Auf den Spuren der DFB-Pokalgesetze

    DFB-Pokal - 2. Runde:Auf den Spuren der Pokalgesetze

    von Peter Mayer
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    Der Pokal hat seinen eigenen Gesetze. Eine Phrase, die so verpönt wie fraglich ist. Denn: Welche Gesetze sollen das sein? Eine Spurensuche.

    Kevin Conrad
    Klein bezwingt Groß - Versagen oder ominöses Gesetz des Pokals?
    Quelle: dpa

    Welche Bedeutung hat dieser Ausspruch überhaupt, der in sportjournalistischen Kreisen auf dem Index steht? Jeder kann jeden schlagen in diesem seit 1935 ausgetragenen Wettbewerb (bis 1943 Tschammerpokal). Ein unterklassiger Verein ist demnach in der Lage, einem auf dem Papier stärkeren Verein ein Bein zu stellen. Gern zitiert vom höherklassigen Verein nach der Niederlage gegen einen unterklassigen Klub. Soweit zur Gesetzeslage des DFB-Pokals

    28 Gesetzesbrecher in Runde zwei 

    Aber - und das beweist ein Blick auf die Paarungen der zweiten Runde: Es gibt 15 Gesetzesbrecher aus der Bundesliga und 13 aus Liga zwei. 28 von 32 Mannschaften in Runde zwei kommen also aus den beiden höchsten Klassen. Eigene Gesetze? Unterklassig bezwingt Höherklassig? Pustekuchen. 
    Aus der Bundesliga sind Leverkusen, Hertha und Köln gescheitert. Der vorzeitige Abgang des FC (gegen Zweitligisten Jahn Regensburg im Elfmeterschießen) kann durchaus als Überraschung durchgehen, beim Ausscheiden der Werkself und den Berlinern verhält sich die Sache ein wenig anders. 
    Fehlstart für Sandro Schwarz als Trainer von Hertha BSC: In einem dramatischen Pokalmatch mit acht Toren in 120 Minuten scheitern die Berliner in Braunschweig im Elfmeterschießen.31.07.2022 | 5:59 min

    Ausscheiden als Vorbote einer schlechten Saison 

    Bayer spielt eine grottenschlechte Saison und hat mittlerweile den Trainer gewechselt. Die Partie gegen den derzeitigen Tabellenführer der 3. Liga SV Elversberg reiht sich ein in eine Vielzahl an mäßigen Darbietungen der sonst so erfolgsverwöhnten Mannschaft. Sie ist nicht die Folge ominöser Pokalgesetze, sondern eher die Folge eines ominösen Auftritts. 
    Auch die Hertha glänzt in dieser Saison nicht unbedingt mit souveränen Vorstellungen. Die Partie gegen den ambitionierten Zweitligisten aus Braunschweig war zwar spektakulär (4:4 nach Verlängerung, 5:6 i.E.), aber eben nicht erfolgreich. Kein Wunder, dass die Berliner in der Bundesliga bislang nur einen Sieg auf dem Konto haben. Stichwort Effizienz vor dem Tor.  
    Zudem bekleckerte sich Greuther Fürth nicht mit Ruhm. Der Zweitligist schied gegen den Oberligisten Stuttgarter Kickers aus. In Liga zwei steht der Bundesliga-Absteiger derzeit auf einem Abstiegsplatz.  

    Alarmsignale ernst nehmen 

    Die wenigen Überraschungen in Runde eins haben zum Teil unbarmherzig die Schwächen höherklassiger Mannschaften aufgedeckt. Solche Niederlagen zu Beginn einer Saison können in Folge als Alarmsignal gesehen und für die weitere Planung als Basis verstanden werden. 
    Oder aber die imaginären eigenen Gesetze des Pokals greifen nach den Blamagen ganz plötzlich und werden als Grund für das eigene Versagen vorgeschoben. Aber dass ein vermeintlich chancenloses Team bis zum Umfallen kämpft, um den Stärkeren in die Knie zu zwingen? Das kommt jetzt nicht so überraschend daher. 
    Nach einer Anlaufzeit lief's wie geschmiert: Bayern München steht nach dem 5:0 gegen Drittligist Viktoria Köln in der 2. Runde des DFB-Pokals.31.08.2022 | 5:58 min
    Das sollte sich mittlerweile als oberstes Gebot in den Köpfen der Profis eingebrannt haben und einer zu laschen Einstellung entgegenwirken. Denn wer schwach spielt, verliert zumeist gegen den, der stark spielt - unabhängig der jeweiligen Ligazugehörigkeit. Kein Gesetz, sondern Tatsache. 

    Das Gesetz des DFB-Pokals 

    Achja, ein Gesetz gibt es doch im DFB-Pokal: Wer als kleiner Verein den FC Bayern zugelost bekommt, jubelt hemmungslos. Allerdings ergibt sich daraus ein weiteres Gesetz, das nur äußerst selten gebrochen wird: Wer gegen den FC Bayern spielt, verliert.  
    Borussia Mönchengladbach und Holstein Kiel haben in den letzten beiden Jahren dagegen verstoßen. Schön, wenn man dann als Rekordmeister die passende Ausrede parat hat: Der Pokal hat ... Sie wissen schon. 
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