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Als der Profifußball scheiterte

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Fußball | Geschichte - Als der Profifußball scheiterte

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Vor 100 Jahren organisierte ein Berliner Trio das erste professionelle Fußballspiel. Das private Projekt scheiterte am Widerstand des DFB.

Die Brüder Ernst und Otto Eidinger (r.) und ihr Schwager Josef Rosenblüth (l.)
Die Brüder Ernst und Otto Eidinger (r.) und ihr Schwager Josef Rosenblüth (l.)
Quelle: ZDF/Sammlung Eggers

Das erste professionelle Fußballspiel in Deutschland begann mit einer Demonstration. "Kein Pfennig den Berufsspielern", hieß es am 21. August 1920 vor dem Lichtenberger Stadion. "Kein Pfennig den Leuten, die aus dem Sport Kapital schlagen wollen." Mit Fußball Geld verdienen? Das empörte viele Fans und Funktionäre.

Andererseits: Der dynamische Aufschwung des Fußballs provozierte die Frage nach dem Professionalismus. Der DFB hatte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges seine Mitgliederzahl auf 750.000 verfünffacht, die besten Spieler verlangten nun, da die Fans in Massen in die Stadien strömten, ihren gerechten finanziellen Anteil. Ein offenes Geheimnis, dass Stars wie der Ungar Alfréd Schaffer hohe Gagen kassierte.

Privatinitiative eines Berliner Trios

Werbung für das erste Profi-Fußballspiel in der Zeitung "Der Rasensport" im Jahre 1920
Werbung für das erste Profi-Fußballspiel in der Zeitung "Der Rasensport" im Jahre 1920
Quelle: ZDF/Sammlung Eggers

Daher hatte der DFB im Juni 1920 auch intensiv diskutiert, einen professionellen Spielbetrieb mit einer Reichsliga zu organisieren - dies aber schließlich abgelehnt. Einerseits sorgte sich die Führungsetage um ihr Image, weil auf dem Kontinent nur Amateurfußball gespielt wurde. Andererseits hätte es auch mit dem (Amateur-)Weltverband FIFA Konflikte gegeben. Das wichtigste Argument gegen das Profitum aber war, dass die DFB-Klubs dann Vergnügungssteuer hätten entrichten müssen.

Dieses Vakuum, das mit der Ablehnung des DFB entstand, wollten nun drei junge Männer aus Berlin mit einer Privatinitiative füllen: Die Brüder Ernst und Otto Eidinger und ihr Schwager Josef Rosenblüth (siehe Info-Kasten unten). Der Motor dieses Trios, der erst 23-Jährige Otto Eidinger, reiste nach Budapest und verpflichtete dort eine Auswahl ungarischer Topstars, untern ihnen waren Torwart Ferenc Plattkó und Mittelfeldstar Jószef Viola.

Boykott des DFB

Eidingers Verbindungsmann ins Fußballmilieu war der Auswahlspieler Erich Amsel, der eine Berliner Auswahlmannschaft rekrutierte. Alle Spieler wurden mit Profi-Verträgen ausgestattet und sollten nach den Auftaktspielen in Berlin auf Europa-Tournee gehen, so Eidingers Plan.

Aber der Boykott des DFB, der um sein Monopol fürchtete und alle beteiligten Spieler und Vereine mit Sperren bedrohte, erwies sich als zu stark. Zur Premiere in Lichtenberg, der Partie des "1. Deutschen Professional-Fußball Club" gegen die Ungarn (1:1) erschienen gerade einmal 4.000 Fans. Drei Wochen später, am 12. September in Plötzensee, kam nur noch die Hälfte.

Einführung des Profifußballs erst halbes Jahrhundert später

Auch antisemitische Ressentiments spielten eine Rolle – nicht nur das Magazin "Der Fußball-Sport" machte den jüdischen Namen Rosenblüth zum Thema. Otto Eidinger, der die Verträge als Privatmann geschlossen hatte, ging danach pleite. Auch das veranlasste den DFB, sich weiterhin dem Amateurfußball zu verschreiben. Bis er 1972 den Profifußball offiziell einführte, verging noch über ein halbes Jahrhundert.

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