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Fußball - Champions League - Budapest - umstrittener Europacup-Schauplatz

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RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach weichen für die Champions-League-Heimspiele gegen den FC Liverpool und Manchester City nach Budapest aus. Was steckt hinter den Verlegungen?

Lothar Matthäus macht aus seiner Vorliebe für Budapest erst gar keinen Hehl. Und so hat Deutschlands Rekordnationalspieler sowohl Markus Krösche als auch Max Eberl, den Sportdirektoren von RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach, auf Anfrage dazu geraten, bei der Suche nach einem Ausweichquartier in die ungarische Hauptstadt umzuziehen, wie er der Zeitung "Nemzeti Spor" erzählte. Der 59-Jährige hat seit längerem seinen Wohnsitz in der Donau-Metropole, die wegen der Corona-Pandemie nun Gastspielstätte gleich mehrerer Klubs wird.

Erst bestreitet RB Leipzig hier sein Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool (Dienstag, 21 Uhr), dann folgt Borussia Mönchengladbach gegen Manchester City (24. Februar/ 21 Uhr). Dazwischen wird auch die Europa-League-Partie Wolfsberger AC gegen Tottenham Hotspurs (18. Februar) in der Puskas-Arena ausgetragen. Diese verlegten Europapokalpartien werden von der Politik heftig kritisiert.

Umzug nach Budapest kostet RB Leipzig 400.000 Euro

In dem schmucken EM-Stadion haben diese Saison bereits zwei Champions-League-Gruppenspiele von Ferencvaros Budapest stattgefunden, das war für die Leipziger ein wichtiges Argument, sich nicht für die anderen von der UEFA angebotenen Ersatzspielorte in Polen, Russland, der Türkei, Griechenland oder Zypern zu entscheiden.

Die Kosten für den Umzug belaufen sich auf rund 400.000 Euro. Zudem berieten sich die Sachsen mit ihren ungarischen Nationalspielern Peter Gulacsi, Willi Orban und Dominik Szoboszlai, die ebenfalls für den Spielort plädierten, an denen ihnen mit Ungarns Nationalmannschaft die Qualifikation für die EM gelungen war.

Deutschland hat wegen der mutierten Coronavirus-Variante strikte Reise- und Quarantänebestimmungen für Menschen erlassen, die aus Großbritannien einreisen. Der Antrag "auf einen Ausnahmetatbestand für Profisportler", wie es im Amtsdeutsch heißt, wurde von den Behörden abgeschmettert. Die UEFA-Regeln verpflichten dann den Heimklub, in dessen Region ein Spiel wegen der Pandemie nicht stattfinden kann, einen Ersatzspielort entweder im eigenen Land oder auf dem neutralen Platz in Europa vorzuschlagen. Ansonsten wird das Spiel am grünen Tisch mit 0:3 gewertet.

Julian Nagelsmann will nicht klagen

Liverpools Trainer Jürgen Klopp meinte im Vorlauf:

Ich denke, es wäre absolut angemessen, eine Ausnahme zu machen.
Jürgen Klopp

"Wir sind wirklich in einer Blase, und wir könnten gegen Leipzig spielen, ohne das Virus zu verbreiten." Auch der englische Meister wird sich für das Rückspiel am 10. März nach einem Ausweichstadion umsehen müssen, weil sonst der Gegner Leipzig nach der sächsischen Corona-Schutz-Verordnung in eine zweiwöchige Quarantäne müsste. Dessen Coach Julian Nagelsmann gibt sich als Pragmatiker zu erkennen: "Besondere Umstände bedürfen besonderer Maßnahmen. Es ist jetzt kein Zeitpunkt, sich zu beklagen."

Ungarn ist Corona-Risikogebiet

Ungarn gilt aktuell als Corona-Risikogebiet. Beim Auswärtigen Amt heißt es: "Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Ungarn wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt." Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 105 (Stand 13. Februar). Leipzig wie Liverpool verweisen auf die regelmäßigen Tests. Doch auch in angeblich dichten Fußball-Blasen besteht ein Restrisiko, wie der Corona-Fall Thomas Müller vom FC Bayern gezeigt hat.

Die ungarische Regierung unter dem rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban rollt Profifußballern in der Pandemie gerne den roten Teppich aus. Im September vergangenen Jahres fand das Supercup-Endspiel zwischen dem FC Bayern und FC Sevilla vor Zuschauern statt, nachdem UEFA-Präsident Aleksander Ceferin diesen Testversuch unbedingt wollte. Dem Slowenen wird ein enger Draht zum ungarischen UEFA-Vizepräsidenten Sandro Csanyi nachgesagt, der als einer der vermögendsten Männer Ungarns den Fußballverband führt und enge Drähte zur Orban-Regierung pflegt.

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Die oppositionelle Tageszeit "Nepszava" übt heftige Kritik an den Experimenten in den europäischen Fußball-Wettbewerben: "In Deutschland macht man keine Ausnahmen, herrscht verantwortliches Denken. Die Ungarn müssen sich mit Propagandaphrasen der Regierung begnügen."

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