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Investoren mischen Fußball auf - Geldregen überschwemmt Premier League

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Erst ein saudi-arabischer Staatsfonds bei Newcastle United, nun ein tschechischer Milliardär bei West Ham - so langsam wird der Premier League ihr eigener Geldsegen unheimlich.

Fan von Newcastle United
Viele Fans von Newcastle United freuen sich auf eine glorreiche Zukunft ihres Klubs - dank frischer Scheich-Millionen.
Quelle: imago

Während sich die deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Kartellamt darüber uneins ist, ob Ausnahmen von der hier geltenden 50 plus 1-Regel den Wettbewerb verzerren, knallen in der englischen Premier League immer öfter die Sektkorken. Nämlich immer dann, wenn wieder ein Klub einen milliardenschweren Investor an Land ziehen konnte - mit fatalen Folgen für den internationalen Wettbewerb.

Limitierte Bundesliga

"Die Bundesliga ist durch die 50plus1-Regel limitiert", sagt Florian Follert, Sportökonom an der Privatuniversität Schloss Seeburg gegenüber ZDFheute.

Wenn ein Verein die Mehrheit an einer Kapitalgesellschaft hält, kann der bei einer Krise wie Covid-19 nicht einfach eine Kapitalspritze zuschießen. Das schlägt sich dann auch in den Ergebnissen der internationalen Wettbewerbe nieder.
Florian Follert, Sportökonom

Follert gehört zu einem Autorenteam, das über einen Zeitraum von sechs Jahren die Wirkungen von Fußball-Investments auf die Transferausgaben der englischen Profiklubs untersucht hat.

Höhere Zahlungsbereitschaft der Investoren

"In der Premier League haben die Investoren einen Einfluss auf die Transferausgaben, das betrifft besonders internationale Investoren", lautet eines der Ergebnisse. "Es ist mehr Geld im System, das in Spieler investiert werden kann, die Zahlungsbereitschaft der internationalen Kapitalgeber ist tendenziell höher, so dass der Preis steigt."

Ein Konsortium aus Saudi-Arabien hat den Premier-League-Klub Newcastle United für 360 Millionen gekauft. Vielen United-Fans gefällt das. Sie hoffen eine glänzende Zukunft.

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Preise, die Klubs ohne reichen Investor immer seltener bezahlen können. Als der staatliche saudi-arabische Vermögensfonds PIF mit 300 Millionen Pfund 80 Prozent der Anteile des Tabellenvorletzten Newcaste United erwarb, wurde der Klub laut Guardian sofort als reichster Klub der Welt eingestuft. "Kylian Mbappé für 135 Millionen zu Newcastle?" titelten kurz darauf die einschlägigen Portale und auch der Name Timo Werner tauchte auf der angeblichen Wunschliste der Nordengländer auf.

Tabellenvorletzter Newcastle will nicht sofort Meister werden

Laut dem Telegraph wollen die Eigner in der Winter-Transferphase allerdings nur umgerechnet knapp 60 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Bis zur ersten Meisterschaft rechnet der Klub mit "fünf bis zehn Jahren", wie das einflussreiche Aufsichtsratsmitglied Amanda Staveley der Zeitung sagte.

Investments in Fußballklubs sind selten kurzfristig angelegt, man kann sich nicht innerhalb einer Saison eine Weltauswahl zusammenstellen.
Florian Follert, Sportökonom

Premier League legt sich selbst Fesseln an

Die Liga beschloss dennoch nach Bekanntwerden des Deals mit 18:2-Stimmen, dass keine Sponsorenverträge mit Unternehmen aus dem Besitz ihrer Eigentümer abgeschlossen werden durften. Die Regel sollte vorerst testweise für vier Wochen gültig sein. Damit sollte verhindert werden, dass Verluste, die gegen das Financial Fair Play verstoßen, mit realitätsfernen Sponsorendeals schöngerechnet werden.

Dass die Premier League daran arbeitet, eine Praxis zu unterbinden, die zum Geschäftsmodell fast aller investorengetrieben Klubs gehört, deutet auf eine gewisse Nervosität hin. Weltweit sind mit Geld vollgepumpte Investment-Fonds auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten.

Debatte um Menschenrechtsverletzungen

"Investments im Sport bieten sich an, weil der Markt dort immer noch wächst. Gerade in Asien gibt es eine große Nachfrage nach Fußball, die noch nicht bedient ist", sagt Florian Follert.

Zuletzt stieg vor ein paar Tagen eine Investorengruppe um den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky mit 27 Prozent beim Überraschungsdritten West Ham United ein.

Für die Investoren gibt es zum einen finanzielle Motive, oft wollen sie sich aber auch gesellschaftlich legitimieren oder persönliche Anerkennung erreichen.
Florian Follert, Sportökonom

Image-Gründe dürften bei den saudi-arabischen Eignern von Newcastle eine tragende Rolle spielen und dies sorgt in England weiter für heftige Debatten. "Die saudi-arabische Regierung hat eine der schlimmsten Menschenrechtsbilanzen der Welt: Das als Lärm abzutun, ist empörend", sagte Layla Moran, außenpolitische Sprecherin der Liberaldemokraten, nachdem der Sondergesandte der britischen Regierung für Saudi-Arabien, Ken Costa, die Kritiken an dem Newcastle -Deal abgetan hatte.

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