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Das fairste Spiel der Geschichte

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Fußball vor 100 Jahren - Das fairste Spiel der Geschichte

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Bei der 1:4-Niederlage in der Schweiz vor 100 Jahren foulte die deutsche Fußball-Nationalelf nur zwei Mal. Später stellte sich heraus, dass die Fairness verordnet worden war.

Adolf Jäger im Spiel gegen die Schweiz.
Adolf Jäger im Spiel gegen die Schweiz.
Quelle: Sammlung Eggers-

Nur zwei Fouls? Eugen Seybold rieb sich nach dem Fußball-Länderspiel am 27. Juni 1920 in Zürich die Augen. Der Herausgeber des Fachblattes Fußball wollte nicht glauben, wie fair Hans Kalb, Tull Harder & Co. bei der 1:4-Niederlage gegen die Schweiz aufgetreten waren.

Dabei hatten sich Nürnberger und Fürther nur eine Woche zuvor, beim Endspiel um die Meisterschaft, noch derart brutal in die Knochen getreten, dass die Zuschauer unwillkürlich an das Fronterlebnis zurückdenken mussten.

Die Nationalmannschaft war im politischen Auftrag unterwegs

Zwei Fouls - das wird wohl ewiger Rekord in der DFB-Statistik bleiben. Erst später stellte sich heraus, dass die Zurückhaltung von ganz oben angeordnet worden war. "Parole war, nur keinen Anlass zu Klagen für das Publikum zu geben", berichtete der Nürnberger Kalb später. Torwart Heiner Stuhlfauth erzählte von den Mahnungen des DFB-Geschäftsführers Georg Blaschke, wonach die Spieler Noblesse an den Tag zu legen hätten.

Archiv: Georg Blaschke
Georg Blaschke, damals DFB-Geschäftsführer.
Quelle: Sammlung Eggers

Der Grund: Die Nationalmannschaft war im geheimen politischen Auftrag unterwegs. Es ging dem DFB und auch der Reichsregierung nicht um den sportlichen Sieg, sondern um das Aufweichen der Boykottbewegung gegen den Kriegsverlierer Deutschland, den insbesondere Frankreich und Belgien im Weltverband FIFA zu organisieren versuchten.

Ein Fußballspiel um die Anerkennung des Gegners

Blaschke und der stellvertretende DFB-Vorsitzende Felix Linnemann hatten die Mission konspirativ verhandelt. "Die Wichtigkeit des internationalen Sportverkehrs für die allgemeinen Beziehungen der Staaten ist bekannt", hatte Linnemann an das Referat K der Reichsregierung geschrieben, das daraufhin 14.000 Reichsmark in Franken auszahlte.

Archiv: Felix Linnemann
Felix Linnemann, damals stellvertretender DFB-Vorsitzende.
Quelle: Sammlung Eggers

Dass nach der Niederlage die Fachpresse von einer Sensation sprach - "Erstaunen. Enttäuschung, Zweifel überall", titelte das Blatt Turnen, Spiel und Sport - irritierte die DFB-Funktionäre wenig. Es sei nicht um die Überlegenheit des deutschen Spiels gegangen, berichteten sie der Regierung, sondern "durch vornehmstes und fairstes Spiel sich auch die Anerkennung des Gegners zu sichern".

Der Schiedsrichter lobte die Spieler

Durch die Partie sei es gelungen, ergänzten sie, "viel Misstrauen in Anerkennung und Wohlwollen zu wandeln". Dem anwesenden deutschen Botschafter Rheinbold erklärte Blaschke, seine Order hätte sich, wie einige Spieler erklärten, "auf ihr Spiel hemmend ausgewirkt". Der ungarische Schiedsrichter Balint erklärte beim abschließenden Bankett, er habe in seiner Karriere noch nie eine solch auffallend faire Mannschaft spielen sehen.

Das Spiel in Zürich war für den DFB deshalb so heikel, weil er nach außen stets das Prinzip eines unpolitischen Verbandes vertrat - ganz im Gegenteil zum Arbeitersport, der den Sport als politisches Mittel begriff. Das Spiel auf dem Utogrund, in dem Adolf Jäger (Altona 93) das Ehrentor erzielt hatte, entlarvte freilich die DFB-Führung.

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