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Resümee der Fußball-EM : Die EM der Gesten und Symbole

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Neben dem hohen Spielniveau waren es vor allem symbolische Gesten, die das Bild der EM 2020 geprägt haben. Ein Resümee zum ersten paneuropäischen Fußballturnier.

29.06.2021, Großbritannien, London: Fußball: EM, England - Deutschland, Finalrunde, Achtelfinale im Wembley Stadion. Deutschlands Leon Goretzka zeigt ein Herz nach der Niederlage.
Sorgte mit seiner Geste gegen Homophobie im Spiel gegen Ungarn für einen bleibenden Eindruck: Leon Goretzka.
Quelle: dpa/christian charisius

Ein mit Fingern geformtes Herz als Jubelgeste gehört zu den prägendsten Bildern dieser Europameisterschaft. Im Adrenalin getränkten Gefühl eines Torerfolgs formt Leon Goretzka dieses Symbol der Liebe, nicht etwa in Richtung seiner Liebsten, sondern für die ungarischen Ultras, die zuvor mehrmals homophobe Parolen skandierten. Eine grandiose Antwort auf das UEFA-Verbot, die Münchner Arena an jenem Abend in Regenbogenfarben zu erleuchten.

Kampagnen der UEFA verkommen zum Feigenblatt

Wieder einmal haben es Fußballfunktionäre versäumt, ihrem Sport die entscheidende Symbolwirkung zu verleihen. Hübsche Kampagnen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Fair Play bleiben ein Feigenblatt, wenn deren Inhalte nicht glaubhaft gelebt werden. Ganz besonders in den Momenten, in denen die ganze Welt gebannt zuschaut. Vor Deutschlands Spiel gegen Ungarn war so ein wertvoller Augenblick.

Der Verweis auf politische Neutralität ist eine aus der Zeit gefallene, unerträgliche Ausrede. Leon Goretzka hat das verstanden. Welch fantastisches Gemeinschaftsgefühl im Fußball entstehen kann, haben die Protagonisten auf dem Platz auch rund um den dramatischen Kollaps von Christian Eriksen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Nicht nur die eigenen Mannschaftkollegen trafen den richtigen Ton, auch die sportlichen Gegner zeigten berührende Anteilnahme. Unvergessen Lukakus Liebesbotschaft in die Kamera und der emotionale Rahmen der Partie Dänemark gegen Belgien in Kopenhagen.

Englische Fans verlassen Pfad der Tugend

Dass ausgerechnet große Teile der früher den Fair-Play-Gedanken intensiv lebenden englischen Fans den Pfad der Tugend verlassen haben, ist eine traurige Erfahrung dieser Symbol-EM. Gegnerische Hymnen mit einem gellenden Pfeifkonzert zu begleiten, ist eine nicht hinzunehmende Respektlosigkeit, gegnerische Spieler durch Laserstrahlen zu irritieren maximal unsportlich.

Unverfrorene Schauspieleinlagen wie die von Ciro Immobile blieben glücklicherweise die Ausnahme. Ebenso die dreiste Sommerschwalbe des jungen dänischen Toptalents Mikkel Damsgaard. Eine Begleiterscheinung des faszinierenden Tempofußballs scheint mir das "Elfer-Ziehen" geworden zu sein. Im häufig personell überbuchten Strafraum den Gegnerkontakt zu suchen, um dann vermeintlich Elfmeter-reif zu fallen, entwickelt sich zur Unsitte.

Ein Foul sollte schon noch deutlich erkennbar sein, um aus elf Metern allein vor dem Torhüter antreten zu dürfen. Schade, dass eine solche Situation das Halbfinale zwischen England und Dänemark entschieden hat.

Großes taktisches Repertoire bei Topteams

Großartig gefallen hat mir das überdurchschnittliche Spielniveau dieser EM-Jubiläumsausgabe. Das dauerhaft enorm hohe Tempo und permanente Offensivbemühungen sind herausragende Merkmale des heutigen internationalen Spitzenfußballs. Kaum eine Mannschaft konzentriert sich, wie früher üblich, ausschließlich aufs Verteidigen. Alle entwickeln Spielideen, angelehnt ans eigene Potenzial und als Reaktion auf Stärken und Schwächen des Gegners.

Auf der Illustration ist ein Fussball in einem Tornetz zu sehen, er ist aus Punkten und Linen zusammengesetzt.

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Bei den Top-Teams ist die Handschrift des jeweiligen Trainers wunderbar zu erkennen. Das taktische Repertoire ist groß, das Spiel von Aktion und Reaktion macht einen Großteil dieser neuen Fußball-Attraktivität aus, in deren Folge wir dramaturgisch grandiose K.o-Spiele erleben durften. Zur ungeschminkten Wahrheit gehört aber auch die Einstufung der deutschen Nationalmannschaft in die Zweitklassigkeit.

Ganz gleich wer am Sonntag den Siegerpokal in den Londoner Nachthimmel recken darf, sportlich war diese EM ein Top-Event. Bedauernswert nur, dass die Macher dieser paneuropäischen Fußball-Veranstaltung nicht annähernd auf dem hohen Niveau der Profis agiert haben. Elf Austragungsorte mit zum Teil aberwitziger Corona-Regel-Auslegung, Kniefall nicht als Symbol gegen Rassismus, sondern vor menschenverachtenden Geldgebern, unpassende Sonderzulassungen für sogenannte "VIPs".

Nie zuvor habe ich die Diskrepanz zwischen machtstrukturellem Business und sportlicher Wertevermittlung eklatanter empfunden als bei dieser EM der Gesten und Symbole.

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von Svenja Bergerhoff
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