Fußball: Béla Réthy würdigt Brasiliens Idol Pelé

    Ein Nachruf von Béla Réthy:Margarita mit "König" Pelé

    Der deutsche Sportkommentator Béla Réthy vor dem Spiel
    von Béla Réthy
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    Für den ehemaligen ZDF-Kommentator Béla Réthy war Brasiliens Idol Pelé der "vielleicht größte Fußballer aller Zeiten". Eine ganz persönliche Würdigung.

    Der legendäre brasilianische Fußballspieler Pele
    Für viele der größte Fußballer aller Zeiten: Pelé.
    Quelle: Reuters

    Pelé kannte ich schon als Sechsjähriger. Jeder kannte irgendwie Pelé. Für in Brasilien aufgewachsene Kinder wie mich war er allgegenwärtig - ob in seinem blütenweißen Dress des FC Santos oder im gelben Trikot der Nationalmannschaft.
    Er schien immer zu lächeln. Und dieses Lächeln galt allen, seinem ganzen Volk.

    Pelé an der Hotelbar begegnet

    Persönlich durfte ich ihm 1986 bei der Fußball-WM in Mexiko begegnen. Ich war bereits seit zwei Wochen in einem Hotel in Guadalajara für die Vorberichterstattung. Irgendwann reiste eine größere Gruppe brasilianischer Medienleute an.
    Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als "Pelé", war weltweit ein Fußball-Idol. Der Film ist eine Hommage an einen der besten Fußballer der Geschichte.30.12.2022 | 14:37 min
    Eines späten Abends - ich hatte bereits meine Stammecke bei der Livemusik in der Hotelbar gefunden - tippt mir ein Mann auf die Schulter und spricht mich mit tiefer Stimme auf Englisch an. "Hello my friend." Hinter mir stand der vielleicht größte Fußballer aller Zeiten.
    Man hatte ihm in der Bar gesagt, dass dieser Platz besetzt sei. Hier säße immer dieser junge deutsche Journalist. Pelé wurde meinetwegen der Sitzplatz verweigert!



    Plausch mit dem König

    Wir setzten unsere Unterhaltung zu seiner Überraschung auf Portugiesisch fort und haben an diesem Abend viel miteinander gelacht. Er verzieh mir auch, dass mein brasilianischer Lieblingsklub nicht der FC Santos, sondern der große Konkurrent Palmeiras war.
    Pele als Spieler beim FC Santos
    Pelé als Spieler beim FC Santos.
    Quelle: imago

    Wir sprachen über seine drei WM-Titel, über die Zeit bei Cosmos in New York, gemeinsam mit seinem alten Freund Franz Beckenbauer, und über seine Kindheit. Entgegen aller Klischees, die man bei brasilianischen Spielern zu häufig anwendet, kam Pelé nicht von der Copacabana. Er erblickte das Licht der Welt in einem Ort namens Tres Coracoes, 300 Kilometer südwestlich von Belo Horizonte, im Landesinneren.

    Trost für den Vater

    Pelés Vater war ebenfalls Fußballer. Er hieß Dondinho. Und war untröstlich, als Brasilien 1950 den WM-Titel Uruguay überlassen musste. Der kleine Edson, der noch nicht Pelé genannt wurde, war damals neun Jahre alt.
    Er versprach seinem weinenden Papa, dass er selbst Weltmeister werden würde. 1958 war es dann so weit. Mit 17 Jahren, bis heute der jüngste aller Zeiten.
    Pele bei der Fußball-WM 1958
    Pele bei der Fußball-WM 1958 in Schweden.
    Quelle: ZDF

    Pelé und ich trafen uns 1990 in Italien zufällig wieder. Im Stadio delle Alpi in Turin ging die Reporter- und Expertengruppe des TV-Senders Globo in Richtung der Kommentatorenplätze. Vorne dran Pelé. Es herrschte große Aufregung, selbst unter Journalisten. Guckt mal, guckt mal, da ist "O Rei" (der König), da ist Pelé!

    Drei Herzen

    Als er mich sah, kam er laut lachend auf mich zu und nahm mich in den Arm. "Mensch, mein Freund! Wann trinken wir wieder gemeinsam eine Margarita? Gibt es sowas auch in Italien?"
    Ach Pelé! Er war immer davon überzeugt, schon aufgrund seiner positiven Lebenseinstellung sehr alt zu werden. Und auch weil die Übersetzung seiner Heimatstadt Tres Coracoes drei Herzen bedeutet. Wenn eins kaputt geht, sagte er scherzend, habe ich noch zwei weitere.

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