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Fußball | Nationalmannschaft - Kai Havertz - endlich auf der Überholspur

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Als Toptalent des deutschen Fußballs gilt Kai Havertz bereits seit längerem. Aber erst jetzt festigt der 21-Jährige in der Nationalmannschaft seinen Stammplatz.

Kai Havertz
Kai Havertz im Spiel der DFB-Elf gegen Rumänien.
Quelle: dpa

Sein Konterfei ziert die Titelseite des neuesten Länderspiel-Magazins: Kai Havertz taucht aktuell auf der ersten Seite des in Pandemiezeiten nur auf digitalem Wege vertriebenen Begleithefts auf, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zum WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien (Mittwoch, 20:45 Uhr) als E-Paper veröffentlicht hat.

Dass der Blick des deutschen Nationalspielers gedankenverloren in die Ferne schweift, passt allerdings nicht ganz: Selten war Havertz einem Stammplatz so nahe wie im Frühjahr 2021. Gegen den FIFA-Weltranglisten-65. winkt ihm in Duisburg der dritte Startelfeinsatz hintereinander.

Havertz im DFB-Team angekommen

Zuletzt lobte Bundestrainer Joachim Löw ausdrücklich das Wechselspiel zwischen Vollstrecker Serge Gnabry und Vorlagengeber Havertz, die gegen Rumänien (1:0) in einer Koproduktion das Siegtor inszenierten. Zuvor gegen Island (3:0) war der 21-Jährige selbst unter die Torschützen gegangen.

In der Diskussion, ob Toni Kroos in den EM-Kader gehört oder nicht, stärkt ZDF-Fußballexperte Per Mertesacker seinem früheren Mitspieler den Rücken.

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Hinter dem schon länger als das Toptalent des deutschen Fußballs gehandelten Havertz liegt keine einfache Zeit. "Es ist eine schwere Saison. Ich weiß, dass nicht alles glatt läuft", sagte der zwölffache Nationalspieler in Bukarest mit durchaus ernstem Blick.

Zurückgeworfen durch Corona-Infektion

Der sich lange hinziehende Wechsel zum FC Chelsea, die hohe Erwartungshaltung ob der fast 100 Millionen Euro Ablöse, die Restriktionen durch die Corona-Krise, dazu die Turbulenzen an der Stamford Bridge durch die Entlassung von Vereinslegende Frank Lampard nebst der Inthronisierung von Thomas Tuchel - und nicht zuletzt der unerbittliche Terminplan eines englischen Spitzenklubs: All das zehrte an Havertz, der sich zu allem Überfluss im Herbst vergangenen Jahres noch eine Corona-Infektion einfing, über die er danach sagte:

Wichtig ist, dass alle verstehen, dass es kein Spaß ist.
Kai Havertz über seine Corona-Infektion


Trotzdem nannte die britische Presse den teuren Neuzugang bald wahlweise "Fremdkörper“ oder "Sorgenkind". Vor allem fehlendes Durchsetzungsvermögen - tatsächlich ein Punkt, an dem der gebürtige Aachener noch arbeiten sollte - wurde ihm im rauen Alltag immer wieder zum Vorwurf gemacht.

"Du brauchst ein halbes Jahr, um dich zu akklimatisieren. Ich bin aber für die nächsten Wochen positiv", erklärte Havertz am Sonntag. Er habe sich längst angewöhnt, nicht zu viel in den Rückspiegel zu schauen.

Viel Lob von Tuchel und Löw

Aller Voraussicht nach liegt das Beste ja auch noch vor dem Edeltechniker, der wie kaum ein anderer das Gespür für Raum und Zeit in der Offensive hat. Tuchel erkennt bei Havertz "grenzenloses Talent" und lobt:

Er ist ein einzigartiger Spieler, irgendetwas zwischen einem Neuner und Zehner.
Thomas Tuchel über Kai Havertz

Zu einem ähnlichen Urteil wie der Chelsea-Coach kommt auch der Bundestrainer: "Kai Havertz hat große Qualitäten, im technischen Bereich und Torabschluss", so Löw.

Liechtenstein's Sandro Wolfinger (L) versus Germany's Robin Gosens during the FIFA World Cup Qatar 2022 qualifying Group J soccer match between Liechtenstein and Germany, at the kybunpark Stadium, in St. Gallen, Switzerland, 02 September 2021.

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Havertz spielt im DFB-Dress wie Müller beim FC Bayern


Solch einen Spielertypen kann Löw in einem Dreier-Sturm mit sehr flexibler Ausrichtung gut brauchen, denn Positionen und Laufwege sollen keinen festen Mustern folgen, sondern sich Situation und Gegner anpassen - Löw spricht von einer Offensive, "die verschiedene Ebenen herstellt".

Dafür braucht es Instinktfußballer wie Havertz. Der Jungstar interpretierte seinen Part nun zweimal von der rechten Angriffsseite fast ähnlich wie Thomas Müller beim FC Bayern: immer wieder fallen lassen, häufiger ins Zentrum ziehen.

Da stellt sich die Frage, ob eine Rückholaktion ungeachtet der unbestrittenen Qualitäten Müllers nicht eine wichtige Erfahrung blockieren würde: nämlich den EM-Ernstfall für einen der wenigen deutschen Topspieler aus den Jahrgängen 1997/98/99. Vermutlich wird Löw diesen Aspekt in seinen Überlegungen für die EM einfließen lassen. Es liegt an Havertz, jetzt noch Argumente nachzureichen, die Müllers Rückkehr nicht zwingend nötig machen. Aber nicht umsonst sagte Havertz selbst: "Jetzt ist es Zeit abzuliefern."

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