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Initiative "!Nie Wieder" - Bunter Erinnerungstag im deutschen Fußball

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Der 17. Erinnerungstag im deutschen Fußball erinnert an Menschen, die wegen ihrer geschlechtlichen Orientierung verfolgt wurden. Ein Gespräch über die "!Nie Wieder"-Bewegung.

Eberhard Schulz
Eberhard Schulz, Sprecher der Initiative Erinnerungstag im deutschen Fußball "!Nie wieder".
Quelle: Joachim Puls

ZDFsport: Eberhard Schulz, wie ist der "Erinnerungstag im deutschen Fußball" entstanden?

Eberhard Schulz: Ich hatte schon länger um den Holocaust-Gedenktag herum an meiner Münchener Schule eine "Woche der Erinnerung" initiiert. Sie wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Evangelischen Versöhnungskirche, auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, abgeschlossen. 2004 las ich ein Interview mit Riccardo Pacifici, dem damaligen Sprecher der Jüdischen Gemeinde in Rom.

Er hatte erreicht, dass am 27. Januar in den Stadien der Serie A und Serie B Spieler und Schiedsrichter mit dem Trikot-Spruch auflaufen: "Per non dimenticare" ("Lasst uns nicht vergessen"). Damit erinnerte der Fußball an die über 8.000 italienischen Holocaustopfer.

ZDFsport: Was löste das bei Ihnen aus?

Schulz: In dem Interview wünschte er sich, dass dieser Impuls als Beispiel für andere Länder dienen solle. Als Fußball- und Demokratieliebhaber, der in den frühen 1970iger Jahren durch persönliche Begegnung mit Zeitzeugen und durch Studienreisen in ehemalige  Konzentrationslager geprägt wurde, verstand ich die Botschaft der Überlebenden, "dass Auschwitz nie wieder sei".

Ich erfuhr, dass das Interview auch bei der 1860-München-Fangruppe "Löwenfans gegen Rechts" diskutiert wurde. Und so entstand aus dem Zusammenwirken zwischen Schule, Versöhnungskirche und Löwen-Fans 2005 der erste "Erinnerungstag im deutschen Fußball".

ZDFsport: Warum soll sich der deutsche Fußball an seine Geschichte erinnern?

Schulz: Vor allem, weil er sehr schnell, schon am 19. April 1933, die jüdischen und kommunistischen Mitglieder aus seiner Familie entfernt, sie nicht geschützt, sondern preisgegeben hat. Insbesondere die jungen Fans haben das als großes Unrecht empfunden. So wie die Ultragruppe der Schickeria, ohne die der ehemalige jüdische FC Bayern-Präsident Kurt Landauer vergessen wäre.

Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Faninitiativen, aber auch Historiker*innen, Journalist*innen für diese Forschungsarbeit zum Fußball im Nationalsozialismus interessiert. Ultra-Gruppierungen in vielen Städten ehren am Erinnerungstag ihre preisgegebenen Vereinsmitglieder mit Bildern und Choreografien in der Kurve, forschen weiter, verlegen Stolpersteine, organisieren Veranstaltungen mit Zeitzeugen.

Screenshot: !Nie Wieder

Nachrichten | Sport - Initiative !Nie wieder 

Initiative Erinnerungstag im deutschen Fußball

ZDFsport: In diesem Jahr ist der Erinnerungstag vor allem den Menschen gewidmet, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Orientierung verfolgt wurden. Wie gehen Sie damit um, dass in den Stadien keine Choreografien und Aktionen der Fans möglich sind?

Schulz: Wir hoffen, dass sich durch die Auftaktveranstaltung heute Abend in Stuttgart (Livestream bei Youtube), die gestreamt wird, viele ansprechen lassen. Mit der DFL und dem DFB haben wir dazu aufgerufen, die kalten, grauen Stadien in den Farben des Regenbogens erstrahlen zu lassen. Er ist das vitale Zeichen für die bunte Vielfalt unserer queeren Freund*innen.

Im letzten Jahr, als es um die Opfer unter den Sinti und Roma ging, haben von 35 von 36 Profivereinen sich an der Kampagne beteiligt. Das zeigt, "!Nie wieder" ist zu einer akzeptierten und starken Demokratiebewegung im Fußball geworden ist. 

ZDFsport: Bayern Münchens Spieler Leon Goretzka hat sich vor kurzem mit der KZ-Überlebenden Margot Friedländer getroffen hat und anschließend getwittert: "Wir alle sind gefordert dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nie wieder vorkommt. Das ist ihre Mission und dafür kämpft sie jeden Tag. Ich habe versprochen, es ihr gleich zu tun." Wie haben Sie das wahrgenommen?

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Schulz: Ich habe das als ein ganz starkes Zeichen wahrgenommen. Eine herzliche Beziehung ist zwischen den beiden entstanden. Die wunderbare Zeitzeugin Margot Friedländer konnte Leon Goretzka gewinnen, dem "!Nie wieder" seine Stimme zu geben.

Die Fragen stellte Ralf Lorenzen.

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