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Fußball I DFB - Nationalspieler an der Belastungsgrenze

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Bundestrainer Joachim Löw verzichtet beim Länderspiel der DFB-Auswahl gegen die Türkei auf acht Stammspieler. Individuelle Belastungssteuerung löst aber nicht das Kardinalproblem.

Fußball EM-Qualifikation Deutschland - Nordirland am 19.11.2019: Kroos, Goretzka, Kimmich
Sie werden gegen die Türkei geschont: Toni Kroos, Leon Goretzka und Joshua Kimmich.
Quelle: imago

An der Berufsauffassung von Joshua Kimmich gibt es keine Zweifel. Der Profi des FC Bayern gilt als zielstrebig, erfolgshungrig und extrem ehrgeizig, dieses Bild hat eine zweiteilige ZDF-Reportage erst in diesem Sommer wieder bestätigt. An der diesjährigen Titelsammlung des FC Bayern hat der Alleskönner großen Anteil. Sein Kraftakt im Supercup gegen Borussia Dortmund (3:2) hat den Münchnern gerade erst die fünfte Trophäe des Sommers beschert.

Aber ein Perpetuum mobile ist der Dampfmacher und Ballverteiler eben auch nicht: Kimmich ging am Sonntag im Bundesligaspiel gegen Hertha BSC (4:3) nach 65 Minuten vom Feld - und wird am Montag auch nicht beim Treffpunkt der deutschen Nationalmannschaft in Köln erwartet. Kimmich ist nicht der Einzige, der für das Freundschaftsspiel der DFB-Auswahl gegen die Türkei in Köln (Mittwoch 20:45 Uhr) geschont wird.

Acht Stars werden gegen die Türkei geschont

Insgesamt stoßen acht Stars, dazu Kimmichs Klubkollegen Manuel Neuer, Niklas Süle, Leon Goretzka und Serge Gnabry, dazu Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg (RB Leipzig) sowie Toni Kroos (Real Madrid) erst am Dienstagabend zum DFB-Team. Dieses Oktett ist ausschließlich für die Nations-League-Spiele in der Ukraine (10. Oktober) und gegen die Schweiz (13. Oktober) vorgesehen.

Bundestrainer Joachim Löw plant nach eigener Aussage "im Grunde mit zwei unterschiedlichen Aufgeboten". Solch eine drastische Form, die Aufgaben bei Länderspielterminen zu verteilen, hat er noch nie gewählt. Doch bei dem zusammengepferchten Terminplan in Corona-Zeiten und drei Länderspielen binnen sieben Tagen sieht Löw keine andere Wahl:

Das ist schon anspruchsvoll und erinnert mich an ein Turnier. Mit Blick auf die individuelle Belastungssteuerung der Spieler ist das eine Herausforderung.
Joachim Löw, Bundestrainer

Müdigkeit beginnt für Leon Goretzka im Kopf

Der 60-Jährige sieht sich persönlich in der Verantwortung, seine Topspieler nicht zu verheizen, auch wenn die Müdigkeit immer im Kopf anfange, wie gerade Goretzka sagte: "Wir sind Leistungssportler und dafür auch gemacht, das abzurufen. Aber natürlich ist die Belastung extrem hoch, keine Frage." Selbst dem Kraftprotz dürfte die kurze Erholungspause für das Testspiel gegen die Türkei guttun, aber sie löst nicht das Kardinalproblem.

Die Topspieler des FC Bayern sind die Leidtragenden der grenzwertigen Terminhatz: Einer wie Kimmich könnte inklusive der Europameisterschaft 2021 in weniger als zwölf Monaten auf mehr als 70 Pflichtspiele kommen. Löw schlug deswegen bereits im September Alarm: "Der Terminkalender ist wahnsinnig voll. Ich habe immer gesagt, die Gesundheit der Spieler steht über allem. Das ist über die Jahre so nicht zu verkraften."

Sportlich müsse die Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im nächsten Sommer an ihrem Leistungszenit sein. "Da müssen wir topfit sein - mental und physisch." Das scheint bei diesem Programm kaum zu schaffen.

Warnungen der weltweiten Spielergewerkschaft ignoriert

In ihrem Report "Am Limit" hielt die Spielergewerkschaft FIFPro schon vor einem Jahr fest: "Der internationale Match-Kalender ist dichter geworden. Gleichzeitig ist das Spiel schneller, physischer und globaler als jemals zuvor."

Bemängelt wurde vor allem die Terminhatz der Topspieler: "Während ein paar Hundert Spitzenspieler überladen werden mit Wettbewerben, bieten sich Tausenden ihrer Kollegen zu wenig Möglichkeiten, um sich darüber eine nachhaltige Karriere aufbauen zu können."

Gefordert wurde eine vierwöchige Sommer- und zweiwöchige Winterpause. Infolge der Pandemie ist genau das Gegenteil passiert: Die Spielkalender wurden weiter verdichtet, um alle Formate unterzubringen. Weder FIFA noch UEFA - und auch nicht DFB und DFL - waren bereit, auch nur auf einen Wettbewerb zu verzichten oder Formate zu verkürzen.

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