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das aktuelle sportstudio - Ruhin: "FIFA ist viel zu spät wach geworden"

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Den Frauen der afghanischen Fußballnationalmannschaft ist in letzter Minute die Flucht aus Kabul gelungen. Die ehemalige Spielerin Shabnam Ruhin kritisiert die Rolle der FIFA.

Shabnam Ruhin im aktuellen sportstudio
Wegen eines Missbrauchsskandals innerhalb des Verbandes 2018 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten: Shabnam Ruhin.

Einst ein Symbol des Wandels, heute Zielscheibe für die Taliban. Die Spielerinnen der Fußballnationalmannschaft in Afghanistan fürchten um ihr Leben. Seitdem die radikal-islamische Miliz die Macht in Kabul vor mehr als zwei Wochen übernommen hat, leben die Frauen in Angst. Denn dass sie Fußball spielen, ist nach dem Gesetz der Scharia undenkbar.

Die Gründung 2007 war ein Akt des Protests, und die Mannschaft für viele Afghaninnen und Afghanen ein Symbol für den Neubeginn. Die Frauen wurden so zu öffentlichen Figuren, die für Veränderungen eingestanden sind.

Ruhin: "Keine Möglichkeit zu evakuieren"

Mit dem Abzug der internationalen Truppen sei nun jegliche Hoffnung verloren gegangen. "Es gibt keine Möglichkeit, die Menschen zu evakuieren," sagte die ehemalige afghanische Nationalspielerin Shabnam Ruhin im aktuellen sportstudio des ZDF.

Die 30-Jährige debütierte 2011 in der Mannschaft. Ihre Familie floh 1989 nach Deutschland. Wegen eines Missbrauchsskandals innerhalb des Verbandes traten sie und zahlreiche weitere Spielerinnen 2018 zurück.

Hassan Amin, afghanischer Fußball-Nationalspieler mit deutschem Pass, fürchtet angesichts der Entwicklungen in Afghanistan um die Zukunft des Fußballs dort.

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Fußballspielerinnen leben in Angst

Den Kontakt zur Mannschaft hat sie aber nie verloren. Am Telefon erhält Ruhin täglich unter Tränen Hilferufe ihrer Teamkolleginnen. Viele Spielerinnen haben bereits ihre Accounts auf den sozialen Netzwerken gelöscht und ihre Trikots verbrannt.

Um die teilweise noch minderjährigen Mädchen aus dem Land zu retten, hätte Ruhin vom Weltverband FIFA eine "schnelle Reaktion" erwartet. Stattdessen handelte der Verband erst nach medialem Druck. Ruhin kritisiert:

Die FIFA ist viel zu spät wach geworden.
Shabnam Ruhin, Ex-Nationalspielerin

Hilfe dank Spielergewerkschaft

Ein Sprecher der FIFA gab vergangene Woche noch bekannt, die "extrem herausfordernde" Ausreise von Athleten aus Afghanistan zu verhandeln. Doch zu diesem Zeitpunkt waren rund 100 Spielerinnen und ihre Verwandten bereits in Sicherheit.

Dass ihre Rettung gelang, ist vor allem einer Gruppe von ehemaligen Spielerinnen, Betreuern und der internationalen Spielergewerkschaft Fifpro zu verdanken. Sie seien nun "sicher in Australien", sagt Ruhin.

Die letzten US-Soldaten haben Afghanistan verlassen. Jetzt ist das Land vollständig unter der Kontrolle der Taliban. Mit Bildern der letzten verbliebenen Kamerateams zeigen wir, wie sich der Alltag für die Menschen verändert.

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Hunderte warten noch auf Rettung

Noch immer warten Hunderte Athleten und Athletinnen auf ihre Rettung. Die Spielerinnen, denen die Flucht gelang, wurden unter traumatischen Bedingungen evakuiert. Einige wichen auf dem Weg zum Flughafen in Kabul Schüssen aus, wurden an Taliban-Checkpoints geschlagen und hatten tagelang nichts zu essen und trinken.

Auch die schwangere Judoka Lina, wie sie aus Sicherheitsgründen kurz genannt wird, hat die gefährliche Flucht auf sich genommen. Die 28-Jährige hatte in ihrer Heimat Politikwissenschaft studiert und zahlreiche Mädchen in Afghanistan im Judo unterrichtet - damit ist auch die Trainerin ins Fadenkreuz der Taliban geraten.

Sonnenlicht fällt auf eine Frau, die eine Burka trägt am 08.08.2016 in Herat, Afghanistan.
Interview

Frauen in Afghanistan - "Wir befinden uns in einer Schockstarre" 

Für Frauen in Afghanistan hat sich die Situation seit Rückkehr der Taliban verschlechtert. ZDFheute konnte mit einer von ihnen sprechen. Anonym beschreibt sie dramatische Umstände.

Judoka: "Habe Frauen als Kämpfer erzogen"

"Ich habe bis zuletzt gekämpft, ich wollte mein Land nicht verlassen," erzählt die Sportlerin. Lina, selbst im Besitz des schwarzen Gürtels, habe die Frauen ihrer Heimat als Kämpfer erzogen.

Dank der Hilfe des Deutschen Judo-Bundes (DJB) und des Judo-Weltverbandes IJF gelang ihr am 18. August in letzter Minute die Flucht nach Deutschland.

Taliban wollen keinen Frauensport

Ihren Mann musste sie zurücklassen. Nun befindet sie sich im brandenburgischen Erstaufnahmelager in Doberlug-Kirchhain. Lina ernüchtert:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nach Afghanistan zurückkehren werde.
Judoka Lina

Dass Frauen weiter Sport treiben dürfen, geschweige denn an internationalen Wettbewerben teilnehmen, hält sie für ausgeschlossen. In den Augen der Taliban hätten Frauen im Sport keinen Platz.

Hoffnung auf Rückkehr nach Afghanistan

Viel mehr wollen sie die Frauen unterdrücken und sie zum Schweigen bringen. Lina nennt es einen "Albtraum". Die Hoffnung, jemals wieder ihr Land besuchen zu können, hat Fußballerin Shabnam Ruhin dennoch nicht aufgegeben. Aber unter diesen Bedingungen kann sie sich eine Rückkehr nicht vorstellen.

Die ganze Sendung sehen Sie hier:

Dunja Hayali im Gespräch mit der früheren Fußballerin Shabnam Ruhin, dem Ringer Alishah Azimzada und der Judokämpferin Lina über die Situation in Afghanistan.

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39 min
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