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Nachwuchs in Profiklubs - Nur wenige Talente kommen durch

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Die Coronakrise als Chance für den deutschen Nachwuchs? Nach vier Bundesliga-Spieltagen geht die Prognose nur selten auf: Bei Ausnahmetalenten und Klubs mit großem Sparzwang.

Manuel Mbom (Werder Bremen)
Manuel Mbom (Werder Bremen) zählt zur überschaubaren Anzahl an deutschen Talenten, die den Sprung in den Profibereich meistern.
Quelle: dpa

Daniel Vollbrecht ließ einen Eisbecher nach dem anderen auffahren. Der damalige Jugendwart des Bovender SV wollte den 12j-ährigen Manuel Mbom und seine Mutter überzeugen, nicht zum größeren JFV Göttingen zu wechseln.

Frühe Zielstrebigkeit

"Manuel sagte während des Gesprächs so gut wie gar nichts“, erinnerte sich Vollbrecht vor drei Jahren. "Als wir abschließend fragten, wie er den netten Nachmittag in seiner Lieblingseisdiele fand, reagierte er höflich und bestimmt."

Vielen Dank für das Eis und Eure Mühe. Aber da ich Fußballprofi werden möchte, muss ich den Verein wechseln.
Daniel Vollbrecht (Bovender SV) zitiert Nachwuchstalent Manuel Mbom.

Acht Jahre später gehört Mbom, der als bislang einziger 13-Jährger im Internat von Werder Bremen aufgenommen wurde, zu den wenigen Spielern der Millenniums-Generation, die den Sprung in die Bundesliga geschafft haben. Nach einem Leihjahr bei Bayer Uerdingen ist er nach vier Spielen zur festen Größe im Werder-Team geworden. Ähnlich wie die ebenfalls 20-jährigen Kilian Ludewig (Schalke 04) und Jonathan Burkhardt (Mainz 05)

Zahlen sprechen nicht für größere Chancen

Trotz dieser Beispiele scheint sich die vielfach gehörte Prognose, dass der Corona-bedingte Sparzwang die Chancen für den Nachwuchs erhöhen würde, nicht überall zu bewahrheiten. Kamen in der Saison 2019/2020 nach Berechnungen von zdfsport.de am ersten Spieltag nach Transferschluss noch 31 Spieler bis zum Alter von 21 Jahren zum Einsatz, waren es am vergangenen Samstag 29 Spieler. Beschränkt man die Zählung auf deutsche Spieler lautet der Vergleich 11:7.

Das Fußball-Transfer-Fenster ist dicht. Unterm Strich kann man sagen: Die richtig spektakulären Transfers blieben aus, das Geld sitzt in der Bundesliga nicht mehr so locker.

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Insgesamt führen die Bundesligisten in dieser Saison 152 Spieler bis zu 21 Jahren in ihren Kadern, im Vorjahr waren es 147. Noch nie brachten die 56 deutschen Leistungszentren so viele Talente an die Schwelle der ersten Liga. Die müssen sich dort aber nicht nur gegen die etablierten Kräfte durchsetzen, sondern auch gegen zahlreiche bestens ausgebildete junge Leihspieler aus anderen europäischen Topligen. Im Gegenzug spielen allein 35 deutsche Profis in der niederländischen Eredivisie.

Die Tücken des Übergangs

"Ob jemand den Sprung in den Profibereich schafft, hängt von sehr vielen Faktoren ab", sagt Thomas Schaaf, der als technischer Direktor bei Werder Bremen für die Verzahnung von Ausbildungs- und Profibereich zuständig ist, zu zdfsport.de.

Die Suche nach optimaler Entwicklung hört nicht auf, wenn die Spieler aus dem Nachwuchsbereich heraus sind.
Thomas Schaaf (Werder Bremen)

"Bei einem Verein ist vielleicht grad ein Fenster offen, beim anderen nicht. Wir überlegen immer mit dem Spieler und seinem Umfeld, wo der nächste Entwicklungsschritt am besten vollzogen wird." An dem Jahr von Manuel Mbom in Uerdingen könne man sehen, wie wichtig regelmäßige Spielpraxis sei, um sich zu finden und zu festigen.

Einkäufe vor die Nase gesetzt

Bayern München-Profi Fiete Arp, der vor drei Jahren vor Mbom zum besten U17-Spieler in Deutschland gewählt wurde, hat voraussichtlich eine weitere Saison in der Dritten Liga vor sich. Beim Sprung in die erste Mannschaft muss sich der Ex-HSVler nicht nur gegen starke gleichaltrige Konkurrenz durchsetzen. Am letzten Tag des Transfermarktes verpflichtete Bayern München auch noch die erfahrenen Stürmer Douglas Costa und Eric Choupo-Moting.

Talentförderung scheint also da am besten möglich, wo das Geld für teure Einkäufe fehlt.

Die Transfers der Fußball-Bundesliga

Davy Klaassen, Milot Rashica

Fußball | Transfermarkt -
Kleines Geschäft am Deadline-Day
 

Am letzten Tag des Transfermarktes wechselten noch zahlreiche Spieler den Verein. Neben zwei größeren Einkäufen und zwei geplatzen Deals dominierten weiterhin Leihgeschäfte.

von Ralf Lorenzen
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