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Vor dem EM-Achtelfinale : Niederlande mit neuer Demut

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Die Niederlande wollen im EM-Achtelfinale gegen Tschechien (Sonntag, 18 Uhr) nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. 7.000 Fans wollen die Elftal in Budapest unterstützen.

Abschlusstraining der Niederländer in Budapest
Vor dem Duell mit Tschechien: Abschlusstraining der Niederländer in Budapest
Quelle: epa

Budapest ist voll von echten Hinguckern. Ein besonders beliebter Platz ist die Sankt-Stephans-Basilika, in deren Umgebung sich die jüngere Generation in diesem EM-Sommer besonders gerne aufhält. Die Zrinyi-Straße erscheint dann wie ein einziger Laufsteg. Doch gerade ändert sich das Erscheinungsbild, es bekommt einen anderen Farbtupfer als sonst. Die "Oranjes" sind nämlich da, und ihre Verbrüderungsszenen bestimmen bereits das Bild um die betörenden Sehenswürdigkeiten.

Kein Wunder: 7.000 Fans haben sich ein Ticket gesichert, um das EM-Achtelfinale der Niederlande gegen Tschechien (heute, 18 Uhr/ARD) in der pompösen Puskas-Arena zu verfolgen. Das hat der Königliche Niederländische Fußball-Verband, kurz KNVB, verkündet. Unterstützung in einem der umstrittensten Spielorte des Turniers in der Corona-Pandemie kann nicht schaden.

EM-Geschichte voller Tiefpunkte

Denn mit den Europameisterschaften hatten es die Niederländer nicht mehr so, nachdem Marco van Basten beim EM-Triumph 1988 ein Traumtor schoss, das in jedem Trailer bei den EM-Partien über die Videowände flimmert. Gerade in diesem Jahrtausend ging ziemlich viel schief.

Beim mit Belgien ausgerichteten Heimturnier 2000 war der Rausch im Halbfinale gegen Italien vorbei, 2004 scheiterte die hochbegabte Generation mit Edwin van der Sar, Edgar Davids oder Clarence Seedorf am Gastgeber Portugal, 2008 gab es im Viertelfinale eine böse Überraschung, 2012 blieb die Elftal in der Vorrunde hängen, und 2016 war man gar nicht mehr qualifiziert. Einige dieser Episoden haben Bondscoach Frank de Boer (112 Länderspiele) und Ruud van Nistelrooy (70) noch selbst mitgemacht.

Gerade die EM 2008, als die "Oranjes" in der Vorrunde jedes Spiel gewannen und bereits zum Topanwärter auf den Titel verklärt wurden, dient den beiden als Mahnung. "Wir haben ja die Erfahrung von 2008: Drei Superspiele - und dann, naja", sagte de Boer erst kürzlich wieder. Der 51-Jährige wird nicht müde zu betonen: Die Meriten der Vorrunde zählen ab jetzt nichts mehr. Es beginnt ein neues Turnier.

Trainer warnen Elftal

Bei besagter EM 2008 hatte der Nationaltrainer van Basten im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Rumänien die gesamte Mannschaft getauscht, doch damit verlor die Stammelf den Rhythmus - und letztlich das Viertelfinale gegen Russland in der Verlängerung. Auch deshalb hielt sich die Rotation gegen Nordmazedonien (3:0) trotz der erfolgreichen Achtelfinalqualifikation in Grenzen.

Es geht um alles oder nichts.
Ruud van Nistelrooy

Nun vor dem Duell gegen Tschechien hat van Nistelrooy den mahnenden Zeigefinger in der Pressekonferenz am KNVB-Campus in Zeist erhoben. "Es ist mehr Druck, du kannst keine Fehler mehr ausbügeln", beteuerte der 44-Jährige. Er hätte auch den "Tod-oder-Gladiolen"-Vergleich von Louis van Gaal bemühen können. Nebenbei geht es auch noch um etwas anderes: Ob nämlich der von de Boer eingeschlagene Weg richtig ist.

System steht nicht zur Debatte

Der erst im September vergangenen Jahres berufene Trainer, als Aktiver von der Ajax-Schule geprägt, hat in der Vorrunde in Amsterdam schwierige Tage erlebt. Der Bondscoach schwor dem eigentlich heiligen 4-3-3-System ab, was viele seiner Landsleute, vor allem auch die Experten und Ex-Nationalspieler als Verrat ansehen.

De Boer aber bleibt stur: Da können noch so viele Kleinflugzeuge am Himmel Transparente durch die Luft ziehen - vom 5-3-2 mit den extrem hochstehenden Flügeln wird er nicht mehr lassen. Er findet ja ohnehin, dass es eher eine 3-5-2-Formation ist, weil Rechtsverteidiger Denzel Dumfries und Linksverteidiger Patrick van Aanholt eigentlich wie ein Rechts- und Linksaußen agieren.

Er will partout mehr Flexibilität als zu seiner aktiven Zeit. Vielen nach Ungarn gereisten Niederländern ist die Taktik inzwischen ziemlich egal. Sie haben nur eines im Sinn: Die unbeschwerte Party soll nicht in Budapest mit einem Kater enden.

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