Fußball: Kann Investor Kühne die EM 2024 in Hamburg retten?

    Geld für Stadionsanierung fehlt:Kann nur Kühne die EM 2024 in Hamburg retten?

    von Ralf Lorenzen
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    Der Hamburger SV will die Fußball-EM 2024 mitaustragen – doch es fehlt das Geld für eine Stadionsanierung. Helfen könnte Investor Klaus-Michael Kühne, der stellt aber Bedingungen.

    Klaus-Michael Kühne (2017)
    HSV-Investor Klaus-Michael Kühne 2017.
    Quelle: IMAGO / Oliver Ruhnke

    Auswärts in der eigenen Stadt tritt der HSV normalerweise im Millerntorstadion beim FC St. Pauli an. Doch seit kurzem gibt es dafür ein neues Spielfeld: das Rathaus. "Das war ein Auswärtsspiel für den HSV und den Vorstand", sagte Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel vor drei Wochen.
    Volksparkstadion in Hamburg
    Das Volksparkstadion in Hamburg
    Quelle: IMAGO / Waldmüller

    Fünf EM-Spiele auf der Kippe?

    Vorausgegangen war der vergebliche Versuch des damals noch amtierenden HSV-Finanzvorstands Thomas Wüstefeld, den Haushaltsauschuss der Stadt davon zu überzeugen, dem klammen Verein eine Bürgschaft für einen 23-Millionen-Euro-Kredit zu gewähren.
    Nun kennt man den HSV seit Jahrzehnten nicht ohne hohen Finanzbedarf – brisant an der aktuellen Notlage ist, dass daran die Austragung von fünf, in Hamburg geplanten Spielen bei der Europameisterschaft 2024 hängt. Also auch das Renommee der Hansestadt Hamburg insgesamt.

    Ablehnende Haltung der Politik

    Mit 33 Millionen Euro bezifferte Wüstefeld in der Sitzung den Sanierungsbedarf für die in die Jahre gekommene Arena, unter anderem des Daches und der technischen Anlagen. Zehn Millionen könne der Verein selbst aufbringen, den Restbetrag würde Hauptsponsor HanseMerkur als Kredit beisteuern – wenn dieser durch eine städtische Bürgschaft abgesichert würde.
    Wüstefeld Thomas Finanzvorstand
    Der frühere HSV-Finanzvorstand Thomas Wüstefeld
    Quelle: epa

    Die ablehnende Haltung der Haushaltspolitiker auf dieses Ansinnen sei "mit Blick darauf, was vorher gelaufen ist, wirklich nachvollziehbar", sagte Dressel. Damit meinte er vor allem einen Deal mit dem HSV aus dem Jahr 2020. Damals kaufte die Stadt dem Stadioneigentümer HSV das Grundstück, auf dem die Arena steht, für 23,5 Millionen Euro ab. Verbunden damit war die Auflage, das Geld in die Sanierung des Stadions zu stecken.

    Sanierungs-Geld in Corona-Löchern versickert

    Dieses Geld ist nicht mehr da, sondern während der Corona-Zeit in den Löchern des normalen Haushalts der Profiabteilung versickert. Wüstefeld, der mit seiner Firma 5,11 der Anteile an der HSV-Fußball-AG besitzt, war zwar erst seit Anfang des Jahres interimsmäßig für die Finanzen zuständig, verbreitete aber über Monate wortreichen Optimismus.
    Sein kürzlicher Rücktritt hatte allerdings nichts mit dem HSV zu tun, sondern mit Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner privaten geschäftlichen Tätigkeit.

    Kühne will retten – für mehr Anteile

    Die große Aufgabe, eine Finanzierung für die gegenüber der Stadt und der EURO 2024 GmbH zugesagte Stadionsanierung hinzubekommen, liegt nun in den Händen des Vorstandsvorsitzenden Jonas Boldt.
    HSV-Sportvorstand Jonas Boldt
    Hamburgs Sportvorstand Jonas Boldt.

    Doch woher soll das Geld kommen? In dieser verfahrenen Situation gewinnt ein Angebot neue Bedeutung, das Hauptinvestor Klaus-Michael Kühne dem Verein im August gemacht hat. 120 Millionen Euro will er dem Verein zur Verfügung stellen, inklusive 25 Millionen Euro für die Stadionsanierung. Bedingung: die Erhöhung seiner Anteile an der HSV Fußball AG von derzeit 15,21 auf 39,9 Prozent.

    Satzung schiebt Kühne-Angebot Riegel vor

    Nach einer ersten Ablehnung im Präsidium und einem folgenden Gespräch mit dem Investor gibt es laut HSV einen internen Austausch "bei dem dann auch die Möglichkeit einer konkreten weiteren Zusammenarbeit mit der Kühne Holding AG diskutiert werden soll".
    Hauptproblem: Die Satzung beschränkt die Anteile für auswärtige Investoren auf 24,9 Prozent. Für eine Satzungsänderung ist eine Dreiviertelmehrheit in der Mitgliedschaft nötig. Die scheint nach der Enttäuschung der Erwartungen, die 2014 mit der Ausgliederung der Profiabteilung verbundenen waren, in weiter Ferne.

    Hamburg droht neue Blamage

    Damit liegt der Ball trotz deutlichem Widerwillen weiter im Feld der Politik. "Der HSV sollte wirklich alles tun, um bei anderen, privaten Akteuren entsprechende Sicherheiten zu organisieren, um eine Finanzierung sicherzustellen", sagte Finanzsenator Dressel zwar.
    Genauso klar ist aber: Eine weitere internationale Blamage kann sich die Sportstadt Hamburg nach der nicht zustande gekommenen Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 nicht leisten.
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