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50 Jahre Elfmeterschießen - "Die Zuschauer standen am Pfosten"

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Am 23. Dezember 1970 gab es im Pokalspiel VfL Wolfsburg gegen Schalke 04 das erste offizielle Elfmeterschießen in einem DFB-Wettbewerb. S04-Torwart Dieter Burdenski erinnert sich.

Archiv, Fußball, DFB Pokal 1. R. VfL Wolfsburg - Schalke 04 2:2 n.V. am 13.12.1970. Im Foto: Schalke Spieler Heinz van Haaren gegen WOB TW Dieter Grünsch per Elfmeter zum 0:2
In der Partie der ersten Runde des DFB-Pokal am 23. Dezember 1970 gab es das erste Elfmeterschießen in einem DFB-Wettbewerb. Nach Verlängerung stand es zwischen dem VfL Wolfsburg und Schalke 04 2:2. Im Foto: Schalkes Spieler Heinz van Haaren trifft gegen Wolfsburg-Keeper Dieter Grünsch zum 2:0.
Quelle: Imago

ZDFsport: Herr Burdenski, welche Erinnerungen haben Sie an den 23. Dezember 1970?

Dieter Burdenski: Wenn man mit neunzehn Jahren aufgrund der Verletzung des Stammtorwarts spielen darf, und dann im allerersten Elfmeterschießen überhaupt zwei Elfer hält, ist das etwas Außergewöhnliches. Auf alten Aufnahmen sieht man noch, dass die Zuschauer sich direkt hinter das Tor und neben die Pfosten gestellt haben. Heute muss man sich wundern, dass das Elfmeterschießen unter diesen Umständen überhaupt durchgeführt wurde.

Vor fünfzig Jahren kam es im Pokalspiel VfL Wolfsburg gegen Schalke 04 zum ersten Elfmeterschießen in einem DFB-Wettbewerb.

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ZDFsport: Haben die Zuschauer Sie irritiert?

Burdenski: Ich war so fokussiert auf die Elfmeter, dass ich das gar nicht wahrgenommen habe.

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ZDFsport: Der VfL Wolfsburg spielte in der Regionalliga, der zweithöchsten Klasse damals. War die Atmosphäre während des Spiels vergleichbar mit den heutigen Pokalkrimis David gegen Goliath?

Burdenski: Es waren andere Zeiten, damals gab es nur eine Tribüne in Wolfsburg, sonst nur Stehplätze. Und das Wetter war eine Katastrohe: Eis, Schnee und ein hart gefrorener Boden. Heute würde das Spiel auf so einem Boden gar nicht angepfiffen werden. Bei solchen Bodenverhältnissen haben die schwächeren Mannschaften immer einen Vorteil.

ZDFsport: Wurden Sie vor dem Spiel auf ein mögliches Elfmeterschießen vorbereitet?

Burdenski: Wir wussten, dass es diese neue Regelung gibt. Daran gedacht habe wir trotzdem nicht, weil wir ja der große Favorit waren.

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ZDFsport: Torhüter haben bei Elfmetern bekanntlich nichts zu verlieren. Haben Sie sich möglicherweise sogar auf das Elfmeterschießen gefreut?

Burdenski: Stimmt, es hat noch niemand gesagt: 'Den Elfmeter hätte der Torwart halten müssen'. Der Schütze hat wesentlich mehr zu verlieren. Von daher war das eine Chance für mich, mich auszuzeichnen und für die Zukunft zu empfehlen. In der Saison habe ich dann auch den Durchbruch geschafft. Wir haben das Pokalhalbfinale gegen Köln erreicht, in dem ich erstmals den Vorzug vor Norbert Nigbur erhielt, obwohl er nicht verletzt war. Das Spiel haben wir dann trotzdem verloren.

ZDFsport: Können Sie sich noch an Ihr Gefühl erinnern, nachdem Sie das Spiel in Wolfsburg entschieden hatten?

Burdenski: Das war ein riesiges Glücksgefühl - das vorgezogene Weihnachtsgeschenk für mich. Der Torwart ist in solchen Momenten der Größte, der von allen gefeiert und in die Kabine getragen wird.

ZDFsport: Träumen Sie hin und wieder noch von den beiden gehaltenen Elfmetern?

Burdenski: Nein, auf der Linie hatte ich meine große Stärke und habe danach noch viele Elfmeter gehalten. Ich stehe auf dem zwölften Platz aller Bundesliga-Torhüter bei gehalten Elfmetern.

ZDFsport: Hatten Sie eine bestimmte Taktik? In die Augen oder auf die Füße gucken? Oder sich schon vorher auf eine Ecke festlegen?

Burdenski: In die Augen habe ich einem Schützen nie geguckt, eher auf die Füße. Aber das meiste passiert aus dem Instinkt heraus und den kann man nicht erlernen. Der damalige Nationaltorwart Sepp Maier war überragend, hat in seiner Karriere aber gefühlt nur zwei Elfmeter gehalten. Viele Torhüter haben über die Vorlieben der bekannten Schützen Buch geführt – das habe ich nie gemacht.

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ZDFsport: Wissen Sie noch, an welcher Stelle Sie in Wolfsburg selbst als Schütze vorgesehen waren, wenn vorher keine Entscheidung gefallen wäre?

Burdenski: Nein, aber im Normalfall finde ich es nicht gut, wenn der Torwart Elfmeter schießt, dafür gibt es zehn Feldspieler. Ich habe als Kapitän von Werder Bremen einmal eine Ausnahme gemacht. Wir steckten im Abstiegskampf und Uwe Reinders hatte schon einen Strafstoß verschossen. Da habe ich Verantwortung übernommen und den nächsten verwandelt. Danach habe ich trotzdem nie wieder einen Elfmeter geschossen.

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