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Fußball | Europacup - Kritik an Sonderbehandlung wächst

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Die Debatten um die Privilegien des Profifußballs gewinnen an Schärfe. Vor allem die Europapokalwettbewerbe gefallen einigen Politiker gar nicht.

Hans Dieter Flick (rechts) mit Julian Nagelsmann
Auf unterschiedliche Weise von Corona betroffen: Bayern-Trainer Flick (r.) und der Leipziger Coach Nagelsmann.
Quelle: imago

Julian Nagelsmann hat genug damit zu tun, seine Mannschaft von RB Leipzig auf die Herausforderung gegen den FC Liverpool vorzubereiten. Deshalb wollte der RB-Trainer vor dem nach Budapest verlegten Champions-League-Achtelfinale (21 Uhr) keine Stellung zu dem Zwist beziehen, der zwischen Bayern-Trainer Hansi Flick und SPD-Politiker Karl Lauterbach entbrannte. "Ich enthalte mich der Diskussion", sagte Nagelsmann am Montag.

Längst ist die Debatte auf einigen Ebenen entglitten, nachdem der ehemalige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw seinem Unmut über die aktuelle Corona-Politik Luft machte. Ja, man habe einen Sonderstatus, sagte Flick und riet Politikern wie Lauterbach, sich lieber "mal zusammensetzen und eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann wieder Licht im Tunnel sieht".

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"Heimspielorte" im Europapokal
Quelle: ZDF/UEFA

Corona-Absurditäten in der Champions League

Vielen Menschen sprach Flick aus der Seele, erfuhr in den Sozialen Netzwerken viel Zustimmung, erntete aber auch Widerspruch. Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert forderte eine persönliche Entschuldigung vom Bayern-Coach, dieser würde eine Mitverantwortung tragen, "dass ein Klima des Hasses gesät wird". Starker Tobak.

Es zeigt sich: In Sachen Virusbekämpfung zerfällt die Gesellschaft in zwei Lager. Es gibt allerorten einen tiefen Riss über zielführende Wege, angemessene Regeln und das richtige Vorgehen. Was Flick - und übrigens viele andere Trainer und Manager in der Bundesliga  - mächtig ärgert, ist die Tatsache, dass sich der deutsche Profifußball mit seinen weltweit im Sport nachgeahmten Hygienekonzepten einen lösungsorientierten Weg gesucht hat, den Betrieb unabhängig von allen Inzidenz-Zahlen am Laufen zu halten.

Konfliktpotenzial und Ansteckungsrisiko

Das größte Konfliktpotenzial (und Ansteckungsrisiko) bergen internationale Vergleiche wie Länderspiele und Europapokalspiele. Letztere stellen für die Dachorganisation UEFA und die Klubs, vor allem in der Königsklasse, ein milliardenschweres Geschäft dar, das unter allen Umständen am Laufen gehalten werden soll.

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Wenn aber in Großbritannien die mutierte Virus-Variante wütet, sind Fußball-Reise auf die Insel eigentlich unverantwortlich. So sucht auch der FC Liverpool schon eine Alternative fürs Rückspiel gegen Leipzig.

Noch sind geschäftliche Reisen ausdrücklich erlaubt

Im Vorjahr hatte die UEFA – wegen der wochenlang unterbrochenen nationalen Ligen – ein Turnier mit den besten acht Teams der Königsklasse Ende August in Portugal organisiert, die Europa League wurde in derselben Form "Final-8" in Nordrhein-Westfalen ausgespielt. Das klappte vorzüglich. Die einfach K.-o.-Runde kam gut an. Derzeit ist bei der UEFA nicht zu erkennen, diese Alternative in Betracht zu ziehen. Stattdessen werden reihenweise Spiele in andere Länder verlegt, die noch Ausnahmen für den Profisport erlauben. Wie lange noch?

Für Deutschland gilt: Das Abraten von touristischen Reisen durch die Regierungen von Bund und Ländern ist noch kein grundsätzliches Reiseverbot. Das hat auch der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, am Montag betont:

Es gibt keine Regelung, die in irgendeiner Weise Ausreisen verbietet.
Steve Alter

Wer zum Beispiel geschäftlich auf Reisen gehen muss, kann das weiter tun. Trotzdem reist bei den Fußball-Trips das Ansteckungsrisiko mit.

Andere Sportarten kritisieren inzwischen den Fußball

Bei den Bayern hat sich auf dem Katar-Trip zur Klub-Weltmeisterschaft Thomas Müller mit dem Virus infiziert. Der Umgang danach zeigte, welche Sonderbehandlung der Fußball erfährt: In Deutschland müssen sich in der Regel alle Kontaktpersonen der Gruppe 1, die länger als 15 Minuten engen Kontakt mit dem Infizierten gehabt haben, für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Das für den Profifußball gültige Hygienekonzept will aber sicherstellen, dass genau dies nicht passiert. Die Überprüfung fällt schwer.

In anderen Sportarten sagen Gesundheitsämter nach einzelnen Corona-Fällen durchaus Spiele ab oder schicken komplette Teams in die Isolation. So haben jetzt die Basketball-Bundesliga und die Handball-Bundesliga die Sonderbehandlung des Fußballs beklagt. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz sagte dem SID, die Ämter wurden es sich "vielleicht drei Mal mehr" überlegen, "eine Mannschaft in Quarantäne zu schicken und damit ein Fußball-Bundesligaspiel abzusagen als ein Handball- oder Basketballspiel".

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