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Olympia 2020 - Fußball - Halbherzige DFB-Mission beendet

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Das 1:1 gegen die Elfenbeinküste reicht für das deutsche Olympia-Team nicht zum Weiterkommen. Die Hürden, die die Bundesliga-Klubs ihm in den Weg gestellt haben, waren zu hoch.

Deutschlands Benjamin Henrichs (l.) und Felix Uduokhai nach dem Spiel
Deutschlands Benjamin Henrichs (l.) und Felix Uduokhai sind nach dem Olympia-Aus enttäuscht.
Quelle: DPA

Der eine oder andere Bundesliga-Manager hat heute Mittag möglicherwiese aufgeatmet, dass der deutschen  Olympia-Auswahl im letzten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste der Siegtreffer nicht mehr gelang.

Kapitän Maximilian Arnold hatte im Vorfeld erzählt, dass ihm Trainer und Manager in Wolfsburg mit auf den Weg gegeben hätten, "dass ich am besten nach der Vorrunde zurückkommen soll". Arnold hatte dabei zwar geschmunzelt, aber dennoch zum Ausdruck gebracht, dass das Team ohne Rückenwind aus der Liga nach Tokio gefahren ist.

Die Zusammenfassung des Spiels Deutschland gegen die Elfenbeinküste.

Beitragslänge:
8 min
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Nach desolatem Beginn ins  Turnier gekämpft

Der verschworene Haufen, den Arnold als Kapitän nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder aufs Feld führte, tat alles, um die Trainer und Manager zu Hause zu enttäuschen. Nachdem sie gegen Brasilien desolat ins Turnier gestartet waren, hatten sie die einkalkulierte Auftaktniederlage gegen den Titelverteidiger durch einen Kraftakt in der zweiten Halbzeit mit 2:4 immerhin noch erträglich gestaltet.

Beim 3:2 gegen Saudi-Arabien kämpften sie sich ins Turnier und zeigten in der ersten halben Stunde gegen die Elfenbeinküste dann auch spielerisch eine überzeugende Leistung – ohne sie mit einem Treffer zu veredeln.

Als die Ivorer zunehmend ihre Verschleppungstaktik und individuelle Klasse zur Geltung brachten und glücklich mit 1:0 in Führung gingen, kamen sie durch einen Freistoß des eingewechselten Eduard Löwen nochmal zurück und hätten am Ende nur noch einen Treffer zum Weiterkommen gebraucht.

Olympia-Fußballer: Mit Rumpfkader nach Japan

Wäre der gefallen, hätte er den grundsätzlichen Makel, mit dem der Olympiaauftritt des deutschen Fußballs behaftet war, möglicherweise verdeckt. Trainer Stefan Kuntz musste aufgrund der mangelnden Unterstützung durch die Liga nicht nur qualitativ auf etliche Wunschspieler verzichten, sondern konnte nicht mal alle möglichen Kaderplätze besetzen. Rechtzeitig vor dem Turnier hatte er eine Liste von 100 Kandidaten vorgelegt, am Ende blieben gerade mal 18 Spieler für die 22 Plätze übrig.

Im In- und Ausland hagelte es Schlagzeilen wie "Blamage"  und "Armutszeugnis" und auch Kuntz konnte seinen Frust nicht ganz verbergen: "Bei dem ein oder anderen großen Verein kriegst du nicht mal den dritten Torhüter mit", sagte er. "Da muss ich meine Emotionen auch noch ein bisschen zügeln."

Große Kampfkraft - Fehlende Variabilität

Die Mannschaft baute sich damit auf, dass in der kleinen Gruppe "die Bindung umso enger" sei (David Raum) und entwickelte die für Kuntz-Teams typische Kampfstärke. Die Spieler bekannten sich zu dem Turnier, obwohl zu Hause bereits um die Kaderplätze und in der zweiten Liga auch schon um Punkte gekämpft wird.

Sie haben mit viel Mut, Mentalität und Einstellung auch das letzte Körnchen gegeben.
Stefan Kuntz, Bundestrainer

Das Resumee nach dem Ausscheiden klang aus dem Mund von Stefan Kuntz so ernüchternd wie entlarvend: "Unsere Möglichkeiten waren, gerade was die Variabilität betrifft, natürlich eingeschränkt."

DFB muss sich entscheiden

Während die Elfenbeinküste am Mittwoch beispielsweise in der zweiten Hälfte mit Manchester United-Stürmer Amad Diallo nachlegen konnte, musste Stefan Kuntz in der Schlussphase Abwehrspieler Kevin Schlotterbeck mangels Alternativen für den Sturm einwechseln. Für die mögliche fünfte Auswechslung standen nur noch die Ersatztorhüter zur Verfügung.

Auch wenn der Frust etwas dadurch gemindert wird, dass die erhoffte olympische Stimmung selten aufkam, wird die Halbherzigkeit, mit der die Mannschaft unterstützt wurde, weitere Debatten auslösen.

Entweder DFB und DFL ringen sich zu dem Entschluss durch, künftig das best-mögliche Team zu den Olympischen Spielen zu schicken – und verankern eine Abstellungspflicht für die Klubs wie in anderen Ländern.  Oder sie sollten überlegen, ob es dem olympischen Gedanken nicht mehr dient, die spärlichen Plätze im olympischen Fußballturnier den Verbänden zu überlassen, die eine Teilnahme wirklich zu schätzen wissen.

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