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Frauenfußball in Deutschland - Der lange Weg zur Gleichberechtigung

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Erst vor 50 Jahren fiel im DFB das Verbot des Frauenfußballs. Nach mühsamen Anfängen und großen Erfolgen ist in Deutschland aktuell wieder viel zu tun.

Frauenfuflball 1970/1971 am Rande eines Spiels des 1. FC Kaiserslautern
1970 ging es los: Auch der 1. FC Kaiserslautern hatte eine Frauen-Elf.
Quelle: imago

1955 war das Thema Gleichberechtigung beim Deutschen Fußball-Bund noch weit entfernt. "Keine Sportart, die für Damen geeignet ist", hieß es aus beim DFB, der am 30. Juli 1955 den Frauen das Fußballspielen untersagte. Die Begründung:

Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.
DFB 1955

Erst am 31. Oktober 1970 hob der DFB-Bundestag in Travemünde das Verbot wieder auf. Eher widerwillig, weil erste Frauen angedroht hatten, selbst eine Dachorganisation für sich zu gründen. Anfangs zeigte der Verband wenig Interesse an einer bundesweiten Entwicklung des weiblichen Spielbetriebs. Die Anfangsjahre wurden zudem von kübelweise Spott und Häme begleitet.

Frauenfußball-Legende Neid erinnert sich mit Schaudern

Die in diesen Jahren sozialisierte Silvia Neid erinnert sich mit Schaudern. "Ich fand das diskriminierend. Es wurde gelacht, wenn eine Spielerin hinfiel, die vielleicht nicht so gut trainiert war. Und dann diese ständige Fragen nach dem Trikottausch. Das war schon mehr als unpassend", sagt eine der prägenden Figuren der deutschen Nationalmannschaft.

Ihr erstes von 48 Toren in 111 Länderspielen erzielte sie 1982 zur Premiere der DFB-Frauen beim 5:1 gegen die Schweiz.  Zuvor hatte sie sich bei einem Sichtungstraining durchgesetzt. "Der DFB hat damals je 30 Spielerinnen im Norden und im Süden zu einer Sichtung eingeladen – danach gehörte ich zu den besten 18 Fußballerinnen." Weder der Vorwurf der "Mannsweiber" oder "Kampflesben" schreckten bald die Frauen- und Mädchen ab: Mehr als 300.000 Spielerinnen sammelten sich im Verband.

Erweckungserlebnis wird die EM 1989

Bundestrainerin Gero Bisanz und seine Nachfolgerin Tina Theune leisteten für das Frauen-Nationalteam Vorbildliches. Erweckungserlebnis sollte die EM 1989 in Deutschland werden: Das Endspiel an der Bremer Brücke in Osnabrück war ausverkauft, das Fernsehen übertrug live. Danach gab es als Prämie das berühmte Kaffeeservice, was die damalige Spielführerin Neid aber gar nicht so unpassend fand: Immerhin endlich mal ein Präsent als Zeichen der Aufmerksamkeit.

Silvia Neid
Silvia Neid (l.) bei der EM 1989.
Quelle: imago

Neid beschenkte den deutschen Frauenfußball als Spielerin und Trainerin mit zahlreichen Pokalen: an allen acht EM- und zwei WM-Titeln war die 56-Jährige irgendwie beteiligt, die sich mit dem Olympiasieg 2016 verabschiedete. Die Goldschmiedin steuerte die Nationalelf auch durch den Tiefpunkt bei der Heim-WM 2011, worüber sie rückblickend sagt: "Wir warten total überfordert." Zu groß der Druck, zu hoch die Erwartungshaltung. Einen nachhaltigen Nutzen gab es nicht.

WM-Bewerbung 2027 soll Schub bringen

Mittlerweile herrscht bestenfalls Stagnation. Die Nationalmannschaft scheiterte bei der EM 2017 und WM 2019 nach wiederkehrenden Mustern bereits im Viertelfinale. Vor der jüngsten WM in Frankreich traten mit Kapitänin Alexandra Popp, Dzsenifer Marozsan und Melanie Leupolz drei der besten deutschen Fußballerinnen auf. Auszug aus dem Intro: "Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt." Damit war viel über ihren Stellenwert des deutschen Frauenfußballs gesagt.

Die aktuelle Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spürt, dass es innerhalb ihrer Mannschaft rumort: "Ich kann die Ungeduld mancher Spielerinnen nachvollziehen. Es gibt in England oder Frankreich eine andere mediale Präsenz, eine größere Sichtbarkeit." Nun soll die Bewerbung um die Frauen-WM 2027 Rückenwind gibt. Silvia Neid ist auch das Gesicht der Bewerbungskampagne. Sie macht sich aber keine Illusionen: "Die Menschen, die Frauenfußball generell nicht mögen, müssen wir auch nicht mehr überzeugen. Auch wenn sich taktisch und technisch eine Menge entwickelt hat, wird man es nie mit dem Männerfußball vergleichen können. Aber das gilt für alle Sportarten, die beide Geschlechter betreiben."

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