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Deutschlands EM-Aus : Das Ende einer Ära

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Durch das 0:2 gegen England tritt Bundestrainer Joachim Löw mit einer Enttäuschung ab. Der Mannschaft traut er bei der nächsten EM viel zu. Auch er will seine Karriere fortsetzen.

Joachim Löw nach dem Spiel.
Seine Zeit als Bundestrainer ist vorbei: Joachim Löw
Quelle: epa

Als Joachim Löw hinterher die Geschehnisse beim Achtelfinal-Aus analysierte, sprach aus ihm noch ganz der Bundestrainer. Um solch ein enges Spiel zu gewinnen, müsse man "die Chancen eiskalt nutzen und hinten keine Fehler machen", sagte Löw.

Beides war seiner deutschen Nationalmannschaft am Dienstagabend in Wembley allerdings nicht gelungen, weshalb für sie beim Abpfiff um 18:51 Uhr Ortszeit mehr beendet war als ihre Teilnahme an der EM.

Löw spricht von Totenstille in der Kabine

Die 0:2 (0:0)-Niederlage bedeutete auch das Ende der Ära Löw, die 15 Jahre gewährt hatte - und nun im Jubel der Engländer über den Einzug ins Viertelfinale ihren traurigen Ausklang fand. Drei Jahre nach der Blamage bei der WM 2018, als der damalige Titelverteidiger Deutschland bereits nach der Gruppenphase nach Hause gereist war, folgte nun das frühzeitige Aus bei der EM.

"Im Moment ist bei allen Spielern Totenstille. Die Enttäuschung wiegt schwer", berichtete Löw, nachdem er wieder aus der Kabine gekommen war. Er ergänzte: "Es ist eine große Enttäuschung für uns alle."

Wir hatten uns mehr erhofft.
Joachim Löw, Bundestrainer

Joshua Kimmich mit Tränen in den Augen

Der Frust übers Ausscheiden war Löw nach seinem 198. und letzten Spiel als Bundestrainer deutlich anzusehen, auch später noch in der virtuellen Pressekonferenz. Schon kurz nach dem Abpfiff war der Bundestrainer in den Katakomben des Wembley-Stadions verschwunden.

Kommentar: Boris Büchler - Joachim Löw
Kommentar

EM-Aus der DFB-Elf - Löw und sein Sommeralbtraum in Wembley 

Die EM sollte ein würdiger Abschied für Bundestrainer Joachim Löw werden. Daraus wurde nichts, das Aus im Achtelfinale ist die logische Folge einer Abwärtsspirale, die 2016 begann.

von Boris Büchler

Auf dem Rasen standen da noch die deutschen Spieler, darunter Joshua Kimmich mit Tränen in den Augen. Den Titelgewinn hatte der extrem ehrgeizige Bayern-Profi als Ziel ausgegeben.

Manuel Neuer voll des Lobes für Löw

Nun sah der 26-Jährige die feiernden Engländer, die ein weitgehend ausgeglichenes Spiel durch zwei späte Tore von Raheem Sterling (75.) und Harry Kane (86.) gewonnen hatten. Profitiert hatten sie dabei jeweils von der mangelnden Zuordnung in der deutschen Defensive.

"Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte Torwart Manuel Neuer und befand über Löw: "Nach dem Abpfiff habe ich schon Richtung Trainerbank geschaut. Es war schon ein sehr trauriges Gefühl, als ich den Jogi gesehen habe." Dieser sei ein "klasse Mensch" und habe eine "klasse Ära geprägt. Dass das so zu Ende geht, ist schade."

Löw zieht erste persönliche Bilanz

Nach dem Aus begann rasch auch die Debatte, ob Löw nicht doch besser nach der WM 2018 hätte verabschiedet werden sollen und ob man nun auf drei verlorene Jahre zurückblicke. "Das weiß ich nicht", sagte Löw dazu. Zugleich verwies er in seiner ersten Bilanz auf die Entwicklung seit 2006 bis hin zum WM-Titel 2014 und Gewinn des Confed Cups 2017 mit einer jungen Mannschaft.

Die aktuelle EM-Bilanz fiel mit zwei Niederlagen, einem Remis und einem Sieg sowie einer Tordifferenz von 6:7 allerdings alles andere als zufriedenstellend aus. "Wenn du im Achtelfinale rausgehst, ist es enttäuschend", sagte Toni Kroos, das Aus sei "sehr, sehr bitter".

Fehlende Kaltschnäuzigkeit und Abgeklärtheit

Löws früherer Assistent Hansi Flick, in den vergangenen fast zwei Jahren sehr erfolgreich als Cheftrainer des FC Bayern, wird die Nationalmannschaft künftig anleiten. Bei der Heim-EM 2024, prognostizierte Löw, würden viele Spieler wie Kimmich oder Leon Goretzka auf ihrem Zenit sein.

Noch aber habe der Mannschaft "Kaltschnäuzigkeit und Abgeklärtheit" gefehlt, ebenso "Erfahrung und Reife".

Die Mannschaft muss noch ein Stück reifen, um erwachsen zu werden.
Joachim Löw, Bundestrainer

Löws Blick in die Zukunft

Löw wird diesen Prozess aus der Ferne verfolgen, aber nicht aus dem Ruhestand, wie er ankündigte. Eine Pause will der 61-Jährige nun einlegen, und Abstand sei auch erst einmal wichtig.

"Aber mit Sicherheit wird es neue Aufgaben geben, die für mich interessant sind", sagte Löw. Seine DFB-Ära ist zwar zu Ende, seine Karriere aber will er fortsetzen. Vielleicht auch, um sie nicht mit einer Enttäuschung zu beenden.

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26.07.2022
von Marcel Bergmann
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