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Erinnerungstag des Fußballs - Ex-HSV-Präsident: Als Homosexueller verfolgt

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Der 17. Erinnerungstag im deutschen Fußball erinnert an Menschen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Orientierung verfolgt wurden. Wie der ehemalige HSV-Präsident Emil Martens.

Emil Martens, 1942
Emil Martens im Jahr 1942 während seiner dritten Inhaftierung

Im Jahr 2007 dokumentierte der Hamburger SV als einer der ersten Fußballvereine Deutschlands seine Rolle im NS-Regime. Als Anfang Juni im HSV-Museum die Sonderausstellung "Die Raute unter dem Hakenkreuz" eröffnet wurde, versammelte sich unten auf dem Rasen gerade die Nationalmannschaft zum Training vor einem Länderspiel gegen die Slowakei. Unter ihnen war Thomas Hitzlsperger, bis zu dessen Coming-out als Homosexueller es noch sieben Jahre dauern sollte.

Martens beim HSV: Modernisierer und Macher

Ein Teil der Ausstellung im oberen Stadionteil war dem ehemaligen HSV-Präsidenten Emil Martens gewidmet. Erst wenige Monate zuvor bekannt geworden, dass Martens in der NS-Zeit als Homosexueller verfolgt worden war. Martens war schon fünf Jahre Präsident, als auch der HSV ab 1933 keine Juden mehr aufnahm.

Archiv: Fans des FC St. Pauli demonstrieren gegen Homophobie, aufgenommen am 25.10.2013 in Hamburg

Initiative "!Nie Wieder" -
Bunter Erinnerungstag im deutschen Fußball
 

Der 17. Erinnerungstag im deutschen Fußball erinnert an Menschen, die wegen ihrer geschlechtlichen Orientierung verfolgt wurden. Ein Gespräch über die "!Nie Wieder"-Bewegung.

Vorher war der erfolgreiche Geschäftsmann und Machertyp, der auch einen erheblichen Teil seines privaten Kapitals in den Verein einbrachte, schon Schatzmeister gewesen. An seine Rolle bei der Eröffnung der Trainingsanlage in Norderstedt 1930 erinnert bis heute die Dauerausstellung im HSV-Museum.

Verfechter des Führer-Prinzips

Genauso aber an Martens' Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Partei und sein ausdrückliches Begrüßen der Machtübergabe an die NSDAP. Den Parteieintritt von 1933 hatte Martens nach 1945 damit begründete, dass er als Vereinsführer dazu verpflichtet gewesen wäre. Diese Aussage kann dadurch leicht widerlegt werden, wie Museumsleiter Niko Stövhase gegenüber ZDFsport sagte, "dass der zwischen 1933 und 1945 am längsten amtierende Präsident Karl Mechlen kein Parteimitglied war".

"Schon 1928 haben wir als einziger Verein das Führerprinzip bei uns durchgeführt und uns abgewandt vom System der Vielredner und Besserwisser", sagte Martens 1933 auf der Jahreshauptversammlung des HSV. "Wir haben deshalb jetzt ein leichtes Einordnen in den neuen Staat."

Vom DFB abgesetzt

Emil Martens, 1933
Emil Martens im Jahr 1933.

Kurze Zeit später begann dieser neue Staat ihn selbst auszusortieren. Zunächst in Gestalt des gleichgeschalteten Deutschen Fußball-Bundes, dessen Bundesführer Felix Linnemann den HSV anwies, seinen Vorsitzenden abzusetzen.

Laut der HSV-Chronik "Mit der Raute im Herzen" hatten sich ein enttäuschter Ex-Spieler und ein entlassener Mitarbeiter zusammengetan und dem DFB Unterlagen über die Zahlung schwarzer Gelder an Spieler zugespielt. Zu dem Zeitpunkt stand der HSV noch hinter Martens und ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden.

Inhaftiert und kastriert

Das nächste überlieferte Ereignis ist die Verhaftung von Martens am 29. September 1936. Zehn Wochen später wurde er "Wegen fortgesetzter widernatürlicher Unzucht nach Paragraf 175" zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Nach einer weiteren Haftstrafe von zwanzig Monaten versuchte er, sich in der Alster das Leben zu nehmen und überlebte. Im Mai kam es schließlich zur dritten Verurteilung, in dessen Folge er seiner Kastration zustimmte, die im Nazi-Jargon "freiwillige Entmannung" genannt wurde.

Rückkehr zum HSV nach dem Krieg

Das bewahrte ihn nicht davor, nach Verbüßung der Haftstrafe noch bis zum Januar 1944 in Sicherheitsverwahrung zu bleiben. Nach der Befreiung kehrte er zum HSV in den Kreis der "Alten Herren" zurück. "Sein Wirken wird in der Geschichte des HSV weiterleben", hieß es im Nachruf auf der Titelseite der Vereinsnachrichten nach seinem Tod am 15.Januar 1969.

Im gleichen Jahr wurde durch eine erste Reform des Paragrafen 175 Homosexualität unter Erwachsenen nicht mehr bestraft. Bis die Geschichte von Emil Martens öffentlich erzählt wurde, dauerte es noch fast vierzig weitere Jahre.

Podiumsdiskussion live

  • Queer vadis, Mogontiacum?! – Einblicke ins queere Stadt- und Fußballleben am 27. Januar ab 19:05 Uhr mainzer-erinnerungsarbeit.de bei Youtube
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