelfußbrüche vor WM 2018

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    Zugleich erinnerte er indirekt an die bevorstehende vierte WM für Neuer. "Wir haben, auch Manu, noch sehr viel vor dieses Jahr - und auch nächstes Jahr", sagte Nagelsmann. Vor dem Spiel hatte er bereits Einblicke gewährt: "Ohne das zu therapieren mit Schmerzmitteln, kann er seine Schulter nicht so bewegen, dass es ein Spiel zulässt. Es macht keinen Sinn, ihn immer vollzupumpen, dass er spielen kann." Mit "immer vollzupumpen" waren Schmerzmittel gemeint.  
    Erinnerungen werden durchaus wach an jene Zeit, als Neuer nach einem Bruch des linken Mittelfußes im August 2017 zurückkehrte und sich im September eine erneute Fraktur zuzog. Es war sein insgesamt dritter Mittelfußbruch.

    Neuer fürchtete um seine Karriere

    Neuer kam danach in der Saison 2017/18 nicht mehr für den FC Bayern zum Einsatz und musste lange um seine Teilnahme an der WM 2018 bangen. Erst kurz vorm Turnier wurde er fit.
    Damals galt es, einen weiteren Bruch unbedingt zu vermeiden. "Es ist wichtig, dass dem Fuß nichts mehr passiert. Sonst könnte es wirklich um die Karriere gehen", sagte Neuer damals drei Monate vor dem Turnier.

    Knapp vier Wochen hat Manuel Neuer noch Zeit

    Nun ist die WM in Katar nur noch einen Monat entfernt, weshalb es erneut gilt, besondere Vorsicht walten zu lassen. Die Verletzungen sind zwar nicht vergleichbar. Doch eine Schulterblessur kann bekanntlich sehr hartnäckig sein, wenn sie nicht richtig kuriert wird.
    Ein solches Szenario wollen alle Beteiligten vermeiden. Das dürfte ganz im Sinne von Bundestrainer Hansi Flick sein. Bis zur Abreise der Nationalelf zum letzten Test im Oman sind es keine vier Wochen mehr.
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