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Kommentar

EM-Aus der DFB-Elf : Löw und sein Sommeralbtraum in Wembley

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Die EM sollte ein würdiger Abschied für Bundestrainer Joachim Löw werden. Daraus wurde nichts, das Aus im Achtelfinale ist die logische Folge einer Abwärtsspirale, die 2016 begann.

Kommentar: Boris Büchler - Joachim Löw
Boris Büchler kommentiert das Ende der Ära Joachim Löw
Quelle: ZDF/dpa

Schon nach seiner überraschenden Rücktrittserklärung im März 2021 zeichnete sich ab, dass sein letztes Turnier darüber entscheidet, wie man auf die Ära dieses Bundestrainers zurückblicken wird. Im Falle eines frühen Scheiterns würde der letzte Eindruck zählen. Und dieser Fall ist nun eingetreten. Das recht frühe EM-Aus kratzt erheblich am Image des scheidenden Bundestrainers.

Schlechte Vorzeichen in der Vorrunde

In der Gruppenphase haben es Löw und Team verpasst, eine Initialzündung zu erzeugen. Wenn man schon die drei Heimspiele in München nicht nutzt, um nach der jahrelangen Dauerkrise die Fans hinter sich zu bekommen, dann waren dies erste Vorzeichen, dass die Tour durch Europa ein Kurz-Trip werden sollte.

Schon die letzten fünf Jahre der Ära Löw waren - trotz des Confed-Cup-Siegs 2017 - verlorene Jahre. Hinzu kommt ein gescheiterter Umbruch nach der WM 2018 und eine von der Öffentlichkeit geforderte, aber höchst wirkungslose Rückholaktion international gestandener Spieler (Hummels, Müller, Volland).

Top-besetzter Kader

Trotz eines Luxuskaders gespickt mit Weltklassespielern (Neuer, Rüdiger, Kimmich, Kroos, Havertz) und vielen Hochbegabten (Goretzka, Gosens, Sané, Werner, Musiala) bleibt am Ende dieser EM ein unzureichendes Abschneiden.

Joachim Löws Verdienste um den deutschen Fußball sind unbestritten, er wird als Weltmeistertrainer und mit 198 Länderspielen als großer Coach in die Geschichte eingehen. Doch er hätte schon wesentlich früher abtreten sollen.

Löw hat die Zeichen nicht erkannt

Dass er nach dem Triumph in Rio 2014 noch versuchte, auch die EM-Trophäe 2016 zu gewinnen, ist nachvollziehbar. Doch spätestens nach dem Turnier in Frankreich hätte er erkennen müssen, dass ein Umbruch mit einem neuen Trainer dringend erforderlich ist.

Löw, der zu Beginn des Turniers kraftvoll, klar und kämpferisch wirkte, hat sich bei der Personalauswahl (Hummels statt Boateng, Klostermann statt Baku, Sané statt Wirtz etc.), bei der Taktik (3-4-3 statt das jahrelang bewährte 4-2-3-1) und beim sogenannten "In-Game-Coaching" (Einfluss während eines Spiels) verhoben.

Im Tunnel oder stur?

Er stand sich auch wieder einmal selbst im Weg, hat wie 2018 sich irgendwann im Turnier abgekapselt und kaum noch Ratschläge seiner Crew angenommen. Einige sagten, er sei im "Tunnel des Turniers", andere meinten, er sei einfach zu stur. Vielleicht war es eine Mischung aus beidem.

Seine Spieler jedenfalls sind selten bis ans Maximum ihrer Leistungen gekommen, und Löw hat es nicht verstanden, das Optimum aus ihnen herauszukitzeln. Natürlich sind Profis gefordert, die sich selbst motivieren können, doch die letzten Prozentpunkte an Gier, Leidenschaft und Hingabe aus seinem Personal herauszuholen - wie Klopp, Tuchel, Nagelsmann dies können - ist eindeutig auch Aufgabe eines Cheftrainers. Ein deutlicheres Indiz dafür, dass seine Zeit abgelaufen ist, gibt es kaum.

Ein großer Titel ist zu wenig

Joachim Löw war mit seiner menschlichen Art und Gelassenheit stets der Gegenentwurf zu anderen Trainern in dieser mitunter aufgeregten Selbstdarsteller-Branche. Was bleibt, ist aber auch die Erkenntnis, dass er in den 15 Jahren zu wenig aus seinen Mannschaften herausgeholt hat. Ein großer Titel war einfach zu wenig.

Dass es nach 2018 nun schon wieder ein viel zu frühes Turnier-Aus gab, ist sein zweites Eigentor nacheinander. Statt des erhofften Sommermärchens erlebte er bei seiner letzten Mission einen Sommeralbtraum.

Der "ewige" und gläserne "Bundes-Jogi" will jetzt einfach wieder nur der Mensch Joachim Löw sein, sehnt sich nach Ruhe und Normalität. Die Zeit dafür hat er nun.

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